Projekt

Doppelte Pauluskirche: Am Hasten entsteht ein besonderer Spielplatz

Im verwilderten Garten im Hastener Kirchpark soll die Pauluskirche im Miniaturformat entstehen (v. l.): Oliver Trapp, Julia Sebig und Sven Becker freuen sich auf die Umsetzung.
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Im verwilderten Garten im Hastener Kirchpark soll die Pauluskirche im Miniaturformat entstehen (v. l.): Oliver Trapp, Julia Sebig und Sven Becker freuen sich auf die Umsetzung.
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Im Kirchpark am Hasten auf der Büchelstraße tut sich was: Bald können Kinder dort rutschen, schaukeln und in einer Miniaturkirche spielen. Da die Attraktionen nicht billig sind, werden noch Spenden gesucht.

Von Andreas Weber

Remscheid-Hasten. Die benachbarte Kirche in Miniatur-Format für Kinder zum Toben. Auf Deutschlands Spielplätzen wird man vergeblich nach Vergleichbarem suchen. Die evangelische Kirchengemeinde Hasten und Oliver Trapp packen das Mammutprojekt an. Holztrapp, wie die Firma des 50-jährigen Remscheiders heißt, verkleinert die Pauluskirche auf 3,50 x 6,50 Meter Größe. Sie wird das Prunkstück eines kleinen Spielplatzes, dessen Herrichtung auf dem weitläufigen Kirchengelände an der Büchelstraße bevorsteht.

Oliver Trapp ist ein gefragter Handwerker. Mit seinen individuellen Holzspielgeräten für Tagesstätten und Schulen ist er regional bekanntgeworden. Die Arche Klausen brachte ihn erstmals groß in den RGA. Die Aufträge reißen nicht ab. Seine Referenzliste von Spielgeräten, Möbeln und Dekostücken ist lang. Momentan möchte eine Rader Kita ein Baumhaus von ihm gefertigt bekommen, eine Wuppertaler Einrichtung hätte gerne eine Schwebebahn.

Neuer Spielplatz im Kirchpark am Hasten: Kleine Pauluskirche wird 4,50 Meter hoch

Seit seiner Jugend arbeitet der Hohenhagener, der unweit entfernt in Bahnhofsnähe seine Werkstatt hat, mit Holz. 2014 machte er sich mit seiner kreativen Ader selbstständig. Für die Pauluskirche hat Trapp erste Pläne gezeichnet, die dem Original detailgetreu nachempfunden sind. Mit einer Sakristei, auch der Turm wird draufgesetzt. Bis in 4,50 Meter Höhe soll dieser sich recken und zu besteigen sein. Höher darf die Kirche nicht werden. „Denn wir müssen die Anfälligkeit bei Stürmen berücksichtigen“, erklärt Trapp. 25 bis 30 Kinder sollen auf den Bänken in der Mini-Kirche Platz nehmen und Erwachsene darin stehen können.

Die Idee geht auf die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Hastener Gemeinde zurück. 2019 nahmen sie sich vor, das verwilderte Gartenstück zu gestalten. Corona kam dazwischen. Die 350 Quadratmeter wurden zwar zwischendurch gerodet, wucherten wieder zu, gerieten aber nicht in Vergessenheit. 2021 setzten sich Jugendreferentin Julia Sebig und der Sven Becker (Garten- und Landschaftsbau Klaus Pawlik) zusammen. Letzterer brachte als Dritten im Bunde Oliver Trapp ins Spiel. Der war nach „tollen, kreativen Gesprächen“ Feuer und Flamme.

Neuer Spielplatz im Kirchpark am Hasten: Neben der Kirche wird es weitere Besonderheiten geben

Die Beteiligten einigten sich auf drei Schwerpunkte: Es wird eine an Robinienhölzer eingehängte Nestschaukel geben, in der bis zu sechs Kinder gleichzeitig schwingen können. Ein Clou wird das Erdhügelhaus sein. Es entsteht auf einer leichten Anhöhe, die aus dem Aushub besteht, der nebenan für den gerade eingeweihten Boule-Platz auf dem Kirchengelände ausgekoffert wurde. In etwas über 1,20 Meter Höhe entsteht die nur mit einer Rückwand versehene Holzhütte (Maße: 1,20 x 1,20 Meter), die zwei Zugänge haben wird und von der die Kids mit einer Rutsche zu Boden sausen.

„Klettern, Balancieren und Rutschen wird dort möglich sein“, meint Trapp. „Bewegung ist ja ein Thema, das durch Corona noch mehr Gewicht bekommen hat“, fügt Julia Sebig hinzu. 1998 stieß sie zur Gemeinde in Hasten. Die ersten 15 Jahre waren nicht einfach, die brachliegende Jugendarbeit musste langsam aufgebaut werden. Mittlerweile ist ihre Arbeit ein Selbstläufer. „Im Laufe einer Woche gehen heute 300 Kinder und Jugendliche durch“, freut sich Sebig. und die erhalten nun eine zusätzliche Attraktion mit dem Spielplatz. 35.000 Euro wird dieser kosten. 20.000 Euro hat die Gemeinde zusammen, 10.000 kamen vom Land NRW über das Programm „Aufholen nach Corona“. Um weitere Spenden bemüht sich die ehrenamtliche Mitarbeiterin Alexa Grebel. Die spektakuläre Idee mit einer Kirche neben der Kirche wird ihr, so hoffen die Initiatoren, die ein oder andere Tür öffnen.

Aus Sicherheitsgründen gibtes keine Fenster und Türen

In der ersten September-Hälfte wird Sven Becker loslegen. Vier kaputte Nadelbäume müssen weichen, ein nicht mehr benötigter Strommast ebenso. Dann wird der Wildwuchs entfernt, die Fläche planiert, Rasen eingesät, das Erdhügelhaus modelliert, das Gelände neu eingezäunt. Zwei Häuschen für Müll und Grillzeug bleiben stehen. Als Erstes wird die Nestschaukel installiert, wenn die bestellten Materialien dafür eingetroffen sind. „Spätestens in einem Jahr wollen wir mit der Mini-Kirche beginnen, wenn die benötigten Gelder vorhanden sind“, kündigt Julia Sebig an.

Die Pauluskirche aus Holz wird zwar die entsprechenden Aussparungen haben, aber keine Fenster und Türen. „Aus Sicherheitsgründen und um Vandalismus vorzubeugen“, erklärt Oliver Trapp. Soziale Kontrolle ist aber gegeben. Denn an den Spielplatz grenzt ein Mehrfamilienhaus, deren Bewohner demnächst von ihren Balkonen auf die doppelte Pauluskirche schauen werden.

Wer sich mit einer Spende beteiligen möchte, wende sich an die Gemeinde per E-Mail: julia.sebig@ekir.de.

Pauluskirche steht für den Begriff „Filiale“

Die Pauluskirche wurde 1853 in Hasten als Filialkirche eingeweiht, nachdem davor die Kirche am Markt die einzige in Alt-Remscheid gewesen war. Von ihr rührt der bis heute benutzte Name „Filiale“ für den Hasten. Die Kirche war Ausdruck wachsenden Selbstbewusstseins in dem aufstrebenden Stadtteil. Möglich wurde ihr Bau erst nach langem Verhandlungsgeschick, angeführt von dem Lehrer Eduard Krenzer, der Geld sammelte und die Trommel rührte. Lange war die Kirche nicht selbstständig, hatte keinen eigenen Pfarrer. Von 1853 bis 1929 hieß sie Filialkirche. Pfarrer Georg Karl Theodor Haug, von 1927 bis 1929 in Hasten, sorgte dafür, dass sie nach einer Renovierung in Pauluskirche benannt wurde.

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