Mein Leben als Papa

Geschwister- statt Elternbett: Eigentlich keine schlechte Idee . . .

Via Babyfon konnten Mama und Papa mithören, was ihre Jungs vor dem Schlafengehen besprachen.
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Via Babyfon konnten Mama und Papa mithören, was ihre Jungs vor dem Schlafengehen besprachen.
  • Gunnar Freudenberg
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RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3).

Als Steinzeit-Stöpsel in der Höhle war es früher von Vorteil, in der Nähe seiner Eltern zu schlafen. Evolutionär gesehen sind Kinder also Rudeltiere. Während es in China oder Skandinavien auch heutzutage völlig normal ist, dass sich Kinder und Eltern nachts ein Bett oder zumindest ein Zimmer teilen, gibt es hierzulande auch viele Kritiker. Co-Sleeping, wie man neudeutsch sagt, stehe Erziehungszielen wie Konkurrenzfähigkeit, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit im Wege, heißt es häufig.

Ich kann das so nicht bestätigen. Jedenfalls hatte ich nachts nie den Eindruck, Hannes könnte sich nicht gegen Konkurrenz durchsetzen, wenn sein Fuß mal wieder in meiner Magengrube und ich mich morgens am Bettrand wiederfand. Ganz selbstständig entschied er irgendwann, ab sofort in seinem eigenen Bett zu schlafen und unabhängig zu sein. Seitdem verlangt er eigentlich nur noch nach Mama oder Papa, wenn er krank ist.

Michel ist noch nicht ganz so weit, aber auch nicht mehr weit davon entfernt. „Ich möchte heute bei Hannes schlafen“, überrascht er uns eines Abends. Geschwisterbett statt Elternbett – eigentlich eine gute Idee. Findet auch ein sichtlicher stolzer Hannes.

Während Michel noch die Zähne putzt, sitzt er schon sinnierend zwischen Michels und seinen Stofftieren im ausgefahrenen Bett. „Ich fühl mich so erwachsen“, sagt er. „Ich glaube, wir bleiben die ganze Nacht wach“, schmiedet er Pläne. „Erwachsen wäre, wenn ihr beide jetzt nicht mehr so lange quatscht und schnell einschlaft“, gebe ich ihm und seinen kleinen Bruder mit auf den Weg in die Nacht.

Via Babyfon können meine Frau und ich mithören, was die Jungs besprechen. Zunächst nicht viel, denn noch läuft Hannes’ Hörspielbox für zehn Minuten. Dann gähnt Michel und beide wünschen sich eine gute Nacht.

„Ich hab Angst“, unterbricht Michel nach wenigen Sekunden die Stille. „Ich bin doch bei dir“, beruhigt Hannes ihn. „Aber was ist, wenn Einbrecher kommen?“, will Michel wissen. „Ach, Michel. Wenn die so ein Brecheisen benutzen, hört man das doch. Dann müssen sie an Papa vorbei – und der zeigt es denen dann“, ist Hannes überzeugt. Dabei müsste er doch eigentlich wissen, wie laut es sein muss, bis ich nachts mal wach werde. Und woher kennt er eigentlich ein Brecheisen? Und wie kommt er darauf, dass ich alter Zivildienstleistender einen Einbrecher einfach so umhaue? Na ja, Urvertrauen eben.

Michel überzeugt er damit allerdings nicht. Er bohrt weiter nach. „Es gibt da auch eine Art Polizist, der sich hinter den Bäumen im Garten versteckt“, besänftigt ihn Hannes. Das wiederum macht mir Angst, Michel aber ist vorerst beruhigt. Dann hört er plötzlich ein Geräusch und sieht ein Licht. „Das ist wahrscheinlich Papa. Der geht nachts manchmal noch aufs Klo“, erklärt ihm Hannes abgeklärt. „Ich bin halt auch nicht mehr der Jüngste“, denke ich.

Das Thema Einbrecher hat sich erledigt. Angst vor einem Tiger treibt Michel nun um. Auch dafür hat Hannes aber eine Lösung und denkt an den Kollegen seines Papas. „Der Schumi ist doch Jäger und wohnt nicht weit entfernt. Den rufen wir an, dann erschießt der den Tiger.“ Michel ist einverstanden. „Jetzt musst du aber mal schlafen“, sagt ihm sein großer Bruder und summt ihm „Schlaf Kindlein, schlaf“ vor. Wie seine Mama das früher eben immer gemacht hat. Michel gähnt, aber die Augen wollen trotzdem noch nicht zufallen.

Nach ein paar Minuten fällt Hannes eine Entscheidung: „Mama, Papa, ich glaube, Michel braucht euch doch zum Einschlafen.“ Damit liegt er genau richtig. „Das war jetzt aber wirklich sehr erwachsen von dir“, lobe ich ihn. Und ich bin mir sicher: Die Mission „Geschwisterbett statt Elternbett“ ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.

„Mein Leben als Papa“ gibt es als Buch für 12,90 Euro in der RGA-Geschäftsstelle, im Buchhandel und im Internet.bergisch-bestes.de

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