Glocken-Therapie für den Frieden

Gedanken eines Geistlichen

Von Pfarrer Dr. Dieter Jeschke, Ev.-reform. Kirchengemeinde Radevormwald

Punkt 12 Uhr mittags in Radevormwald (und an vielen anderen Orten auch): Unsere Kirchenglocken läuten für fünf Minuten. Wenn ich in der Innenstadt unterwegs bin, lasse ich mich von ihnen einladen. Ich bleibe kurz stehen und spreche ein kurzes Gebet. Manche machen das ebenso, andere Menschen scheinen achtlos weiterzugehen. Aber vielleicht täuscht ja auch der Eindruck.

Ich werde jedes Jahr zwischen Karfreitag und Ostern angerufen von besorgten Mitbürgern. Sie fragen, ob unsere Glocken kaputt wären, denn sie würden kein Läuten hören. Ja, es stimmt. Nach dem Karfreitagsgottesdienst schweigen aus religiösen Gründen unsere Glocken, bis am Ostermorgen im Gottesdienst das Osterevangelium gelesen wird. Das fällt auf.

In diesem Jahr ist es anders. Trotz Karfreitag und -samstag läutet abends um 19.15 Uhr die Friedensglocke und lädt ein zu einem Friedensgebet. Wir glauben, dass dies im Sinne Jesu ist.

Manchmal besteige ich mit Jugendlichen den Glockenturm. Von dort aus hat man eine wunderbare Aussicht über Radevormwald. Sie staunen, wenn ich ihnen erzähle, dass die Glocken auch läuten, wenn wir für den Frieden beten, wenn ein Kind getauft wird, wenn zwei Menschen einander heiraten, und wenn ein Gemeindeglied verstorben ist.

Auch im digitalen Zeitalter achten viel mehr Menschen auf den Glockenklang, als man vermuten möchte. Es tut einfach gut.

Und dann denke ich: „Wie viel Streit könnte verhindert werden, wenn wir kurz zur Ruhe kommen und ein kleines Gebet sprechen?“ „Wer kann die Nervenkraft berechnen, die durch ein kurzes Gotteslob entsteht?“

Ob wir ermessen können, wie viele Kosten unserem Gesundheitssystem erspart blieben, wenn wir regelmäßiger aneinander denken und füreinander beten würden? Unser Zusammenleben würde entspannter, friedlicher, nervenschonender, freudiger. Glocken, die zum Gebet rufen, haben eine therapeutische Kraft.

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