Probleme auf der S 7

Landtagsabgeordneter Wolf spricht mit Betroffenen am Hauptbahnhof

Der SPD-Landtagsabgeordnete Sven Wolf (l.) und Monika Meurer, die für die Sozialdemokraten in der BV Süd sitzt, im Gespräch mit Betroffenen am Hauptbahnhof. Zwei von Dutzenden Fahrgästen, die die Gelegenheit nutzten, sich ihren Frust über die S7 von der Seele zu reden.
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Der SPD-Landtagsabgeordnete Sven Wolf (l.) und Monika Meurer, die für die Sozialdemokraten in der BV Süd sitzt, im Gespräch mit Betroffenen am Hauptbahnhof. Zwei von Dutzenden Fahrgästen, die die Gelegenheit nutzten, sich ihren Frust über die S7 von der Seele zu reden.

Die SPD redet über die Probleme auf der Linie S 7 – und trifft damit auf viel Interesse.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. An einen solchen Andrang bei einem SPD-Nachbarschaftgespräch könne er sich beim besten Willen nicht erinnern, räumt Sven Wolf gerne ein. „Das liegt natürlich auch daran, dass wir mitten in der Stadt sind“, sagt der Landtagsabgeordnete. Vor allem aber wohl am Thema. Zusammen mit Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz und anderen Vertretern der Remscheider SPD hatte Wolf zu einem Gespräch am Hauptbahnhof eingeladen. Mit nur einem Thema: Die Probleme auf der Linie S 7.

„Die Leute sind sauer, weil die Kommunikation nicht funktioniert und die Züge ausfallen oder sich verspäten“, berichtet Wolf von seinen Eindrücken. Mehr als eine Stunde lang war der kleine Stand der Sozialdemokraten gut besucht. Manchmal schweifte die Gespräche ein wenig ab, Besucher beschwerten sich über Taubendreck und kaputte Aufzüge, im Wesentlichen einte aber alle der Ärger über die Unzuverlässigkeit auf der S 7.

Für die Verbindung zwischen Wuppertal und Solingen gilt weiterhin ein Notfahrplan, bei dem jede Stunde einer der drei Züge ausfällt, bestätigt Dino Niemann aus der Pressestelle des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR), und verweist in diesem Zusammenhang vor allem auf Personalengpässe. Doch selbst dieser Notfahrplan wird augenscheinlich nicht immer eingehalten, wie Pendler berichten.

„Wenn es schon einen Notfahrplan gibt, muss der wenigstens funktionieren.“

Sven Wolf, Landtagsabgeordneter

„Wenn es schon einen Notfahrplan gibt, muss der wenigstens funktionieren“, fordert Sven Wolf. Gerade Berufspendler, die auf die Verbindungen angewiesen sind, müssten sich darauf verlassen können. „Es kann ja nicht sein, dass man erst auf dem Bahnsteig erfährt, dass der eigene Zug ausfällt.“

Viele Besucher an diesem Morgen haben grundsätzlich Verständnis für die Situation von Betreiber Vias. Der hatte unter anderem die Urlaubsplanung von Vorgänger Abellio übernommen – aber nicht alle Zugführer. Zusammen mit einer aktuellen Krankheitswelle einer der Hauptgründe für den Personalmangel.

Das bekräftigt auch noch mal ein Firmenvertreter, der mehr oder minder zufällig während des Nachbarschaftsgesprächs vorbeischaut: Es fehle an Zugführern, sagt er. Die Versuche, neue einzustellen, seien bisher kaum von Erfolg gekrönt. Und würden nun durch die Entscheidung des VRR, die Strecke ab Januar an neuen Betreiber zu vergeben, zusätzlich erschwert.

Auch Sven Wolf glaubt nicht, dass man die Probleme, die noch durch einen Wartungsstau bei den Fahrzeugen verstärkt werden, bald in den Griff bekommen kann, wünscht sich dann aber eine bessere Kommunikation und vor allem mehr Verlässlichkeit. „Am Ende ist es den Leuten, glaube ich, egal, ob die Züge alle 20 oder 40 Minuten fahren, Hauptsache sie fahren auch wirklich.“

Den erneuten Anbieterwechsel – Vias hatte erst im Dezember von Abellio übernommen und gibt nun zum Jahreswechsel schon wieder an die Rhein-Ruhr-Bahn von Transdev ab – betrachtet der Landtagsabgeordnete durchaus kritisch: Wieder einmal habe der VRR den günstigsten Anbieter gewählt. Mit dem Rückenwind des 9-Euro-Tickets erhofft Sven Wolf sich nun eine grundsätzliche Diskussion über die Finanzierung des ÖPNV. Und über den Stellenwert von Qualität bei der Vergabe.

Bis dahin helfe nur öffentlicher Druck auf den VRR als Verantwortlichen, meint Wolf. Das Nachbarschaftsgespräch der Remscheider SPD am Hauptbahnhof gehört sicherlich dazu. Genauso wie eine gemeinsame Erklärung der drei Oberbürgermeister aus Remscheid Solingen und Wuppertal, die vergangene Woche veröffentlicht wurde. Darin sprechen die Stadtoberhäupter von „schlechtem Management“ und einem „Serviceangebot, das diesen Namen nicht verdient.“ 

Arbeitsrecht

Kommt ein Arbeitnehmer wegen Zugausfall zu spät zu Arbeit, ist das seine Verantwortung, erklärt der Lenneper Arbeitsrechtler Lars Althoff: „Grundsätzlich gibt es das Wegerisiko, was immer beim Arbeitnehmer liegt.“ Dieser sei verpflichtet, pünktlich zu erscheinen, andernfalls könne der Arbeitgeber Entgeltkürzungen vornehmen oder eine Abmahnung aussprechen. Sein Tipp: „Suchen Sie das Gespräch mit ihrem Chef und finden Sie gemeinsam eine Lösung.“ Denkbar sei, die Zeit nachzuarbeiten, Urlaub zu nehmen oder vorübergehend Gleitzeit zu vereinbaren. „Im Zweifel heißt es sonst: Früher aufstehen, eher losfahren.“

Standpunkt von Sven Schlickowey: Schon länger ärgerlich

sven.schlickowey@rga.de

Es muss irgendwann Anfang bis Mitte der 1980er-Jahre gewesen sein, in London war Thatcher am Ruder, in Washington Reagan, als die westliche Welt auf die Idee kam, selbst Dinge der allgemeinen Daseinsvorsorge insbesondere oder ausschließlich durch die betriebswirtschaftliche Brille zu betrachten.

Das mag in manchen Bereichen funktioniert haben, der liberalisierte Energiemarkt hat uns bis zum Ukraine-Krieg recht gute Dienste erwiesen, die Deutsche Post wurde von der Behörde zum Global Player, doch andere sind ganz offensichtlich dadurch kaum besser geworden. Der Gesundheitssektor ist so ein Beispiel. Und ganz sicher auch der Öffentliche Personennahverkehr.

Wenn in einem chronisch unterfinanzierten System Firmen versuchen, Geld zu verdienen, bleibt naturgemäß wenig Platz für Qualität. Das war schon länger ärgerlich, mit Blick auf die anstehende Verkehrswende ist das schlicht dumm.

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