Projekt von enormer Tragweite

Honsberg soll weiter aufgewertet werden

Die Skizze zeigt, wie es auf dem Honsberg einmal aussehen könnte.
+
Die Skizze zeigt, wie es auf dem Honsberg einmal aussehen könnte.

Montag Stiftung Urbane Räume will Millionen in Wohnungen, Büros und ein Gemeinwohlzentrum investieren.

Von Andreas Weber

Remscheid. Das heruntergekommene Arbeiterviertel Honsberg hat in den letzten Jahren eine enorme Aufwertung erfahren. Der Honsberg ist in, hip und bei seinen Bewohnern beliebt. Dennoch gibt es viel zu tun. Die Montag Stiftung Urbane Räume (Bonn) ist dabei, einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung und weiteren Abkehr vom Schmuddelimage zu leisten.

Im Stadtentwicklungsausschuss stellte Dr. Robert Winterhager ein Projekt von enormer Tragweite vor, das den Honsberg noch mal einen Riesenschritt voranbringen soll. Es dreht sich um modernes Wohnen und Büros sowie - neben dem Lindenhof – den Bau eines zweiten Gemeinwohlzentrums, dem „HonsWerk“.

Dr. Robert Winterhager stellte die Pläne seiner Stiftung nun vor.

Im Südosten des Stadtteils möchte die Montag Stiftung in alten, größtenteils leerstehenden Gewag-Beständen attraktive Mietwohnungen schaffen. Das Projekt umfasst 7800 Quadratmeter Grundstücksfläche mit 15 Wohngebäuden und 67 Wohneinheiten, hauptsächlich in der Siemensstraße. Sofern die Gewag zustimmt, würde die Stiftung den Bestand, größtenteils 55 qm Wohnungen in Erbbaurecht übernehmen. 3200 m² Wohnfläche mit Grünbezug plus 450 m² Bürofläche stünden zur Verfügung.

„Eine große Chance für Remscheid und den Stadtteil“

Dr. Robert Winterhager

Allein fünf Millionen Euro hat die Montag Stiftung für Bau- und Planungskosten veranschlagt. Start könnte im Herbst 2021 sein – vorausgesetzt, die Stadt und die Gewag stimmen zu und die Stiftungs-Muttergesellschaft kommt in einer vertiefenden Machbarkeitsstudie zu einem positiven Ergebnis.

Weil die alten Wohnungen klein sind, sollen einige zusammengelegt werden, um Angebote für Familien und Wohngemeinschaften zu schaffen. Ein hoher Anteil – über 50 Prozent – soll über sozial geförderten Wohnungsbau bezogen werden können. Am Ende soll es aber einen Mix aus geförderten wie frei finanzierten günstigen Mietwohnungen geben. Momentan liegt der Leerstand dort bei 60 Prozent. Nach ihrem Umbau soll die aufgepeppte Siemensstraße unter den Schlagworten firmieren: „Leben &  Arbeiten, Kiosk & Uni, Kunst & Kaffee“.

Seit 2017 arbeitet die Stiftung am Konzept. Robert Winterhager ist sicher: „Das kann eine Erfolgsgeschichte werden.“ Der gebürtige Remscheider begreift den gemeinnützigen Invest als „große Chance für Remscheid und den Stadtteil“. Profit schlägt die Montag Stiftung daraus nicht. „Unsere Rendite besteht in der Mehrung des Gemeinwohls“, erklärte Winterhager den Ausschussmitgliedern im Großen Sitzungssaal des Rathauses.

Bei der Umgestaltung können sich die Bürger aus den 43 Nationen, die am Honsberg leben beteiligen. Es wird ein Projektraum eingerichtet mit Ansprechpartnern, die für Anregungen offen sind. Mit Wohnungen und Büros soll begonnen werden, in einem zweiten Schritt - ein, zwei Jahre später - ein Kultur- und Bildungszentrum folgen. Eine Konkurrenz zum Neuen Lindenhof werde das „HonsWerk“ nicht darstellen. „Ich bin im Austausch mit Ralf Noll und der hat mir signalisiert, dass sein Lindenhof mit Veranstaltungen aus allen Nähten platzt. Deshalb werden wir uns nicht gegenseitig schaden.“ Das „HonsWerk“ wird um die Ecke in der Halskestraße neu gebaut, wo heute drei verwaiste Abrisshäuser stehen.

Nach dem Studienort der Rheinischen Fachhochschule der nächste große Schritt für den Stadtteil.

Die über Städtebauförderung realisierte Einrichtung soll eine Nutzfläche von 500 m² aufweisen. Es könnte dort eine Werkstatt als Bildungsort für Kinder und Jugendliche geben, einen interkulturellen Salon, gedacht für Bildung und Teilhabe, insbesondere Frauen mit Migrationshintergrund, Dachterrasse, Event-Platz, Veranstaltungsraum, großzügige Außenterrasse. Das „HonsWerk“ würde in unmittelbarer Nachbarschaft der Rheinischen Fachhochschule Köln entstehen und der Künstlerwerkstatt „Ins Blaue.“

Hintergrund

Die Montag Stiftung Urbane Räume gAG ist eine unabhängige gemeinnützige Stiftung und gehört zur Gruppe der Montag Stiftungen (Bonn). Im Sinne des Leitmotivs der Stiftungsgruppe „Handeln und Gestalten in sozialer Verantwortung“ engagiert sie sich als unabhängige Partnerin von Kommunen, Verbänden, zivilgesellschaftlichen Initiativen, wo Stadtteile von besonderen sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen geprägt sind.

Auch in Sachen Kinderbetreuung tut sich am Honsberg einiges: In der ehemaligen Kirche St. Bonifatius entsteht eine Kita, in der bis zu 75 Mädchen und Jungen Platz finden sollen.

Standpunkt: Überaus begrüßenswert

Von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga-online.de

Während die Kandidaten zur Kommunalwahl am Donnerstag noch darüber diskutierten, wie man in einer Stadt mit wenigen freien Grundstücken das Wohnungsangebot verbessert, kommt eine Stiftung und zeigt, wie es gehen kann. Die Montag Stiftung plant, Wohnungen von der Gewag zu übernehmen und zu sanieren. Ganz ohne das Ziel, mit hochwertigen Eigentumswohnungen den dicken Reibach zu machen. Dafür aber mit einem Konzept, das das ganze Quartier mitnimmt. Würde hier ein privater Investor aktiv, sähe das vermutlich anders aus – was man ihm noch nicht einmal vorwerfen könnte. Schließlich ist ja genau das sein Job.

Begreift man Wohnen aber als Teil der Daseinsvorsorge – das Bundesverfassungsgericht hat mal gesagt, dazu gehören alle Leistungen, derer der Bürger zur Sicherung einer menschenwürdigen Existenz unumgänglich bedarf – ist das Engagement der Stiftung überaus begrüßenswert. Hoffentlich erhält sie mindestens genauso viel Unterstützung, wie sie ein potenter Privatinvestor bekäme.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Die Vergessenen aus dem Morsbachtal
Die Vergessenen aus dem Morsbachtal
Die Vergessenen aus dem Morsbachtal
Feuerwehr rüstet nach Hochwasser auf - Neues Fahrzeug vom Land
Feuerwehr rüstet nach Hochwasser auf - Neues Fahrzeug vom Land
Feuerwehr rüstet nach Hochwasser auf - Neues Fahrzeug vom Land
Corona: Ab Freitag gilt Inzidenzstufe 1 - Ärzte impfen nur wenige Kinder
Corona: Ab Freitag gilt Inzidenzstufe 1 - Ärzte impfen nur wenige Kinder
Corona: Ab Freitag gilt Inzidenzstufe 1 - Ärzte impfen nur wenige Kinder
Alpakas an der Leine sind der Hingucker auf dem Wanderweg
Alpakas an der Leine sind der Hingucker auf dem Wanderweg
Alpakas an der Leine sind der Hingucker auf dem Wanderweg

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare