Hilfe für die Ukraine

Hilfsgüter: Drei Lkw fahren von Remscheid nach Polen

Salvador Roman Ramos von Arbeit Remscheid ist auf dem Gabelstapler im Einsatz, um die Hilfsgüter in den Lastwagen zu heben. Der Remscheider Hilfskonvoi nach Polen besteht aus drei Fahrzeugen. 	Foto: Michael Schütz
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Salvador Roman Ramos von Arbeit Remscheid ist auf dem Gabelstapler im Einsatz, um die Hilfsgüter in den Lastwagen zu heben. Der Remscheider Hilfskonvoi nach Polen besteht aus drei Fahrzeugen.

Die Partnerstadt Mragowo in Polen hat mehr als 2000 Geflüchtete aufgenommen. Dort soll die Hilfe ankommen.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Die Vorbereitungen für den Konvoi in die Partnerstadt Mragowo wurden an diesem Dienstag abgeschlossen. Er ist größer als ursprünglich geplant: Drei statt zwei Fahrzeuge wurden bei der Initiative Arbeit Remscheid mit Hilfsgütern beladen – darunter ein 40-Tonner. Die Unterstützung gilt den Geflüchteten aus der Ukraine, die in der polnischen Kommune und ihrem benachbarten Landkreis ein Obdach gefunden haben. „Dort sind nun über 2000 Menschen angekommen, in Remscheid sind es zum Vergleich 500“, erklärt Sozialdezernent Thomas Neuhaus. Es gibt aber noch einen Unterschied: „Remscheid hat über 110 000 Einwohner, in Mragowo und seinen Nachbargemeinden leben rund 35 000. Daran lässt sich die Herausforderung ablesen, die unsere polnischen Freunde meistern müssen“, fügt Neuhaus hinzu.

Thomas Neuhaus (dritter von links) fährt mit weiteren Akteuren im Konvoi in die polnische Partnerstadt. Der OB Burkhardt Mast-Weisz (Mitte) begrüßt das Engagement der Remscheider.

Die Liste der Sachspenden, die Remscheider abgaben, ist lang. Sie reicht von Bekleidung über Hygieneartikel bis zu Schlafsäcken und Bettwäsche. „Mit den Geldspenden haben wir unter anderem 20 Stromgeneratoren angeschafft“, erklärt Neuhaus, der mit sechs Mitstreitern Mittwochabend das Reiseziel erreichen will. Rund 1200 Kilometer ist die Partnerstadt entfernt, die früher Sensburg hieß. Aus der Region stammen zahlreiche Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Remscheid ein neues Zuhause fanden.

Beeindruckt von der Hilfsbereitschaft zeigt sich OB Burkhard Mast-Weist: „Das ist ein starkes Stück Remscheid“, erklärt er mit Blick auf das Spendenaufkommen. Die Hilfe müsse aber fortgesetzt werden – auch bei der Versorgung von Flüchtlingen, die Remscheid aufnimmt. Darüber werde er an diesem Mittwoch unter anderem mit Vertretern der Wohlfahrtsverbände sprechen.
Nicht nur bei den Konvois zeigen sich die Remscheider hilfsbereit - Der Waldhof schafft in der Stadt Raum für Geflüchtete

SG Hackenberg engagiert sich für die Ukraine

In Mragowo will Neuhaus unterdessen auch Wege erkunden, um die Freundschaft weiter zu vertiefen: „Der Krieg führt uns vor Augen, wie wichtig ein vereintes Europa ist. Das muss noch stärker mit Leben erfüllt werden“, erklärt der Sozialdezernent, der bei Treffen mit Ortspolitikern und Vertretern des gesellschaftlichen Lebens Schulpartnerschaften ebenso ins Gespräch bringen will wie Sportbegegnungen.

Dabei weiß er Joachim Weber von der SG Hackenberg an seiner Seite, der ebenfalls mitfährt, um unter anderem Feldbetten zu transportieren. Neuhaus spricht von einer „enormen Tatkraft“ des Lenneper Clubs, der immer wieder internationale Fußballturniere ausrichtet – und sich nun in besonderer Weise für die Ukraine-Hilfe engagiere. „Die Mitglieder zählen zu den vielen großen und kleinen Helden“, erklärt der Sozialdezernent, der sich über die Solidarität in Remscheid freut. „Unternehmen und Supermärkte stellten uns großzügig Nahrungsmittel zur Verfügung. Ein Einzelspender hat 25 000 Euro überwiesen“, nennt Neuhaus Beispiele. „Nie hätte ich mir träumen lassen, dass wir so viel zusammenbekommen.“

Noch seien die meisten Flüchtlinge in Mragowo in Hotels untergebracht. „Doch irgendwann müssen sie die Zimmer räumen, weil die Tourismussaison beginnt“ , berichtet Neuhaus. Der Fremdenverkehr sei in der ansonsten ländlich geprägten Gegend ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Die Hilfe aus Remscheid biete manchen Geflüchteten eine Erstausstattung für das weitere Leben in Polen.

Die LKW

Der 40-Tonner wurde nach Angaben der Stadt von der Spedition Langenscheid zur Verfügung gestellt. Im Einsatz sind auch ein Crafter-Kastenwagen des Sportamts und ein 7,5-Tonnen-Lkw der Feuerwehr. Informationen zum Spendenkonto gibt es hier.

Standpunkt: Freundschaft leben

Kommentar von Frank Michalczak

frank.michalczak @rga.de

Städtepartnerschaften sind ein wertvolles Instrument, internationale Freundschaften zu pflegen – und das auf kommunaler Ebene. Sie bringen aber nach der feierlichen Besiegelung in den jeweiligen Rathäusern nichts, wenn es im Anschluss nicht zu Begegnungen der Menschen kommt. Zu Klassenfahrten, zu Brieffreundschaften, zu Austauschprogrammen der Vereine und Verwaltungen. Da könnte ganz sicher in Remscheid mehr los sein – nicht nur bei der Freundschaft mit Mragowo. Dass sie aber gelebt werden kann, zeigt die riesige Solidarität mit den Partnern in Polen, die sich um die Versorgung so vieler Geflüchteter aus der Ukraine kümmern. Remscheid hat innerhalb kürzester Zeit einen imposanten Hilfskonvoi organisiert, um bei der Hilfe zu helfen. Sollte Mragowo wieder aus dem Blickwinkel geraten, wenn die Krisenzeiten irgendwann vorbei sind, wäre dies schade. Sozialdezernent Thomas Neuhaus will jedenfalls vor Ort Wege suchen, die Partnerschaft zu vertiefen. Das ist gut so und im Sinne eines vereinten Europas, das weiter zusammenrücken muss.

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