Historisches Foto

Um welchen Kotten handelt es sich hier?

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Um welchen Kotten handelt es sich hier?
  • Andreas Weber
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Das Rätselfoto der vergangenen Woche zeigte den einstigen Besuchermagnet in der Einkaufszone. Welchen Kotten suchen wir dieses Mal?

Weg von der Einkaufsmeile, rein in die Natur. Mit diesem Rätselfoto wechselt der RGA an einen der Orte, wo Remscheid seine Stärken entfaltet. Das Foto stammt aus dem Jahr 1978. Um welchen Kotten handelt es sich? Schicken Sie die Lösung bis Donnerstag, 24. Juni, verbunden mit persönlichen Anekdoten, an den RGA, Alleestraße 77-81, 42853 Remscheid; oder E-Mail: redaktion@rga.de.

Unser Rätselfoto der vergangenen Woche: Im Kaufhof in der unteren Alleestraße gab es alles zu kaufen

Remscheid. „Das waren Zeiten, als die untere Alleestraße so richtig belebt war“, kommentierte Dieter Prill das Rätselfoto vom vergangenen Samstag, verdammt lang her, dass der Kaufhof Massen in die heute trostlose Einkaufszone zog. „Als Vollsortimenter war er als Nahversorger sehr beliebt, hier gab es einfach alles. Nicht zu vergessen, der Kaufhof hatte im Souterrain ein eigenes Restaurant, das sowohl vom Geschäft als auch von der Blumenstraße besucht werden konnte. Im näheren Umfeld befanden sich das Modehaus Sinn, das Conti-Eiscafé, die Adler Apotheke, die heute noch dort ist, auf der anderen Straßenseite das Lebensmittelgeschäft Schürmann und, und, und“, zählt Prill auf.

1914 wurde aus Leonard Tietz der Kaufhof. 1995 wurde dieser dichtgemacht und durch die Allee-Arkaden ersetzt

Roland Benscheid erinnert sich, dass der Kaufhof für ihn als Kind eine Attraktion war. „Für mich gab es in der Spielwarenabteilung im obersten Stockwerk die begehrten Siku-Autos, damals aus Lüdenscheider Produktion. Heute werden die Spielzeugautos in China gefertigt.“ Im Erdgeschoss fand er bei den Schreibwaren als Sammler Briefmarkensortimente und im Untergeschoss wurden Lebensmittel verkauft. „Es gab internationale Spezialitäten. Ich erinnere mich an belgisches Bier in Ein-Liter-Flaschen, was damals selten angeboten wurde.“ Und Thorsten Wolff kann nur bestätigen, wie wichtig der Kaufhof war: „1000-fach alles unter einem Dach – das war damals der Slogan. Ich muss sagen, man konnte tatsächlich (fast) alles im Kaufhof erhalten.“

Der RGA hatte im Altbau der Alleestraße 13 sein erstes Redaktionsgebäude

Der RGA hatte im Altbau der Alleestraße 13 sein erstes Redaktionsgebäude. „In der Eingangspassage konnten wir jeden Tag im Aushang die Tagesausgabe lesen“, denkt Benscheid zurück. Heinz-Jürgen Schmitz geht auf die Anfänge ein: „Die Alleestraße erhielt zwischen 1890 und 1910 durch moderne Wohn- und Geschäftshäuser sowie Verbreiterung ein großstädtisches Aussehen. In dieser Phase eröffnete 1891 das 1879 von Leonhard Tietz gegründete Kurz- und Wollwarengeschäft an der Alleestraße eine Niederlassung. Ab 1914 wurde aus Leonard Tietz der Kaufhof und dieser bezog gleichzeitig einen modernen Neubau. 1933 erfolgte die Änderung der Firma in Westdeutsche Kaufhof AG. 1951 wurde die Fläche des Kaufhofs um einen Erweiterungsbau vergrößert. Eine Passage mit 12 Schaufensterscheiben und eine Verbreiterung erfolgte.“ Eine Sensation sei das Restaurant im Erweiterungsbau gewesen, meint Benscheid. Das Restaurant bot Platz für 260 Gäste. Mit der Fusion der Horten KG 1994 bahnten sich erste Filialschließungen an. Nach 91 Jahren am Standort Remscheid wurde 1995 das Ende einer langen Tradition eingeleitet.

Am 26. November 1995 schloss der Kaufhof, schrieb Helmut Schucht, wurde abgerissen und durch die Allee-Arkaden ersetzt

Ernst Erdmann ergänzt, dass das Gebäude im Juli 1943 beim Bombenangriff in Schutt und Asche gelegt worden war. „1951 wurde der 1. Stock wieder ganz und der 2. Stock teilweise nutzbar.“ Nach der Schließung 1995 wurden dort 1997 die Allee-Arkaden errichtet. Thomas Groß befindet: „Der Kaufhof hätte in der Fußgängerzone nie schließen dürfen. Das war der Untergang der unteren Alleestraße.“

Wilfried Bewig denkt an seine Schwester Anneliese. „Sie ging 1953 beim Kaufhof in die Lehre. Während ihrer Berufszeit nahm sie an Modenschauen, die der Kaufhof veranstaltete, teil. Sie lernte hier auch ihre Freundin Erika, eine Arbeitskollegin kennen. 1958 begann ihr späterer Mann in der Sportabteilung. Mit diesem früheren Arbeitskollegen ist sie seit 61 Jahren verheiratet. Ihre Freundin Erika und deren Mann waren Trauzeugen. Sie sind bis heute befreundet, obwohl meine Schwester und ihr Mann in Ulm leben und Erika in Wuppertal.“

Die Schaufenstergestaltung machte vor 80 Jahren richtig was her: Astrid Strieder stellte dem RGA dieses Bild zur Verfügung. 

RGA-Leserin Astrid Strieder fand bei sich Zuhause auf dem Speicher an der Fichtenstraße alte Zeitdokumente von ihrem Vater Günther Molz. In einem vergilbten Umschlag verpackt, hinten mit dem Stempel „Kaufhof Remscheid“ versehen, entdeckte sie einen Satz mit 24 Schaufenster-Bildern vom Kaufhof aus den Kriegsjahren 1939/40, die die Bandbreite des Sortiments von Möbeln, Porzellan, Ober- und Unterbekleidung für Herren und Damen zeigte. In jedem Fall bewiesen sie, dass höchst stilvolle Dekoration schon damals ein Mittel war, um die Kundschaft zu locken.

Ob ihr seit langem verstorbene Vater diese Schwarz-Weiß-Fotos selber geschossen hat, oder ob sie vom Kaufhaus zu Werbezwecken aufgenommen worden waren, ist nicht bekannt.

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