Erinnerungen

„Gorbi“ gab den Startschuss für Druschba-Fahrten

Johannes Schmidt (Mitte) traf den russischen Politiker Michail Sergejewitsch Gorbatschow (l.) 1995 in Düsseldorf. Foto: Johannes Schmidt
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Johannes Schmidt (Mitte) traf den russischen Politiker Michail Sergejewitsch Gorbatschow (l.) 1995 in Düsseldorf.
  • Melissa Wienzek
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Anlässlich des 90. Geburtstags von Michail Gorbatschow erinnert sich der Lenneper Ensemblegründer Johannes Schmidt an ein Treffen 1995.

Remscheid. Über Michail Gorbatschows 90. Geburtstag freut sich ein Remscheider ganz besonders: Johannes Schmidt. Der Gründer des Balalaika-Ensembles Druschba und der Schule für Musik, Tanz und Theater in Lennep hat großen Respekt vor „Gorbi“, wie die Deutschen den russischen Politiker gern nennen. In Abrüstungsverhandlungen mit den USA leitete er das Ende des Kalten Krieges ein. 1990 erhielt Gorbatschow den Friedensnobelpreis. „Er hat Großartiges für die Völkerverständigung geleistet“, sagt Schmidt. Und die wird in Lennep heute noch zelebriert: bei Druschba. Das bedeutet übersetzt übrigens Freundschaft. Wie passend. Michail Gorbatschow war es, der den Austausch der Lenneper Musiker mit Russland initiierte. Anlässlich „Gorbis“ 90. Geburtstag, den der ehemalige Staatspräsident der Sowjetunion am 2. März feierte, erinnert sich Johannes Schmidt an eine historische Begegnung.

„Die Kulturbrücke steht nach wie vor.“

Johannes Schmidt, Druschba-Gründer

Im April 1995 waren Michail Gorbatschow und seine Frau Raissa auf Einladung des damaligen NRW-Innenministers Herbert Schnoor in das Ost-West-Haus der Stadt Düsseldorf eingeladen. Die von Johannes Schmidt 1976 gegründete Balalaika-Gruppe Druschba ebenfalls. Sie war vom Düsseldorfer „T.O.P-Magazin“ für das musikalische Rahmenprogramm engagiert worden. Russische Folklore vom Feinsten lieferten die Profi-Musiker, darunter auch Johannes Schmidt selbst, ab. Natürlich waren die „Druschbas“ dabei auch stilecht gekleidet.

Michail Gorbatschow war begeistert. „Er lud uns nach der Veranstaltung außerhalb des Protokolls ein und unterstrich im persönlichen Gespräch die Bedeutung des gegenseitigen Austauschs und Freundschaft beider Länder“, erzählt Schmidt.

Johannes Schmidt, der bereits in den 1970er Jahren über den Internationalen Kulturaustausch Bonn mit seinem Ensemble in Moskau war, und in den 1980er Jahren Ivan Rebroff mit seinem Druschba-Ensemble begleiten durfte, übergab dann den Dirigentenstab 1996 an Lev Zlotnik. Zlotnik machte es in den Folgejahren und Jahrzehnten dann zu einem großen Kinder- und Jugend-Balalaika-Orchester. Beheimatet in der Schule für Musik, Tanz und Theater in Lennep, wo auch alle bekannten russischen Instrumente nach wie vor unterrichtet werden – Balalaika, Domra, Bajan, Gusli.

Johannes Schmidt ging mit Unterbrechung viele Jahre auf Welt-Tournee mit den unterschiedlichsten Kosaken-Formationen. Durch seine Kontakte zum russischen Konsulat entstand dann die Idee, einen kontinuierlichen musikalischen Austausch mit russischen Orchestern zu suchen.

Angeregt durch die damalige Begegnung mit Michail Gorbatschow hat sich so bis zum heutigen Tage ein intensiver Kontakt zwischen Jugendorchestern in Moskau, St. Petersburg und Rostov am Don entwickelt. Lev Zlotnik, der schon in seiner Heimatstadt Grosny ein bekannter Orchesterleiter war, pflegt durch seine ehemaligen Schüler in Russland weiter die musikalische Verbindung von Deutschland nach Russland. „Ganz im Sinne von Michail Gorbatschow, der stets für die Völkerverständigung geworben hat“, sagt Schmidt.

Und auch dieses Jahr wollen die jungen Ensemblemitglieder von Druschba wieder auf Reisen geht, wenn es Corona denn zulässt. Für Herbst ist der Austausch geplant. Dann wollen 35 Jugendliche samt Betreuern in Richtung Moskau und St. Petersburg aufbrechen. Die Bewilligung liege bereits vor, das Land unterstütze die internationale Begegnung mit Fördermitteln. „Die Kulturbrücke steht nach wie vor“, sagt Johannes Schmidt.

Denn gerade in diesen Zeiten sei die Verständigung mit Russland und die Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen besonders wichtig. Und wie könnte das besser gelingen als über die Musik?

Das Ensemble

Das Balalaika-Orchester Druschba in seiner heutigen Form wurde 1994 in Remscheid gegründet und setzt sich fast ausschließlich aus Aussiedlerkindern und Jugendlichen aus Russland zwischen 7 und 19 Jahren zusammen. Die 30 Teilnehmer durften bereits Ivan Rebroff 2004, Kathy Kelly im Jahr 2008, Peter Orloff und seinen Schwarzmeer Kosaken-Chor im Jahre 2016 und Helene Fischer 2018 begleiten und standen dafür auch bereits vor der Kamera.

www.druschba-orchester.de

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