Historisches Foto

Siebenjähriger hatte bei Straßenbahntragödie Schutzengel - Heute suchen wir ein Gebäude

Welches Unternehmen hatte hier ein halbes Jahrhundert seine Zentrale?
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Welches Unternehmen hatte hier ein halbes Jahrhundert seine Zentrale?
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Das Rätselfoto der vergangenen Woche zeigte die Alte Bismarckstraße mit der steilsten Straßenbahnstrecke Deutschlands. Am 19. Februar 1947 ereignete sich dort ein Unglück mit vier Toten.

Remscheid. Das Gebäude und was darin produziert wurde, hat die Stadt Remscheid geprägt. Anfang 1964 wurde an dieser zentralen Stelle Richtfest gefeiert, wenige Monate später konnte der Neubau bezogen werden. Welches Unternehmen hatte hier ein halbes Jahrhundert seine Zentrale? Schicken Sie Ihre Lösung bis Donnerstag, 17. März, gerne auch verbunden mit persönlichen Anekdoten, an den Remscheider General-Anzeiger (RGA), Alleestraße 77-81, 42853 Remscheid, oder Mail: redaktion@rga.de

Das Rätselbild der vergangenen Woche

Die Gefällestrecke an der Alten Bismarckstraße war im Öffentlichen Nahverkehr ein westdeutscher Superlativ. „Der Abschnitt war mit einer Steigung von 10,6 Prozent der steilste Straßenbahnabschnitt in Deutschland“, schreibt Edelgard Diederichs. Oder, um es noch präziser zu formulieren: Die am 7. Juli 1893 in Betrieb genommene Remscheider Straßenbahn war die steilste Adhäsionsbahn in Deutschland. „Adhäsion bedeutet in dem Falle, dass ausreichend Haftung zwischen den Schienen und den Rädern der Fahrzeuge besteht“, erklärt Roland Benscheid.

Manfred Schwinghammer hätte sie am 19. Februar 1947 sein Leben kosten können. Damals war er sieben Jahre alt, als das schlimmste Straßenbahnunglück der Remscheider Geschichte passierte in Höhe von Radio Kappen. Vier Tote und 33 zum Teil Schwerverletzte forderte das Schienendrama im Winter mit der „Lektrischen“.

Schwinghammer und seine Mutter hatten einen Schutzengel: „Durch die Verabschiedung meines Vaters, der nach Heidelberg fahren wollte, um dort Tabak zu hamstern, verpassten wir die Linie 3 zum städtischen Krankenhaus in der Burger Straße, um dort meine schwerkranke Tante zu besuchen. Meine Cousinen, 21 und 7 Jahre alt, waren unglücklicherweise in dieser Bahn. Es war Glatteis, als bei der Talfahrt in der Alten Bismarckstraße die Bremsen versagten. Der Fahrer ließ noch Sand ab, was nicht half. Wegen der hohen Geschwindigkeit sprang die Bahn aus den Schienen, kippte auf die Seite und rutschte 300 Meter weiter bis zum damaligen Volkshaus.“ Schwinghammers ältere Cousine erlitt Schürfwunden. „Die Jüngere wurde seitlich mitgeschleift und verlor eine Gesichtshälfte. Meine Cousine verstarb drei Tage später.“

Früher: die Einmündung der Alten Bismarckstraße in die Bismarckstraße mit dem Haus Alte Bismarck-staße 15-17.

Friedrich Gröters berichtet von den Schwierigkeiten der „Lektrischen“ an diesem Steilstück: „Wenn der Motorwagen einen Anhänger mitführte, musste aus Sicherheitsgründen bei Berg- und Talfahrt ein Schaffner im Anhänger an der Bremse stehen.“ Diese Vorsorge für den Notfall hielt Hans-Werner Mellin als Kind immer für sehr spannend.

Gerne denkt Gudrun Matuschzik an die vielen Fachgeschäfte zurück, die es an der Alten Bismarckstraße gab. Heinz-Jürgen Schmitz zählt anhand des Rätselfotos aus dem Angebot auf: „Gut zu erkennen ist das Balkan-Restaurant sowie die Gaststätte Balkanstuben. Neben Radio Kappen befand sich Sport Kappen und auf dem freien Platz, wo der Magirus-Lkw steht, befand sich bis zum Angriff auf Remscheid 1943 unter anderem Uhrmacher Wiebel und ein Gardinengeschäft.“

Das Foto habe bei ihm voll in die Zwölf getroffen, freut sich Rainer Hoppe, denn: „Das Haus rechts im Bild ist die Nr. 19. Als Kind bin ich auf dem hinteren Hof Nr. 19 B groß geworden. Der damalige Vermieter war Herr Kappen, davon gab es Geschwister, die jeweils einen Einzelhandel betrieben. Zu sehen bei Haus 19 ist Wäsche und Textil Kappen, dazwischen Haus 17 Schuh Kappen, und am Markt gegenüber der Stadtkirche, Radio Kappen. Am Hinterhof befand sich die Werkstatt von Radio Kappen. Zu der damaligen Zeit mussten die Anwohner, um auf den Hinterhof zu kommen durch eine schmale Einfahrt, Löw genannt.“

Heute: Die Bahn gehört an der Stelle seit 1958 der Vergangenheit an, die Häuserzeile im Hintergrund ist erhalten geblieben.

Wie Hoppe erwähnt auch Wolfgang Blecken, der 1955 nach Remscheid kam, in der Bismarckstraße 35 lebte und auf seinem täglichen Schulweg zum Städtischen Naturwissenschaftlichen Gymnasium an der Stelle vorbeikam, die Pommesbuden, die es hier gab. Jörg Wagner verweist in seiner langen Zuschrift zur „Lektrischen“ darauf, dass diese die Steilstrecke letztmalig am 19. Juni 1958 befuhr.

Weitere richtige Einsendungen schickten Nicole Lutze, Ulrich Hager, Dieter Prill, Jürgen Urbinger, Birgit Völpel, Friedhelm Schulze, Renate Starck-Tillmans, Ilse Megdenberg, Helmut Schucht, Astrid Hölschen und Hermann Schmitz.

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