Historisches Zentrum

Herr und Frau Cleff ziehen zurück nach Hasten

Sie wollen die einstigen Hausherren von Haus Cleff wieder an ihren angestammten Platz bringen: (v. l.) Dr. Andreas Wallbrecht, Leiter des Historischen Zentrums, Mäzen Johann Wilhelm Arntz sowie Stadtdirektor Sven Wiertz mit den Gemälden von Carl und Ottilie Cleff. Foto: Doro Siewert
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Sie wollen die einstigen Hausherren von Haus Cleff wieder an ihren angestammten Platz bringen: (v. l.) Dr. Andreas Wallbrecht, Leiter des Historischen Zentrums, Mäzen Johann Wilhelm Arntz sowie Stadtdirektor Sven Wiertz mit den Gemälden von Carl und Ottilie Cleff.
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Unternehmer Johann Wilhelm Arntz vermacht dem Historischen Zentrum zwei Gemälde aus dem 19. Jahrhundert.

Von Melissa Wienzek

Ottilie und Carl Cleff kommen zurück nach Hasten. In ihr einstiges Wohnhaus werden sie aber vermutlich erst in ein paar Jahren wieder einziehen können: Das gleichnamige Haus Cleff ist marode und muss erst aufwendig restauriert werden, bevor die einstigen Hausherren wieder dort leben können. Bis es soweit ist, ziehen die beiden erst einmal im Archiv ein. Dort müssen die Herrschaften auch nicht frieren.

Ottilie und Carl Cleff, beide im 19. Jahrhundert geboren, haben sich gut gehalten: auf zwei Gemälden des Künstlers Johann Richard Seel, der 1842 auch die berühmte Karikatur „Der deutsche Michel“ entwarf und zur „Düsseldorfer Schule“ zählt. Der Remscheider Unternehmer Johann Wilhelm Arntz (80) schenkte dem Historischen Zentrum nun die beiden Gemälde aus der Biedermeier-Zeit, die schätzungsweise einen Wert von 5000 bis 7000 Euro haben – wobei der ideelle Wert noch viel größer ist.

Lesen Sie auch: Arbeiten am Haus Cleff sind im Zeitplan

Die beiden Kunstwerke, die sehr wahrscheinlich eine Auftragsarbeit waren, hingen zuletzt an der Wand in der Wohnung von Arntz’ Onkel an der Intzestraße. Als dieser vergangenes Jahr verstarb, erhielt Johann Wilhelm Arntz Carl und Ottilie Cleff. Der Diplom-Wirtschafts-Ingenieur und Senior Gesellschafter der Arntz GmbH wollte das Ehepaar, das einst im bergischen Patrizierhaus in Hasten lebte, wieder zurückbringen. „Ich würde mich freuen, wenn ich es noch erleben kann, dass die beiden ins sanierte Haus Cleff einziehen.“ Ihn verbinde viel mit dem bergischen Rokoko-Gebäude, das unter Denkmalschutz steht. „Als Kinder waren wir dort mit der Schule.“ Arntz, gebürtiger Remscheider und tief mit der Seestadt auf dem Berge verwurzelt, besitzt das Pendant zu den beiden Ölgemälden – als Kreidezeichnung. „Frau Cleff ist einfach nur schön“, findet er. Und wer ganz genau hinschaut, kann auf der Brosche von Ottilie Cleff, geborene Tillmans, ein kleines Kind sehen – vermutlich eine weitere Cleff-Generation.

Dr. Andreas Wallbrecht möchte die Galerie vervollständigen

Erfreulicherweise seien die beiden Porträts im ovalen Rahmen gut erhalten, leichte Bruchlinien durchziehen die Ölschicht, die sogenannte Krakelierung. „Auf Herrn Cleff ist zudem eine kleine Schicht Nikotin drauf“, sagt Arntz schmunzelnd. Der Onkel habe offenbar viel geraucht. Das könne sich vielleicht ein Restaurator des Landesverbandes Rheinland einmal anschauen, schlägt Sven Wiertz (SPD) vor.

Der Stadtdirektor und Kulturdezernent freut sich genauso über die Schenkung wie Dr. Andreas Wallbrecht, Leiter des Historischen Zentrums, und somit auch von Haus Cleff. „Das ist ein sehr schönes und großzügiges Geschenk an Ihre Vaterstadt“, bedankt sich Wiertz bei Arntz. „Ich tue das gern“, erwidert der. „Wir sind eine Werkzeugstadt – Eisen und Stahl sind unsere Materie“, sagt der Senior Gesellschafter der Arntz GmbH.

Das 1793 als Hammerschmiede im Eschbachtal gegründete Unternehmen ist heute ein international tätiger Werkzeughersteller in siebter Familiengeneration. 180 Mitarbeiter produzieren an vier Standorten Hochleistungssägebänder für die Zerspanung von Metallen. Der Hauptsitz ist nach wie vor Remscheid: an der Lenneper Straße.

DAS HAUS CLEFF UND SEINE BEWOHNER

1778/79 Das Haus Cleff wird für die Brüder Hilger, Kaufleute und Werkzeugfabrikanten, erbaut – im prächtigen Rokoko-Stil.

1805 Der Kaufmann Johann Gottlieb Diederichs pachtet den gesamten Gebäude- und Gartenkomplex. Er veräußert das Anwesen vier Jahre später an Georg Hinrich Sonntag aus Hamburg.

1829 Das Haus geht in den Besitz des Elberfelder Kaufmanns Ulenberg über.

1847 Die Brüder Cleff kaufen nicht nur das bergische Patrizierhaus, sondern den gesamten Gebäudekomplex in Hasten. Nahezu 70 Jahre bleibt es im Besitz der umsichtigen Werkzeug-Exportkaufleute.

1927 Die Stadt Remscheid erwirbt Haus Cleff für ihr Heimatmuseum.

Und hier schließt sich der Kreis: Carl Cleff, 1820 geboren, übernahm gemeinsam mit seinem Bruder Fritz 1847 das Haus Cleff, das damals noch Haus Hilger hieß. Gemeinsam brachten die Werkzeughändler Innovationen nach Hasten und bauten die Kleineisen-Produktion aus. Genau so ein erfolgreiches Familienunternehmen ist heute die Arntz GmbH. „Remscheid kann stolz sein auf seine vielen Firmen, die sich in vielen Bereich spezialisiert haben“, sagt Johann Wilhelm Arntz.

Wenn Carl und Ottilie hoffentlich bald wieder zu Hause eingezogen sind, werden sie vermutlich nicht lange allein bleiben: Dr. Andreas Wallbrecht würde gern alle Personen, die einst im Haus Cleff gelebt haben, einziehen lassen.

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