Familienzeit

Hochbegabung: Erste Anzeichen lassen sich in der Kita beobachten

Kita-Leitern Petra Zwickl (l.) und Sozialpädagogin Sabine Heine-Zimmermann spielen mit den Kindern Schach. Foto: Alexandra Dulinski
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Kita-Leitern Petra Zwickl (l.) und Sozialpädagogin Sabine Heine-Zimmermann spielen mit den Kindern Schach.

Ob ein Kind hochbegabt ist, kann nur ein Psychologe feststellen. Frühestens ab sechs Jahren sollte ein Intelligenztest gemacht werden.

Von Alexandra Dulinski

Schnelles Denken, ein gutes Gedächtnis und Fragen, Fragen, Fragen: Die Anzeichen, dass ein Kind hochbegabt sein könnte, sind vielfältig. Das wissen Petra Zwickl und Sabine Heine-Zimmermann vom Montessori Kinderhaus Halbach. Die Kita beherzigt nicht nur die Montessori-Pädagogik, sondern legt ihren Schwerpunkt auf das Thema Hochbegabung.

Eines ist dabei ganz klar: „Man kann in dem frühen Alter nie sagen, ob ein Kind hochbegabt ist“, sagt Kita-Leiterin Petra Zwickl. Aber es gibt Anzeichen, die sie und Sabine Heine-Zimmermann aufhorchen lassen. Petra Zwickl: „Beobachten ist das A und O.“

„Eine solche Aussage hat Gewicht. Sie kann Hoffnung wecken oder Ängste schüren.“

Sabine Heine-Zimmermann, Sozialpädagogin

„Es gibt nicht das eine hochbegabte Kind“, weiß Sabine Heine-Zimmermann. Eine schnelle Auffassungsgabe, ein früh entwickelter Wortschatz, ein gutes Gedächtnis und eine gute Beobachtungsgabe können unter anderem aber erste Hinweise sein. Oft zeichnen die Kinder sehr detailliert – und überspringen in ihrer Entwicklung ganze Phasen. „Manche stehen einfach auf und gehen los“, erklärt Sabine Heine-Zimmermann. Sie hinterfragen alles – und langweilen sich schnell.

Ob ein Kind hochbegabt ist, kann nur ein Psychologe feststellen. Frühestens ab sechs Jahren sollte ein Intelligenztest gemacht werden, wissen die beiden Frauen. „Ab 12/13 Jahren ist der Wert stabil“, sagt Sabine Heine-Zimmermann, selbst Sozialpädagogin.

Im Unterschied zur Begabung, bei der ein Kind oft in nur einem Bereich fit ist – beispielsweise in der Musik oder im Sport – decke die Hochbegabung mehrere Bereiche ab. Hochbegabte haben die angeborene Fähigkeit, sich auf neue Situationen einzustellen und unbekannte Probleme zu lösen, weil sie eine hohe geistige Flexibilität mitbringen. Im Montessori Kinderhaus können die Kinder Gleichgesinnte finden. Dort lernen sie auch, Dinge zu Ende zu bringen, auch wenn sie sich langweilen. Und anderen Kindern die Chance zu geben, etwas auszuprobieren, auch wenn das hochbegabte Kind es schon kann. „Es ist aber auch wichtig, dass das Elternhaus mitmacht“, erklärt Petra Zwickl.

Das Spielen in der Kita ist ganz besonders wichtig. Mit Perlen können die Kleinen schon komplexe Aufgaben spielerisch rechnen, mit Lego komplexe Bauwerke stecken und Schach spielen.

Bei den 41 Kindern der Kita sei mit Sicherheit ein hochbegabtes dabei. Drei schätzen Zwickl und Heine-Zimmermann als überdurchschnittlich begabt ein.

Mit dem Begriff „hochbegabt“ gehen Petra Zwickl und Sabine Heine-Zimmermann aber äußerst vorsichtig um. Sie können nur den Weg in die richtige Richtung zeigen, nicht aber eine Diagnose stellen. „Eine solche Aussage hat Gewicht. Sie kann Hoffnung wecken oder Ängste schüren“, erklärt Sabine Heine-Zimmermann.

Die Montessori-Pädagogik biete den Kindern einen Raum, in dem sie sich individuell entwickeln können. „Nach Montessori ist alles möglich. Wir lassen es auch zu. Wir versuchen, nach oben keine Grenze zu setzen“, sagt Heine-Zimmermann. Will ein Kind schon mit 100er-Zahlen rechnen, darf es das. Möchte es einen Brief an seine Eltern schreiben, unterstützen die Erzieherinnen es. „Die Kinder brauchen immer Futter“, weiß die Sozialpädagogin.

Oft akzeptieren sie Autoritäten nicht als solche. „Sie bekommen dann den Stempel aufgedrückt, nicht gut erzogen zu sein. Dabei wollen sie einfach eine Antwort auf ihre Fragen haben.“ Ausbremsen dürfe man sie nicht.

Nicht jede positive oder negative Eigenschaft eines Kindes ist auf Hochbegabung zurückzuführen – sondern kann auch auf Autismus oder ADHS hindeuten. „Hochbegabung ist oftmals ein Tabuthema“, sagt Zwickl. Wenn ein Kind älter wird, bekomme es schnell das Gefühl, jenseits der Norm zu stehen. „Wenn ich aber weiß, mein Andersdenken hat einen Grund, kann ich mich und andere besser annehmen“, sagt Zwickl. „Hochbegabung ist ein Geschenk.“

Hintergrund

Kita-Leiterin Petra Zwickl und Sozialpädagogin Sabine Heine-Zimmermann nennen weitere Anzeichen, die auf eine Hochbegabung schließen können: großen Wissensdurst und Neugier, Interesse an älteren Spielpartnern, Interesse am Lesen, Schreiben und Zahlen, schnell mit Aufgaben fertig zu sein, schnelles Abspeichern von Informationen, die jederzeit abgerufen werden können, selbstständiges Verknüpfen von Fakten, zielorientiertes Arbeiten, hoher Gerechtigkeitssinn.

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