Gästebuch in Remscheid

Goldenes Buch der Stadt: Dieser Prominente ist direkt mehrfach vertreten

RGA-Mitarbeiter Peter Klohs entdeckte bei seiner Recherche im Goldenen Buch viele interessante Einträge.
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RGA-Mitarbeiter Peter Klohs entdeckte bei seiner Recherche im Goldenen Buch viele interessante Einträge.

Das Goldene Buch der Stadt dokumentiert die Besuche zahlreicher Prominenter.

Von Peter Klohs

Es ist eine schöne Sitte, dass sich die Ehrengäste von Städten, Gemeinden und Landkreisen zur allgemeinen Erinnerung in das Goldene Buch eintragen. Diese Bücher werden in verschiedener Form geführt (). In Remscheid ist die Stadtarchivarin Viola Meike Herrin über die Goldenen Bücher der Stadt.

Beim Besuch im Stadtarchiv fällt zunächst einmal auf, dass die Goldenen Bücher der Stadt gar nicht golden sind. Außerdem heißen sie auch nicht so, sondern schlicht „Gästebuch der Stadt Remscheid“. Aktuell liegen drei Gästebücher bereit, eines in Nachtblau gehalten und zwei in Schwarz. „Das vierte Gästebuch, das eigentlich das erste ist, hat nur vier Einträge, die in der Zeit von 1936 bis 1941 erfolgt sind, und das wir nicht mehr vorzeigen. Die Insignien der Nationalsozialisten sind deutlich darauf zu sehen.“

Goldenes Buch der Stadt Remscheid: Alle Seiten sind von einem Kalligraphen vorgestaltet

Die vorhandenen Gästebücher sind auf den ersten Blick unspektakulär. Wer jedoch etwas genauer hinsieht, entdeckt Spannendes und kleine Zeichen von Humor und Individualität. Alle Seiten sind von einem Kalligraphen vorgestaltet; Ort, Datum und Grund des Besuchs in Remscheid in schöner Schrift, so dass der Ehrengast nur noch seine Unterschrift leisten musste. „Wer sich in das Buch eintragen darf, bestimmt der Oberbürgermeister“, weiß Viola Meike. „Der könnte Ihnen auch gewiss viel darüber erzählen, aber Herr Mast-Weisz ist im Urlaub.“
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Die Einträge in den drei vorliegenden Gästebüchern beginnen 1968 und enden 2019. Das neueste der Bücher ist noch nicht gefüllt und liegt zur Verwendung im Rathaus. Wenn man sich durch die dicken Folianten stöbert, liest man viele Namen, die manche Erinnerung hervorrufen, bei anderen Namen blättert man schnell weiter.

Viele Besuche aus Remscheids Partnerstädten Quimper (Frankreich), Presov (Slowakei), dem sächsischen Pirna, Kirsehir aus der Türkei, Ashington (England) sowie aus dem polnischen Mragowo sind verzeichnet. Dazu viele Sportmannschaften aus aller Herren Länder. Dazwischen immer wieder Stars der Unterhaltungsszene oder hochrangige Politiker.

Hans Rosenthal und Helmut Schmidt stehen im Goldenen Buch der Stadt Remscheid

So war am 10. Oktober 1975 TV-Showmaster Hans Rosenthal zu Gast in Remscheid. Einige Tage später besuchte der Trentiner Bergsteigerchor die Stadt.

Mildred Scheel, Ehefrau von Bundespräsident Walter Scheel und Gründerin der Deutschen Krebshilfe, die SPD-Bundespolitikerinnen Anke Fuchs und Annemarie Renger schrieben sich in das Gästebuch ein, NRW-Minister- und Bundespräsident Johannes Rau mehrere Male.

Im Oktober 1979 unterzeichnete der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt das Gästebuch. Wenig später fand ein Besuch von Fleischwaren-Fachleuten aus den USA statt. Der deutsche Meister im Rollhockey, die IG Remscheid, dokumentierte ihren fast auf den Tag genau 30 Jahre zurückliegenden Erfolg, die Mundartdichterin Else Schmidt unterschrieb mit zittriger Hand im Oktober 1981.

Goldenes Buch der Stadt Remscheid: Ehrwürdige Präsidenten setzten Unterschrift für ihre Frau

Verdienstkreuzverleihungen, Flugzeugtaufen und Aufstiege in die 2. Fußballbundesliga ziehen am Auge vorbei. Als Vorsitzender der Stiftung „Menschen für Menschen“ unterschrieb der ehemalige Schauspieler Karlheinz Böhm. Willi Daume, gebürtiger Hückeswagener und Präsident des Deutschen Sportbundes und des Nationalen Olympischen Komitees, NRW-Innenminister Herbert Schnoor und Fußball-Bundestrainer Helmut Schön stehen nur wenige Seiten voneinander entfernt.

Ein Empfang für Journalisten aus der Sowjetunion fand 1987 statt, man sieht die Autogramme von Joachim Kardinal Meisner, von seinem Nachfolger Rainer Maria Woelki und Weihbischof Dominikus Schwaderlapp, von der Beale Street Jazz Band, deren Mitglieder sehr gekonnt ihr Instrument neben ihren Namen gezeichnet haben, von den SPD-Politikern Wolfgang Clement und Heide Simonis.

Und ganz nebenher erfährt man, dass so manche ehrwürdigen Präsidenten direkt für ihre Frauen mitunterschrieben haben, als sei gegen Ende der 80er-Jahre eine eigene Unterschrift für Frauen entbehrlich gewesen.

Goldene Bücher

Die ersten Goldenen Bücher wurden im Italien des Mittelalters geführt. Die deutschen Städte, Gemeinden und Landkreise führen das Gästebuch sehr unterschiedlich. So besteht das Gästebuch der Stadt Essen aus einem Einband aus Kruppstahl, aus dem die älteren Seiten immer wieder entfernt und ins Stadtarchiv übernommen werden. In Hamburg ist das Goldene Buch eine Kassette, in der lose Blätter aus Büttenpapier liegen. Der Goldschnitt der Seiten, der dem Buch den Namen gab, ist nur noch selten zu sehen. In Remscheid wird das vierte Gästebuch geführt.

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