Symbolische Schlüsselübergabe

Aus Honsberger Kirche wird eine Kita

Eingebettet in Natur: die ehemalige Kirche St. Bonifatius am Honsberg.

St. Bonifatius wird entweiht. Tagespflege und Kindertagesstätte entstehen. Kaufvertrag ist abgeschlossen.

Von Andreas Weber

Gruppenbild vor dem Altar in St. Bonifatius mit den Käufern der IBS, vertreten durch Daniel Laubach (l.) und Mario Temmink (2.v.l.). 

Das spannendste und ungewöhnlichste Kita-Bauprojekt in Remscheid wurde am Dienstagnachmittag mit einer symbolischen Schlüsselübergabe durch Monsignore Thomas Kaster an den Hildener Bauherren Mario Temmink öffentlich gemacht: Aus der ehemaligen Kirche St. Bonifatius am Honsberg wird eine Kindertagesstätte, kombiniert mit einer Tagespflege. Fast die komplette Stadtspitze um OB Burkhard Mast-Weisz, Politiker und Vertreter der katholischen Kirchengemeinde St. Suitbertus hatten sich um den Altar in dem nüchternen, kubischen Betonbau versammelt, um den Stellenwert der Umwidmung zu signalisieren, die ab 2020/21 weitere 80 dringend benötigte Kita-Plätze schaffen wird.

Im März/April will die Immobilien und Bauträger Service (IBS) den Bauantrag einreichen, für den Spätsommer 2020 wird die Eröffnung der Kita am Engelsberg 8 angestrebt. 2006 wurde St. Bonifatius geschlossen. Über zwölf Jahre stand das Gebäude leer, nachdem die katholische Kirche in den 70er Jahren noch Bedarf für ein weiteres Gotteshaus gesehen hatte. 2500 Katholiken lebten Mitte der 70er Jahre in Kremenholl und Honsberg. Damals sollte ihnen der beschwerliche Berg hoch zur am Markt gelegenen Kirche St. Suitbertus erspart werden.

Standpunkt von Andreas Weber

Nach den Plänen des Wuppertaler Architekten Arthur Hoffmann wurde die moderne, funktionale Filialkirche auf das 11 000 Quadratmeter große Hanggelände gesetzt. 1978 wurde sie eingeweiht, jedoch nie richtig angenommen. „Die Zahl der Priester nahm ab, die der Gemeindeglieder auch“, erklärte Thomas Kaster gestern den Anwesenden bei der Verkündung des Kaufvertrages. „Ich kenne die Kirche nur ohne die Gemeinde“, fügte der Pfarrer hinzu. Zuletzt hatte dort die polnische Gemeinde ein Zuhause, die nach der Schließung 2006 nach St. Engelbert kam.

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Architektin Karola Abrahams, die sich in der Gemeinde um die Liegenschaften kümmert und den Bauausschuss berät, erinnert sich, dass erste Bemühungen darauf zielten, den ineinander übergehenden Komplex mit Kirche, Pfarrzentrum und Hausmeisterwohnung abzureißen und einen Bauträger zu finden, der an der Stelle Einfamilienhäuser errichtet. „Das gestaltete sich aufgrund der extremen Topographie schwierig.“

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Monsignore Thomas Kaster lobt Einsatz von Ottmar Gebhardt

ST. BONIFATIUS

KOSTEN Bauherr IBS aus Hilden rechnet mit reinen (Um-)Baukosten von 1,6 bis 1,8 Millionen Euro für das ambitionierte Projekt Kita und Tagespflege in der seit 2006 geschlossenen katholischen Filialkirche St. Bonifatius am Honsberg. IBS-Vorstand Mario Temmink bestätigte gestern, dass die IBS mit zwei Trägern im Gespräch sei, von denen einer später beide Einrichtungen aus einer Hand betreuen werde.

Werner Grimm, Kita-Planer der Stadt, berichtete, dass die ersten Gespräche über eine neue Kita an der Stelle im März 2017 aufgenommen worden waren. Mit dem dritten Investor klappte es schließlich. Die IBS, Remscheidern als Bauherr am Waldhof bekannt, kennt sich in Kirchenprojekten aus. Nicht zuletzt die eigene Firmenzentrale in Hilden befindet sich in einer ehemaligen evangelischen Kirche. Am 20. Dezember wurde der Verkauf von St. Bonifatius besiegelt. Dass die Kirche kurz zuvor unter Denkmalschutz gestellt worden war, hatte die Verhandlungen nicht erleichtert. Dass sie am Ende erfolgreich abgeschlossen wurden, dafür dankte Thomas Kaster vor allem Ottmar Gebhardt. Die Hartnäckigkeit und das Geschick des Kirchenvorstandes und Bauausschuss-Mitgliedes in St. Suitbertus habe entscheidend dazu beigetragen, dass die Kirche profanisiert werden kann. Die Zusage für die Entweihung liegt vom Erzbistum Köln vor, im ersten Halbjahr soll sie erfolgen. Kaster sprach davon, dass die Kirche gehalten sei, eine „würdige, angemessene Nutzung zu finden“.

Das ist durch die IBS-Pläne garantiert. Alt und Jung werden in dem verwunschenen Objekt, dass sich die Natur außen nach Jahren des Leerstandes zurückgeholt hat, eine Bleibe finden. Die ehemalige Kirche soll zu einer Tagespflege mit 18 bis 24 Plätzen umgebaut werden, möglicherweise unter Erhalt der Wandgemälde und in jedem Fall der Deckenkonstruktion. Dies erfolgt in enger Absprache mit der Denkmalbehörde, ebenso wie die Umgestaltung des unterhalb gelegenen Pfarrzentrums und der Hausmeisterwohnung, die die viergruppige Kita (mit einer Außengruppe) beherbergen werden. Die Kita hat Priorität und soll vor der Tagespflege fertiggestellt werden. 

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