Nachbar berichtet von Streit

24-Jähriger soll Jungen ins Koma geprügelt haben

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Hinter dieser Tür sollen sich am 9. September schlimme Szenen abgespielt haben. Die Polizei versiegelte die Wohnung nach der Tat.
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24-Jähriger soll den Sohn seiner Freundin schwer verletzt haben. Jugendhilfe stellte gute Prognose.

Von Tristan Krämer

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal ermittelt wegen gefährlicher und schwerer Körperverletzung gegen einen 24-jährigen Remscheider. Ihm wird vorgeworfen, am Vormittag des 9. September den drei Jahre alten Sohn seiner Freundin fast totgeprügelt zu haben. Und zwar aus einem nichtigen Grund: Der Junge soll zuvor ins Bett gemacht haben.

Auch heute, fast zwei Wochen nach der Tat, liegt das Kind laut Heribert Kaune-Gebhardt von der Staatsanwaltschaft Wuppertal noch im Koma. „Der Junge befindet sich weiterhin in einem sehr kritischen Zustand. Er schwebt in Lebensgefahr“, sagt Kaune-Gebhardt.

Jugendhilfe unterstützte die Mutter – allerdings nur bis Ende 2016

Standpunkt von Tristan Krämer

Nach den bisherigen Ermittlungen ereignete sich die Tat am Vormittag des 9. September in der gemeinsamen Dachgeschosswohnung der 20-jährigen Mutter und ihres Sohns an der Honsberger Straße. Hier wohnte auch der mutmaßliche Täter. Die Mutter soll während des Vorfalls einkaufen gewesen sein. „Sie war nicht lange aus dem Haus. Nur ein paar Minuten“, erklärt Kaune-Gebhardt. Nach RGA-Informationen wollen Nachbarn die Polizei gerufen haben. Allerdings soll die erst am Abend alarmiert worden sein. Warum zwischen Tatzeit und der Alarmierung mehrere Stunden vergingen, wollten weder Staatsanwaltschaft noch Polizei am Mittwoch mit Verweis auf den Schutz des Opfers sagen.

Der 24-Jährige sitzt in Untersuchungshaft und hat sich bislang nicht zum Vorfall geäußert. Er ist laut Staatsanwaltschaft polizeibekannt. „Er ist wegen Körperverletzung vorbestraft. Außerdem hat es wegen ihm schon verschiedene Einsätze gegeben“, sagt Kaune-Gebhardt.

Die Mutter des Opfers gab während der Vernehmung nach der Tat an, dass ihr Freund schon zuvor mehrfach gegen ihren Sohn gewalttätig geworden sei. Anzeige erstattete sie deswegen aber nie. Laut Kaune-Gebhardt bestätigen die Untersuchungen der Ärzte die Aussage der Mutter. „Aus den Verletzungen ist auch objektiv zu erkennen, dass so etwas schon früher geschehen ist“, sagt Kaune-Gebhardt im Gespräch mit dem RGA.

Einen aggressiven Umgang des mutmaßlichen Schlägers mit dem dreijährigen Sohn seiner Freundin bestätigt auch Nachbar Michael Fleischmann unserer Zeitung. Der 57-Jährige wohnt in dem Haus, das dem Tatort direkt gegenüber liegt. Der 24-Jährige habe viel gebrüllt und der Junge viel geweint, berichtete Fleischmann. Einmal sei es auch um das Bettnässen des Dreijährigen gegangen: „Er hat gebrüllt: ,Hoffentlich gehst du bald mal auf Toilette! Oder soll ich dich da mal untertauchen?’“

Auch Ermittlungen gegen die Mutter kommen in Betracht

Auch zu Handgreiflichkeiten sei es gekommen. „Der Freund der Mutter hat den Jungen an den Beinen die Treppe hochgeschleppt“, berichtet Fleischmann. Das Jugendamt sei mehrfach da gewesen. „Ich frage mich, wieso da nichts passiert ist“, sagt der 57-Jährige.

VORGEHENSWEISE

HILFE Meldet die Polizei – wie im vorliegenden Fall – der Stadt eine Misshandlung, sind folgende Schritte vorgesehen: 1. Zur Klärung des Sachverhaltes Kontakt zum Krankenhaus, 2. Kontakt zur Polizei zur Erfassung der gesamten Umstände, 3. Sicherstellung des Kindeswohls, ggf. durch Inobhutnahme, 4. Soweit in dem Einzelfall sinnvoll und angezeigt Kontaktaufnahme zu den Sorgeberechtigten, 5. Bei Entlassung ggfs. anderweitige jugendhilferechtliche Unterbringung, 6. Gegebenenfalls Prüfung familiengerichtlicher Maßnahmen (Sorgerecht)

Die Stadt bestätigte am Mittwochabend, dass der Fall der 20-Jährigen und ihres Sohnes von der Jugendhilfe betreut worden ist: „Im vorliegenden Fall wurde das Familiensystem der alleinerziehenden Kindesmutter in der Vergangenheit über einen Zeitraum mit jugendhilferechtlichen Maßnahmen unterstützt.“ Zum Zeitpunkt der Tat habe diese Unterstützung allerdings nicht mehr stattgefunden. „Die Hilfe wurde Ende letzten Jahres im Einvernehmen zwischen der Stadt Remscheid, dem betreuenden Jugendhilfeträger und der Sorgeberechtigten mit einer guten Prognose beendet“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt. Dort habe man noch am Tattag von dem „tragischen Ereignis“ erfahren. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Remscheid sind sehr betroffen, dass es nach der abgeschlossenen Unterstützung seitens der Jugendhilfe zu diesem Vorfall gekommen ist.“ Weitere Aussagen könnten aus Gründen des Datenschutzes nicht getroffen werden.

Die Polizei hat den 24-Jährigen am Tattag noch vor Ort festgenommen. Die Ermittlungen dauern an. Unter anderem prüft die Staatsanwaltschaft, ob auch versuchter Totschlag in Betracht kommt oder Ermittlungen gegen die Mutter aufgenommen werden.

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