Großartiges Ensemble entlarvt Gefahren des Populismus

Max Volkert Martens in der Rolle des Talkmasters Edward Tishler war großartig und überzeugend. Foto: Roland Keusch
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Max Volkert Martens in der Rolle des Talkmasters Edward Tishler war großartig und überzeugend.

Das Agon-Theater zeigte „Mr. President first“ im Teo Otto Theater

Von Sabine Naber

Alt-Remscheid Mit dem Schauspiel „Mr. President first“ war am Donnerstag ein hochkarätig besetztes Ensemble des Agon-Theaters aus München im Teo Otto Theater. Schon beim Titel ahnte man, dass sich Autor und Regisseur Stefan Zimmermann von prominenten US-amerikanischen Zeitgenossen hatte inspirieren lassen. Deutlich wurde es gleich in der ersten Szene, als der selbstgefällige Talkmaster Edward Tishler (großartig: Max Volkert Martens), für den „Populismus kein Schimpfwort“ ist, sein Publikum bei „Tishler Tonight“ mit so bekannten Sätzen unterhält, wie, dass man als Amerikaner nicht nur das Recht hat, Waffen zu besitzen, sondern sie auch bei sich tragen sollte. Und mit Blick auf die Erderwärmung behauptet, die Menschen würden schließlich nur deshalb so gerne Urlaub in Florida machen, weil es da so schön warm sei.

Genau dieser Mann soll bei der nächsten Wahl den Präsidentschaftskandidaten spielen. Zumindest wenn es nach dem cholerischen Norman Craig (überzeugend: Lutz Bembennek) geht, der mit seinen Millionärsfreunden die neue Partei „Für Amerika“ gründet. „Sie können es sich im Oval Office bequem machen, während wir dafür sorgen, dass Amerika wieder groß wird“, verspricht ihm Craig. Der eitle Fernsehstar kann sein Glück zunächst nicht fassen. Wäre da nicht seine empathische Freundin Emely Harper (authentisch: Katharina Pütter), die seine Thesen „Die Chinesen spähen uns aus“ oder auch „Warum denn keine Strafzölle für ausländische Autos“ als primitiv bezeichnet, Angst vor ihm und seiner Partei bekommt. Und sich nicht nur von ihm trennt, sondern sich auch noch zur Kandidatin der Gegenpartei aufstellen lässt. Am Ende kommt es bei einer Fernsehshow zu einem Zusammentreffen zwischen Edward und Emely. Und dann bekommt Tishler, der gemerkt hat, dass er von den Rechtspopulisten benutzt wurde, für seine Aussagen keinen Applaus vom Band, sondern echten aus dem Theatersaal. Mal Schauspiel, mal Polit-Krimi, mal Komödie – es wurde beeindruckend präsentiert. Jedem Ensemblemitglied nahm man seine Rolle ab: Max Volker Martens die des Narzissten, der den Millionären als Marionette dienen soll, Lutz Bembennek, der glaubt, mit seinem Geld Menschen manipulieren zu können, Katharina Pütter, die gegen Menschenverachtung und Fremdenhass auf die Barrikaden geht, Angelika Auer, die als Referentin des Milliardärs alles im Griff hat und vor „Fake News“ und „Alternativen Fakten“ nicht zurückschreckt, Dirk Hermann die des investigativen Journalisten, und Lesley Jennifer Higl die Rolle der sprachgewandten TV-Moderatorin.

Ein brisantes Thema, das nur rund 60 Zuschauer ins Theater gelockt hatte. Die allerdings sorgten am Ende für langen Applaus.

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