Jugendfeuerwehr

Hier retten, löschen und bergen die Kinder

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Geschafft: Die Einsatzkräfte konnten die verletzte Person aus dem verqualmten Keller retten.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Der Nachwuchs kann in verschiedenen Gruppen in den Feuerwehrberuf reinschnuppern – Sie bekommen sogar eigene Kleidung.

Remscheid. Als Leon Mehnert und Maurice Ducamp vom Angriffstrupp die Stahltür des Kellers öffnen, schlägt ihnen Rauch entgegen. „Ist da jemand?“, rufen sie in den vernebelten Raum. Aus einer anderen Ecke ertönt ein leiser Hilferuf. Sofort leiten die Kameraden die Personenrettung ein – und bergen den Verletzten aus dem verqualmten Haus. Vorsichtig hieven sie den Mann auf die Trage. „Wir konnten die Person wegen des Rauchs nicht sehen, aber ertasten“, erklärt Jugendfeuerwehrmann Leon Mehnert nach dem erfolgreichen Einsatz.

Allerdings loderte hier heute kein Feuer im Haus, sondern Theaterrauch. „Das haben sie gut gemacht“, sagt Brandamtsrat Sebastian Huß. Für ihn ist es selbstverständlich, dass immer mal jemand von der Berufswehr beim Nachwuchs vorbeischaut. Und die stellt den Kindern und Jugendlichen nicht nur kostenlos ihre Dienstkleidung, sondern sogar zwei Löschfahrzeuge und drei Mannschaftstransportwagen, die sonst als technische Reserve in der Wagenhalle stehen. „Wir versuchen, so gut wie möglich zu unterstützen und die Kinder frühzeitig zu begeistern“, sagt Huß. Dass die Berufsfeuerwehr dem Nachwuchs Fahrzeuge stellt, ist etwas Besonderes, sagt der stellvertretende Stadtjugendfeuerwehrwart Tim Hilgers. „Wir sind ziemlich stolz darauf.“

Leon (15) und Maurice (12) sind zwei von über 100 Jugendlichen bei der Jugendfeuerwehr Remscheid, darunter übrigens rund 15 Mädchen, die den Jungs gut Paroli bieten. „Wenn sie den Schlauch werfen, liegt er wie eine Eins“, sagt der stellvertretende Jugendwart Patrick Böhl.

Das Soziale steht bei uns im Vordergrund.

Tim Hilgers

Bei der Jugendfeuerwehr lernen sie nicht nur den Beruf des Feuerwehrmanns kennen, sondern auch Teamwork, Respekt und Disziplin. Und das sieht nicht nur so aus wie bei den „Großen“, sondern fühlt sich für die Nachwuchskräfte auch so an: Auf ihrer Schutzkleidung prangt ihr Name, natürlich hat jeder seinen Helm. Auch 4,8-Kilo-Atemschutzgeräte tragen die jungen Einsatzkräfte auf dem Rücken. Geübt wird so real wie möglich. Aber natürlich ohne echtes Feuer. „Mich interessiert die Technik. Und das Menschenretten“, sagt Leon Mehnert, dem der Feuerwehrhelm in die Wiege gelegt wurde: Sein Vater, sein Onkel und sein Bruder sind ebenfalls bei der Feuerwehr. Fünf Jahre ist der AES-Schüler schon dabei. Die „Jugendflamme 1“, das erste Abzeichen, hat er schon in der Tasche. Für den 15-Jährigen gibt es daher nur ein Ziel: die Freiwillige Wehr.

Nach der Rettung ist Löschen angesagt.

Denn durch die Kinder- und Jugendgruppen erhofft sich die Feuerwehr Remscheid die Retter von morgen in ihren Löscheinheiten – und ist damit recht erfolgreich. „Die Übernahmequote von der Jugendfeuerwehr in die Freiwillige Feuerwehr liegt deutlich über 60 Prozent“, sagt Stadtjugendfeuerwehrwart Jens Clever. In erster Linie sollen die Kinder und Jugendlichen in den verschiedenen Gruppen aber Spaß haben. Spiele, Sport, basteln, Zeltlager, Ausflüge ins Phantasialand – und dabei die Grundlagen des Feuerwehrberufs kennenlernen. „Das Soziale steht bei uns stark im Vordergrund“, erklärt Tim Hilgers. Daher möchte man nun nach einer längeren Corona-Pause auch die beliebten Fußballturniere wieder aufleben lassen oder gemeinsam schwimmen gehen. Auch das fördert die Teamzusammengehörigkeit – und die ist bei einem Einsatz schließlich unerlässlich.

Feuerwehr in Remscheid spielt Notfallszenarien durch

Denn hier muss sich jeder auf den anderen verlassen können. Das üben die Kinder und Jugendlichen regelmäßig. Positionen wie Schlauchtrupp, Wassertrupp, Maschinist oder Melder besetzen sie alle reihum. Denn jeder muss alles können. „Am Jahresende fragen wir die Kinder, woran sie Interesse haben. Zum Jahresanfang stellen wir dann einen Dienstplan auf“, erklärt Böhl.

Vor den Sommerferien wird es richtig spannend für die Nachwuchskräfte: Dann gibt es den Berufsfeuerwehrtag mit Licht und Sirene. Hier läuft alles ab wie „in echt“. Und dann können die jungen Teams wieder beweisen, dass sie es genauso draufhaben wie die Großen.

Die Gruppen

  • Kinderfeuerwehr: Geeignet für 6- bis 10-Jährige. Hier wird alle zwei Wochen viel gespielt und gebastelt. Standort: bei der Freiwilligen Feuerwehr Hasten. Die Kinderfeuerwehr hat 19 Mitglieder.
  • Jugendfeuerwehr: Geeignet für 10- bis 18-Jährige. Es gibt Gruppen an fünf Standorten: Nord, Hasten, Lüttringhausen, Lennep und Team Lübo.
  • Mitmachen: Die Gruppen sind für alle Kinder offen. Sie müssen nichts mitbringen außer Lust und Freude – alles ist kostenfrei, sogar die Kleidung, die gestellt wird. Kinder und ihre Eltern können sich entweder direkt an den Standorten der Freiwilligen Feuerwehren persönlich melden oder über die zentrale E-Mail-Adresse der Berufsfeuerwehr:
    feuerwehr@remscheid.de
  • Mehr Infos: Die Jugendfeuerwehr und die Kinderfeuerwehr sind auch bei Facebook vertreten. Die Jugendwehr ist auch auf Instagram.

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