Dating

Herzschreiberin hilft bei der Partnersuche im Netz

Hilft als Ghostwriterin beim Anbandeln in Online-Partnervermittlungen auf die Sprünge: Journalistin Bettina Dahlhaus.

Die gebürtige Remscheiderin Bettina Dahlhaus betreibt in Hamburg eine Agentur, die Singles beim Dating auf die Sprünge hilft.

Von Andreas Weber

Mit ihrer Schreibe trifft sie mitten ins Herz. Bettina Dahlhaus hilft Singles bei der Online-Partnersuche auf die Sprünge. Wer sich bei der Kontaktaufnahme im Internet unsicher fühlt, den führt die gebürtige Remscheiderin behutsam zum ersten Date.

Im Mai 2014 eröffnete Dahlhaus ihre Agentur in Hamburg. Geboren wurde die Idee beim Kaffee mit einer Freundin: „Die war frisch getrennt, bewegte sich viel auf diversen Plattformen, war aber unsicher. Wir haben viel darüber gelacht, wie gähnend langweilig manche Profile von Männern sind, über die zahlreichen Rechtschreibfehler und die platte Anmache.“ Das kann ich besser, dachte sich die Mutter zweier erwachsener Kinder und warf ihre schreiberischen Fähigkeiten in die Waagschale.

Drei Singles aus dem Freundeskreis dienten als erste Versuchskaninchen. „Ich war total erstaunt, wie viele Zuschriften die hinterher bekamen.“ Die ehemalige Redakteurin der Frauenzeitschrift „Für Sie“ machte das Ghostwriting zu einer Dienstleistung, die in den USA schon lange gang und gäbe ist. Mancher findet einfach nicht die Zeit, aktiv zu suchen. Vielen aber fehlt der zündende Einstieg in den Flirt. „Wildfremde anzuschreiben, ist nicht jedermanns Sache.“ Bettina Dahlhaus löst die verbale Ladehemmung, wirft mit Pep den Köder aus. Ihr oberstes Gebot: Seriösität. Ihre Kunden füllen einen Fragebogen mit Eckdaten aus, hernach folgt ein ausführliches Interview, per Skype, lieber noch persönlich, im Schnitt 90 Minuten lang. „Nicht per Telefon, weil ich Mimik, Gestik und Aussehen meines Kunden genau studiere.“

Aus der Fülle der Kontakthöfe im Internet den richtigen festlegen

Ziel ist es, die Stärken des Gegenübers herauszuschälen und in Worte zu kleiden. Gestrunze hat keinen Platz. „Treibe viel Sport, habe nie schlechte Laune, bin jung geblieben.“ Blabla meidet Dahlhaus. „Dabei mache ich auch niemand zu einer Persönlichkeit, die er nicht ist.“ Hernach legt sie aus der Fülle der Kontakthöfe im Internet mit ihrem Kunden den richtigen fest. Parship könnte ein solcher sein. Das große Portal zielt auf ernsthafte Partnersuche. Die flotte Texterin kennt viele Anbieter, ist bei einigen selber mit Fake-Profilen unterwegs, um ein Gefühl für deren jeweilige Mitgliederstruktur zu entwickeln.

Bettina Dahlhaus, seit 21 Jahren glücklich verheiratet, lebt im Stadtteil Eppendorf. Ihr Büro hat sie in Groß Borstel. Dort rückt sie unter „www.dieherzschreiber.de“ am Bildschirm ihre Klientel ins Licht, hilft bei der Auswahl eines ansprechenden Fotos. „Das Bild ist das A und O. Selfies mit verzerrten Gesichtern sind eine Katastrophe.“ Wenn schon der erste Blick abtörnt, wird Amors Pfeil nie treffen. 189,90 Euro kostet die Erstellung eines geschliffenen Profils. Es lohne sich allemal, meint Dahlhaus. „Das Profil ist die Visitenkarte und dreiviertel der Miete.“ Dahlhaus gibt den Anstoß, eine Kupplerin ist sie nicht. „Ob es hinterher funkt, kann ich nicht beeinflussen.“ Eins verspricht sie freilich: „Was ausnahmslos funktioniert, ist, dass meine Kunden ihre Dates haben.“ Drei Treffen garantiert sie in ihren Verträgen. Wer über das Profil hinaus Coaching wünscht, kann dieses mit einem Monats-Abo von 29,90 Euro bestellen.

Über 40 Kunden hat sie aktuell in ihrer Kartei. Bettina Dahlhaus ist für den Erstkontakt zuständig. „Das Chatten später müssen die Kunden selber übernehmen.“ Sie zeigt aber auch Fallstricke auf, die im Internet bei der Partnersuche lauern, wie zum Beispiel die Echtheit von Fotos. Die „Herzschreiberin“ warnt vor „Katalogmentalität“. Sie rät, den Suchradius für den Traumpartner nicht zu eng zu fassen. „Nicht jeder ist Arzt oder Architekt, humorvoll, liebevoller Vater und nebenbei über 1,80 Meter groß.“

ZUR PERSON

BETTINA DAHLHAUS Die 51-Jährige stammt aus dem Südbezirk und machte 1984 am GBG ihr Abitur. Hernach ging sie nach Hamburg an eine Modeschule, begann danach bei der Zeitschrift „Für Sie“ ein Volontariat. Bezug nach Remscheid hat sie bis heute durch ihre Schwester.

Die 51-Jährige, die Remscheid 1989 verließ, um sich in Hamburg zunächst an einer Modeschule als Directrice und Schneidermeisterin ausbilden zu lassen, schärft die Sinne ihrer Kunden für windige Hunde, die es so ernst wohl nicht meinen. „Da gibt es Leute, die ellenlange E-Mails schreiben, aber über sich selber, ohne auf den anderen einzugehen.“ Das sind nicht selten die Typen, die mit „Copy and Paste“ auf mehreren Partnerbaustellen gleichzeitig unterwegs sind.

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