Mammutprojekt

Er will alle 780 Straßen Remscheids erwandern

Auch der Schnee kann Henning Denkler nicht stoppen. Gestern war er im südwestlichsten Teil von Lüttringhausen unterwegs. Foto: Doro Siewert
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Auch der Schnee kann Henning Denkler nicht stoppen. Gestern war er im südwestlichsten Teil von Lüttringhausen unterwegs.

Henning Denkler will wirklich alle Ecken in Remscheid kennen lernen

Von Peter Klohs

Remscheid. Auf dem gesamten Remscheider Stadtgebiet gibt es rund 780 Straßen. Darunter die Kurze Straße in Lüttringhausen, die mit ein paar Dutzend Metern Länge ihrem Namen Ehre macht, aber auch kilometerfressende Ungeheuer wie die Burger Straße. Egal ob kurz, lang, extrem steil oder holperig: Der Remscheider Henning Denkler will sie alle erwandern.

Denkler ist seit dem Herbst 2016 Inhaber der Regenbogen-Apotheke im Brücken-Center und kann seiner Leidenschaft, die Straßen Remscheids zu erwandern und kennenzulernen, nur in seiner spärlichen Freizeit nachgehen. So ist er bei Wind und Wetter regelmäßig am Wochenende unterwegs. „Ich bin in Bliedinghausen aufgewachsen“, erzählt der 46-jährige Apotheker. „Dort hatte ich eine wunderbare Kindheit. Ich habe noch immer viele Kontakte dorthin.“

Wenn er heute „mit den Augen eines Kindes“ durch seine Heimat gehe, dann sehe er ganz viele Geschichten in den Straßen, Höfen und Gärten: „Remscheid hat sehr viele Geschichten, Remscheid lebt. Das ist meine Stadt und ich möchte meine Heimat erfahren und erleben.“

Ein kleiner Nebengedanke zu der Idee, alle Straßen Remscheids zu erwandern, war die Freundschaft Denklers zu einem Polizeikommissar, der behauptet, alle Straßen Remscheids zu kennen. Durch seine Wanderungen will Denkler seinem Freund zeigen, dass es noch Straßen gibt, die auch dieser nicht kennt. Sechs Routen hat Henning Denkler inzwischen geschafft. „Das dürften so sechs oder sieben Prozent sein“, vermutet der wandernde Apotheker. Am vergangenen Wochenende war er rund um den Goldenberg unterwegs, im südwestlichsten Teil von Lüttringhausen.

Alles in allem werden es wohl 65 bis 70 Touren werden, auf denen er jeweils zehn, manchmal auch mehr Straßen erwandert. „Ich will schon den Charakter jeder Straße entdecken“, berichtet er. „Nur den Fuß auf die Burger Straße zu setzen und dann behaupten: Da war ich auch! wäre fake. Vielleicht gehe ich nicht die komplette Burger Straße, aber gewiss so viel, dass ich behaupten kann, sie zu kennen.“

Denkler ist ein genauer Beobachter und leidenschaftlicher Fotograf. Auf jeder seiner Wanderungen entstehen mehrere hundert Fotos: Alte Kellerstrukturen, das Hinterteil eines halbierten Citroen 2CV, die zerkratzte Wölbung einer Haustürklingel, Ansichten von besonderen Häuserfronten, kleinen Gässchen, Hausaufgängen, Stimmungen, Farben, Asymmetrie. Natürlich fotografiert er auch die Schilder der erwanderten Straßen. „Ich will meine Wanderungen dokumentieren“, erklärt Denkler. „Alle, die möchten, können so erfahren, wie schön unsere Stadt eigentlich ist.“

Er veröffentlicht alles zu seinen Wanderungen auf Facebook und auf seiner Internetseite. „Auf Facebook kündige ich meine Touren auch an“, verspricht der Wanderer. „Wer Interesse hat, darf sich gerne bei mir melden und mir besonders Interessantes entlang der Strecke zeigen oder alte Geschichten zu den Straßen erzählen.“

Denkler hat in früheren Jahren Fußball und Badminton gespielt und ist noch immer sportlich affin, was ihm die Bewältigung der einen oder anderen extremen Steigung erleichtert. „Ich gehe sehr gerne, wenn wenig los ist“, sagt er. „Weshalb mir der Sonntagmorgen auch sehr recht ist.“ Da habe das Wandern etwas Meditatives und bilde einen schönen Kontrapunkt zum durchaus stressigen Job. „Es tut so gut, mal nichts zu denken.“ Einen zeitlichen Rahmen hat sich Henning Denkler für sein Unternehmen nicht gesetzt. „Und wenn es drei Jahre dauert, dann ist das so.“

Ideen für Wanderungen in der Region liefert auch unsere RGA-Wanderserie - hier der Link zur jüngsten Folge: Traumhafte Ausblicke auf dem Landrat-Lucas-Weg

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