Energiekrise

Gradtagzahl: So werden die Heizkosten verteilt

Die verschiedenen Berechnungen münden in einer Gesamtrechnung.
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Die verschiedenen Berechnungen münden in einer Gesamtrechnung.

Wie sich unterjährige Preisänderungen auf die Energie-Jahresrechnung auswirken.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Zum 1. August erhöhte die Stadtwerke-Tochter EWR die Gaspreise, zum 1. Oktober soll die Gas-Umlage greifen. Oder vielleicht auch nicht. Auch eine Veränderung der Mehrwertsteuer auf Gas wird aktuell diskutiert. Und sollte die Umlage kommen, soll sie alle paar Monate neu bewertet werden. Die Turbulenzen auf dem Energie-Markt machen sich in stark schwankenden Preisen bemerkbar. Doch wie berechnet man die unterjährigen Veränderungen eigentlich, wenn der Zählerstand doch nur einmal pro Jahr abgelesenen wird?

Das hänge vor allem von der Art des Verbrauchs ab, erklärt Torsten Pabst, Produktmanager bei der EWR GmbH, auf RGA-Anfrage. In dem eher seltenen Fall, dass Kunden mit Erdgas nur Kochen und Warmwasser erzeugen aber mit einem anderen Energieträger heizen oder ein Passivhaus bewohnen, werde der Jahresverbrauch einfach linear verteilt.

Dabei wird der Gesamtverbrauch durch die Anzahl der Tage eines Jahres geteilt und dieser Anteil auf die Tage umgelegt, an denen der jeweilige Preis gegolten hat. Bei einem Jahresverbrauch von 2 000 Kilowattstunden entfallen also etwa 5,5 Kilowattstunden auf jeden Tag. 212 Mal (Januar bis Juli) greift der alte Preis, 153 Mal (August bis Dezember) der neue. Kommt die Umlage, wird sie auf rund 505 Kilowattstunden (für 92 Tage) fällig.

Nachzahlung? Hilfsanspruch bei hohen Heizkosten

Komplizierter wird es allerdings, wenn, wie in den meisten Fällen, mit Gas geheizt wird. Dann verteile man die jeweiligen Verbrauchszeiträume anhand der Gradtagszahl, die man vom Deutschen Wetterdienst erhalte, erläutert Pabst. Vereinfacht gesagt, wird anhand der Tagesmitteltemperatur, einem Mittelwert aller zur vollen Stunden gemessenen Lufttemperaturwerte, der Heizbedarf für jeden Tag errechnet.

Liegt dieser Mittelwert über der Heizgrenze, die in der Regel 15 Grad beträgt, geht man davon aus, dass an diesem Tag gar nicht geheizt wird. Liegt er niedriger, ergibt sich die Gradtagzahl aus der Differenz zwischen Tagesmitteltemperatur und einer vorher festgelegten Raumtemperatur, nach VDI 3807 sind das 20 Grad. Ist es draußen zum Beispiel 4,5 Grad kalt, beträgt die Gradtagzahl 15,5. Liegt die Außentemperatur im Mittel hingegen bei 12,5 Grad, beträgt die Gradtagzahl hingegen nur 7,5 - der Heizbedarf ist also deutlich geringer. So ergibt sich übers Jahr eine Art fiktives Heizschema, anhand dessen der tatsächliche Verbrauch anteilig verteilt wird.

Genauso laufe das auch beim Strom, sagt Torsten Pabst. Die Energiekosten für Speicherheizungen würden ebenfalls anhand der Gradtagszahl verteilt. Alle anderen Verbräuche linear berechnet. Die zum 1. Juli ausgesetzte EEG-Umlage zum Beispiel greift ziemlich genau für die Hälfte des Verbrauchs im Jahr 2022, auf den Rest wird sie nicht mehr fällig.

Und wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch zum jeweiligen Stichtag die Zählerstände notieren und diese dem Versorger mitteilen. Verbraucherschützer raten ohnehin dazu, die eigenen Verbräuche regelmäßig zu kontrollieren und so im Blick zu behalten.

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