Trauerfeier

Emma-Gymnasium nimmt Abschied von „Versöhner“ Siegmund Freund

Gedenkveranstaltung am „Freund-Baum“: Ex-Schulleiter Hans Heinz Schumacher (Mitte) zählte zu den Trauerrednern.
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Gedenkveranstaltung am „Freund-Baum“: Ex-Schulleiter Hans Heinz Schumacher (Mitte) zählte zu den Trauerrednern.
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Trauerfeier für den ehemaligen jüdischen Mitschüler

Von Andreas Weber

Remscheid. Eine größere Trauerfeier wird der Verein Pferdestall folgen lassen, gestern Morgen lud er zum Abschied von Siegmund Freund an den Ort ein, an dem sich sein Schicksal 1936 entschieden hatte. Am „Freund-Baum“ im überdachten Eingang des Emma-Gymnasiums fanden mehrere Redner letzte Worte für den Remscheider Juden. Mehr als 100 Schüler verfolgten das Gedenken in ihrer zweiten großen Pause.

Freund, der zu Wochenbeginn in Frankfurt mit 102 Jahren verstorben war, wurde 1930 an der Elberfelder Straße eingeschult.
Sigmund Freund feierte seinen 102. Geburtstag in Frankfurt und bekam Besuch aus Remscheid

1933 kamen die Nazis an die Macht, 1936 erhielten seine Eltern ein Schreiben, mit der Aufforderung, ihren Jungen von der Schule zu nehmen. Siegmund wollte Jurist werden, wurde 1939 stattdessen nach Sachsenhausen deportiert. Seine Eltern wurden in Konzentrationslagern ermordet, Siegmund überlebte. 2005 kehrte er zur Stolpersteinverlegung in der Blumenstraße erstmals nach Remscheid zurück und sprach mit dem Geschichtsleistungskurs der EMA über sein Schicksal im Raum 223, dem Klassenzimmer, in dem Freund seine Schulzeit verbracht hatte.

Seither kam er jedes Jahr aus Frankfurt zu Besuch, suchte mit jungen Menschen seiner ehemaligen Schule den Dialog. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz nannte ihn einen „Versöhner“. Siegmund Freund wurde zum Freund und stieß wichtige Prozesse an. Nicht nur der Gedenkbaum vor der Schule wurde 2010 nach ihm benannt, auch die Geschichts-AG stieg tief in die Recherche zu ihren jüdischen Mitschülern ein. Aus ihr erwuchs der Vereine Pferdestall, der heute nicht nur am Quimperplatz eine Gedenkstätte betreibt, sondern wichtige Aufklärung zu Verfolgten und Opfern des Nationalsozialismus leistet.

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