Pandemie

Handel in Remscheid: Gute Stimmung, überschaubare Umsätze

Jessica Luckenmeyer und Louis gehörten gestern zu den ersten Click & Meet-Kunden im Möbelhaus Knappstein. Sören Schulz zeigte den beiden unter anderem Sofas. Und das in einer echten Eins-Zu-Eins-Betreuung. Foto: Michael Schütz
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Jessica Luckenmeyer und Louis gehörten am Montag zu den ersten Click & Meet-Kunden im Möbelhaus Knappstein. Sören Schulz zeigte den beiden unter anderem Sofas. Und das in einer echten Eins-Zu-Eins-Betreuung.

Seit Montag bieten viele Remscheider Geschäfte Click & Meet an.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. In Zeiten wie diesen, sagt Torsten Croll, freue man sich schon über Kleinigkeiten. Zum Beispiel darüber, dass der Inhaber am Montag nicht nur wie zuletzt meist mit zwei Mitarbeitern in seinem Sportfachgeschäft stand, um Päckchen für den Online-Handel zu packen. Sondern dass gleich acht Verkäuferinnen und Verkäufer im Einsatz waren. Und dann auch noch echte Kunden ins Geschäft kamen: „Das war mal wieder schön.“

Zahlreiche Remscheider Einzelhändler bieten seit dieser Woche Click & Meet an, Einkaufen mit vorheriger Terminvereinbarung. Die neue Coronaschutzverordnung macht es möglich. Und einige Kunden scheinen nur darauf gewartet zu haben. „Die Leute wollen nicht alles im Netz kaufen“, sagt Torsten Croll. „Sie wollen einen Schuh auch mal anprobieren, mal anfassen, das merkt man.“

So wie Gudrun-Maria Bühl, die die Chance nutzte, um am Montag durchs Modehaus Johann in Lennep zu stöbern. Eingekauft habe sie dort auch während des Lockdowns, nur eben online: „Aber jetzt habe ich endlich mal wieder dieses Shopping-Erlebnis“, schwärmt sie. „Und vor allem eine echte, individuelle Beratung.“ Das nehme sie „dankend an“, auch, um bewusst den lokalen Einzelhandel zu unterstützen. „Ich lasse die Umsätze gerne an dem Ort, an dem ich wohne.“

Gleichwohl bleiben Möbelhäuser, Boutiquen, Sportfachgeschäfte und andere Händler auch mit dieser ersten Lockerung weit vom Normalbetrieb entfernt. Rund 50 Termine habe Möbel Knappstein zum Beispiel für diese Woche bisher vereinbart, berichtet Roland Winter, Leiter der Remscheider Niederlassung: „Theoretisch könnten wir bei unserer Größe 350 Kunden gleichzeitig reinlassen.“

Trotzdem sagt Winter: „Wir freuen uns.“ Weil zumindest wieder ein bisschen Leben im Haus ist. Und weil für die persönliche Betreuung, jeder angemeldete Kunde bekommt einen Verkäufer an die Seite gestellt, zumindest einige Mitarbeiter aus der Kurzarbeit geholt werden können. Bis zu zehn gleichzeitig werde man im Laufe der Woche in den verschiedenen Abteilungen einsetzen, so Winter. „Eine normale Besatzung liegt sonst bei 30 aufwärts.“

Bärbel Beck vom Modehaus Johann hat ihr Click & Meet angesichts der intensiven Eins-zu-Eins-Betreuung gleich zum Personal Shopping umbenannt. Zu jeder vollen Stunde darf ein Kunde, gegebenenfalls mit Begleitung, ins Geschäft und hat dann 45 Minuten Zeit zum Auswählen und Anprobieren. „Die Viertelstunde danach brauchen wir zum Desinfizieren und Lüften“, sagt die Inhaberin.

Ihre Boutique hat es sogar geschafft, übers Wochenende ein Online-Tool für die Terminvereinbarung auf ihrer Homepage einzubinden: „Wir wachsen derzeit über uns hinaus“, sagt sie. Und berichtet, dass einige Kunden sich auch schon vorher per WhatsApp und anderer Medien gemeldet hätten. Trotzdem seien im Laufe der Woche auch noch Termine frei. „Das muss sich wohl erst noch einpendeln“, vermutet Beck.

Das Loch, das Corona in die Kassen des Einzelhandels gerissen hat, kann Click & Meet ohnehin nicht schließen. Ein Möbelhaus mit einigen Dutzend Terminen pro Woche kostendeckend zu betreiben, sei „eher nicht“ möglich, sagt Roland Winter. „Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber es ist der erste Tropfen, nachdem ganz lange gar nichts lief.“ Ähnlich sieht es Torsten Croll, der von einem „Lichtblick am Horizont“ spricht. Wieder im beleuchteten Laden zu stehen, mit den Kunden ein Schwätzchen zu halten, das hebe die Stimmung. Auch bei den Kunden: „Viele haben uns gesagt, es sei schön, mal wieder was anderes als Eier und Milch zu kaufen.“

Hintergrund

Alle Geschäfte, die nicht Waren des täglichen Bedarfs anbieten, dürfen bei der derzeitigen Inzidenz nur Click & Meet anbieten. Termine können in der Regel nur beim Geschäft selber gemacht werden, meist per Telefon, in manchen Fällen auch über die Internetseite.

Standpunkt

Ein Kommentar von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Man hat fast das Gefühl, das Leben kehre zurück. Wenn man mit Einzelhändlern am ersten Click&Meet-Tag spricht, ist zwar allen klar, dass diese Umsätze den Handel nicht retten werden, aber zumindest sieht die Welt schon wieder etwas weniger trostlos aus. In den Läden ist das Licht an, es gehen Menschen ein und aus, es ist ein Schritt zurück zur Normalität. Warum aber dieser Schritt gerade jetzt, oder besser: erst jetzt, gegangen wird, wird wohl das ewige Geheimnis der Ministerpräsidentenkonferenz bleiben. Vor zwei, drei Wochen noch, als die Inzidenz in Remscheid wie in Deutschland um die 60 pendelte, mussten all diese Geschäfte zu bleiben. Nun, da die bundesweite Inzidenz um acht Punkte gestiegen ist und die in Remscheid deutlich stärker, lauern auch noch die Corona-Varianten als kaum kalkulierbares Risiko – und trotzdem sind die Lockerungen möglich. Den Boden der Logik haben diese Entscheidungen längst verlassen. Und die, die sie getroffen haben, müssen aufpassen, dass sie nicht das letzte bisschen Vertrauen verspielen.

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