Entkriminalisierung der Droge

Lobbyisten fordern Freigabe von Cannabis

Doppelt schädlich: In Deutschland wird Cannabis von vielen Konsumenten mit Tabak zum Joint verarbeitet. Mediziner und auch der Deutsche Hanfverband warnen vor gesundheitlichen Schäden. Fotos: Roland Keusch (2) / Kay Nietfeld/dpa
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Doppelt schädlich: In Deutschland wird Cannabis von vielen Konsumenten mit Tabak zum Joint verarbeitet. Mediziner und auch der Deutsche Hanfverband warnen vor gesundheitlichen Schäden.
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Hanfverband bat Politiker zum Gespräch. Eine Gruppe gibt es bald auch in Remscheid.

Von Axel Richter

KONSUMENTEN

BUNDESWEIT Der Deutsche Hanfverband schätzt die Zahl der Cannabis-Konsumenten in Deutschland auf vier Millionen. Die Polizei ermittelt im vergangenen Jahr in 166 000 Strafverfahren gegen sie.

REMSCHEID Die Suchtberatung bekam es 2017 mit 175 Cannabis-Abhängigkeiten zu tun. Die Fallzahl steigt seit Jahren an.

Die Welt kürte ihn jüngst zum „lockersten Lobbyisten Berlins“. Georg Wurth, einst Sprecher der Remscheider Grünen, dann Gründungsmitglied und heute hauptamtlicher Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbandes in Berlin, kämpft seit Jahren für die Entkriminalisierung der Droge. Gestern kehrte der 46-Jährige dazu ins Bergische zurück. Die Grünen hatten die Kommunalpolitiker aus dem Städtedreieck zu einer Fachtagung „Cannabis – Wissenswertes und Aktuelles“ in die Volkshochschule nach Wuppertal eingeladen.

Wurth sprach über Modellprojekte zur kontrollierten staatlichen Abgabe der Droge. An seiner Seite: Frank vom Scheidt (55), Vorsitzender der Remscheider Grünen und Sprecher der in Gründung befindlichen Gruppe des Deutschen Hanfverbandes im Bergischen Land. Remscheid sähe er gern als Versuchsraum für ein wissenschaftliches Modellprojekt, mit dem die Folgen legalen Konsums untersucht werden. Denn, sagt vom Scheidt: „Die Prohibition ist gescheitert. In den vielen Jahren der Kriminalisierung wird nicht weniger, sondern mehr gekifft.“

Der Ex-Remscheider Georg Wurth kämpft für die Legalisierung.

Der Kampf gegen die Droge sei jedoch nicht nur vergebens – er werde auf Seiten der Polizei auch zu immensen Kosten geführt, kriminalisiere deutschlandweit annähernd vier Millionen Konsumenten und überlasse ihre Gesundheit auf dem Schwarzmarkt der organisierten Kriminalität, erklärt Georg Wurth. Deutschland möge deshalb Colorado folgen. Nach einem Volksentscheid gab der US-Bundesstaat den Konsum frei. Ergebnis: „Dort gibt es kein gestrecktes Zeug auf dem Markt, der Staat nimmt Steuern ein und bezahlt damit die Instandsetzung seiner Schulen.“

Richter, Mediziner und Suchtberater bleiben skeptisch

Remscheider Jugendrichter sind weniger euphorisch. „Wenn wir es mit sich selbst reflektierenden Menschen zu tun hätten, hätte ich weniger Bedenken“, sagt Dr. Peter Lässig. Vor seiner Richterbank stehen jedoch überwiegend jugendliche Kiffer, oft sind es sogar noch Kinder. Seine Befürchtung: Legalität erhöhe die Akzeptanz, setze die Hemmschwellen herab, führe zur Verharmlosung.

Frank vom Scheid ist Sprecher des Verbandes im Bergischen.

Doch Cannabis ist nicht harmlos. Prof. Dr. Pedro Faustmann, Neurologe und Gerichtsgutachter, forscht an der Ruhr-Universität Bochum zu den Wirkungen des Konsums. Er warnt: „Wer mit elf oder zwölf Jahren anfängt zu konsumieren, kann in dieser Phase des Wachstums psychische Defekte und Persönlichkeitsstörungen davontragen.“

Das wissen auch Georg Wurth und Frank vom Scheidt. Auch sie wollen nicht, dass Kinder oder Jugendliche Drogen konsumieren. Dass ihre Forderung nach einem straffreien Konsum dazu beträgt, glauben jedoch auch die Drogenberater nicht. Alfred Lindenbaum, Suchtberater beim Diakonischen Werk, beklagte jüngst erst gegenüber dem RGA eine Verharmlosung des Konsums in den Medien. Den Trend betrachte er mit größter Sorge, erklärte Lindenbaum: „Ich habe das traurige Gefühl, dass Cannabiskonsum schick geworden ist.“

Lesen Sie auch: Kripo-Beamte unterstützen Cannabis-Legalisierung

Standpunkt von Axel Richter

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