Sozialarbeiter und Geschäftsführer

Gerd Dietrich-Wingender geht in Ruhestand

„Berufsjugendllicher“ Gerd Dietrich-Wingender geht am 31. März in Ruhestand. 17 Jahre hatt er dafür gesorgt, Remscheid ein bisschen jugendgerechter zu machen. Auch Schaufensterpuppe Juri fühlt sich im Jugendrat-T-Shirt pudelwohl. Foto: Roland Keusch
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„Berufsjugendllicher“ Gerd Dietrich-Wingender geht am 31. März in Ruhestand. 17 Jahre hatt er dafür gesorgt, Remscheid ein bisschen jugendgerechter zu machen. Auch Schaufensterpuppe Juri fühlt sich im Jugendrat-T-Shirt pudelwohl.

Gerd Dietrich-Wingender geht in den Ruhestand – Sozialarbeiter und Geschäftsführer des Jugendrates.

Von Peter Klohs

Remscheid. Auf der beruflichen Laufbahn Gerd Dietrich-Wingenders ist die Zielgerade erreicht, die Ziellinie ist bereits deutlich zu sehen. Am 31. März wird der Sozialarbeiter zum letzten Mal sein Büro an der Haddenbacher Straße betreten und sich einen Tag später bereits im verdienten Ruhestand befinden.

Seit 2004 ist der in Recklinghausen geborene Dietrich-Wingender Geschäftsführer des Remscheider Jugendrates und als solcher im Fachdienst Jugend, Soziales und Wohnen beheimatet. „Und zwar in der Abteilung Kinder- und Jugendförderung“, erzählt der Fastpensionär, der, fragt man ihn nach seinem Beruf, schlicht mit „Sozialarbeiter“ antwortet.

„Ich versuche, Remscheid ein Stück mehr jugendgerechter zu machen.“

Gerd Dietrich-Wingender

„Seit siebzehn Jahren arbeite ich mit dem Jugendrat zusammen“, berichtet er, „und versuche, Remscheid ein Stück mehr jugendgerechter zu machen. Dabei bin ich gar nicht so wichtig. Ich bin eine klassische Schnittstelle, die Projekte koordiniert, Termine zusammenführt, Ansprechpartner ist. Alles andere machen die Jugendlichen. Die haben das Sagen, nicht ich.“

Er mag und will das so. Nach dem Schönen, nach den beglückenden Momenten in seinem Beruf gefragt, antwortet Dietrich-Wingender ohne zu zögern: „Der direkte Kontakt mit den Jugendlichen, der zum Teil auch über das Berufliche hinausgeht. Die Entwicklung der jungen Menschen zu sehen und begleiten zu dürfen. Das Feedback, das mir zuteil wird.“ Natürlich ist der Sozialarbeiter stolz darauf, dass manche der Jugendlichen ihn „Papa Gerd“ nennen und einen väterlichen Freund in ihm sehen. Er bekommt sehr viel Wertschätzung, und weiß mit ihr umzugehen. „Ja“, gibt er zu, „es gibt auch nicht so schöne Momente in meiner Arbeit, aber die gibt es überall.“

Dietrich-Wingenders Weg zum Remscheider Jugendrat war kein direkter. Seine Schwester erkrankte („Damals waren die Luftverhältnisse im Ruhrgebiet Auslöser mancher Krankheit.“), und die Familie wandte dem Pott den Rücken zu. Sein Abitur machte Dietrich-Wingender in Meinerzhagen, seinen Zivildienst auf Borkum. Er arbeitete in Bielefeld-Bethel, wurde als Diakon ausgebildet und merkte, dass dies nicht seine Welt war. „Ich wollte mich mehr der weltlichen Sozialarbeit widmen.“ Er studierte Soziale Arbeit und machte in seinem Anerkennungsjahr zum ersten Mal Bekanntschaft mit Remscheid, genauer: mit Lennep, „da, wo heute ‚Die Welle’ ist.

Der Praxisschock war am Anfang schon gewaltig. Als gutbehüteter Pfarrerssohn hatte ich von den Problemen der Jugendlichen keine Ahnung. Ich habe als kleiner Angestellter angefangen, bis nachsieben Jahren eine Festanstellung bei der Stadt Remscheid folgte, inklusive einer Freistellung für die Jugendarbeit. Mein Büro war damals in der Gelben Villa.“ Die Hinwendung zur Kinder- und Jugendförderung war nicht mehr fern.

Seit 17 Jahren ist er im Jugendrat zu Hause

Ende 2003 wurde der Sozialarbeiter Geschäftsführer des Jugendrates, der im Jahr 2004 zum ersten Mal gewählt wurde. „Das war auch für mich persönlich sehr wichtig“, erzählt er, „ich habe vorher immer gedacht, dass in meinem Berufsleben alles provisorisch sei. Aber seit 2004 bin ich hier wirklich zu Hause.“

Inzwischen hat er neun Generationen von motivierten Jugendlichen erlebt. „Geblieben sind die Themen, die die jungen Menschen beschäftigen: Ausländerfeindlichkeit und Rassismus hat schon immer an der ersten Stelle gestanden. Verändert hat sich der Status des Jugendrates, natürlich auch dank Facebook und Instagram, aber auch wegen der effektiven Arbeit der Jugendlichen.“ Inzwischen ist der Jugendrat auch beim Thema „Untere Alleestraße“ eingebunden und bringt eigene Ideen zur Gestaltung des Straßenabschnitts ein.

Was macht er als Erstes am Morgen des 1. April? „Ausschlafen“, sagt er und lacht herzlich.

Zur Person

Gerd Dietrich-Wingender, vor beinahe 64 Jahren in Recklinghausen geboren, beendet am 31. März seine berufliche Tätigkeit als Sozialarbeiter und Geschäftsführer des Jugendrates der Stadt und geht in den Ruhestand. Als seine Nachfolgerin wird Marie Münstermann ab dem 1. April die Tätigkeit für den Remscheider Jugendrat fortsetzen.

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