Albert-Einstein-Gesamtschule

Jochen Menn: Gesamtschule verabschiedet „Legende“ in den Ruhestand

Jochen Menn nahm gestern Abschied von der Albert-Einstein-Gesamtschule. Foto: Roland Keusch
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Jochen Menn nahm gestern Abschied von der Albert-Einstein-Gesamtschule.

Didaktischer Leiter Jochen Menn verlässt mit 65 Jahren die Albert-Einstein-Gesamtschule. Beim Abschied in der Aula erfuhr der Pensionär viel Wertschätzung von Lehrern und Schülern.

Von Andreas Weber

Remscheid. Vor nur 40 Gästen, aber äußerst stimmungsvoll wurde der didaktische Leiter der Albert-Einstein-Schule (AES), Jochen Menn gestern Mittag in den Ruhestand verabschiedet. In der AES-Aula, die in Corona-Zeiten als Rats- und Ausschusssaal dient, herrschte Unterrichtsatmosphäre. Die geladenen Gäste saßen in gebührender Distanz hintereinander und applaudierten einem Pädagogen, über den es keine zwei Meinungen gibt.

Seine Lehrerkollegen schätzten seine „ausgleichende, humorvolle, geist- und hilfreiche Art“, wie es der per Video eingespielte Albert Groth formulierte. „Wir verlieren einen wahren Charaktermenschen.“ Moderatorin und Schülerin Irem Karatas lobte: „Sie sind ein toller Mensch mit einem großen Herz und stets positiver Ausstrahlung.“

Der Fußabdruck, den der 65-Jährige an der Brüderstraße hinterlässt, ist ein großer. „Die Schule wird ohne Dich eine andere sein“, rief ihm Schulleiterin Martina Gathen zu. Im Kollegium wird er als „feiner Kerl“, als konstruktiver Gesprächspartner und Quell für neue Ideen fehlen. Seine Fächer waren Sozialwissenschaften und evangelische Religion, die er zuletzt nur noch mit wenigen Stunden unterrichtete, aber sein eigentliches Aufgabengebiet war ein anderes.

Remscheid: Jochen Menn hilft bei Wiederaufbau der alten Synagoge in Bad Laasphe

Der didaktische Leiter, den es in Gesamtschulen gibt, ist für die konzeptionelle, pädagogische Arbeit zuständig. Seit dem 1. August 2007 hatte Jochen Menn am AES das Schulprogramm im Blick, die Überwachung der Lehrpläne und das Thema Fortbildungen. Sein Studium hatte der gebürtige Wittgensteiner 1990 beendet, war danach in Marl erst Lehrer, dann Abteilungsleiter.

In seinem Projektkurs Migration befragten seine Schüler die Bundestagskandidaten zu Afghanistan-Flüchtlingen.

Gebrannt hat Menn in seinem Lieblingsfach Sozialwissenschaften für Projekte der politischen Bildung, mit denen er und die Schüler Preise gewannen. Mehrere Schüler bereiteten ihm einen Abschied, der den angehenden Pensionär zu Tränen rührte. Zwar war der musikalische Live-Set auf der Bühne pandemiebedingt auf zwei Gesangsvorträge reduziert, aber das Programm erschien über eine riesige Leinwand. Unter Federführung von AES-Lehrer und Musiker Jan Christoph Heinsch war ein halbstündiges Video erstellt worden, das zum Abschied einer „Legende“, wie es in den einleitenden Worten hieß, mehrere professionell erstellte Musikbeiträge präsentierte, die mit einem weiblichen AES-Duett von Namikas „Lieblingsmensch“ begannen und dem Pensionär Respekt abnötigten, was an der AES musisch wie audiovisuell möglich ist.

Unter den Teilnehmern war auch Carlos Sanchez-Martinez, heute als schulfachlicher Dezernent bei der Bezirksregierung für die Gesamtschulen zuständig, davor Leiter der Sophie-Scholl. Er nannte Menn einen „demütigen Menschen“, der sich nie selber, sondern immer das Interesse der Schüler in den Mittelpunkt gerückt habe. Sanchez war sich sicher, dass Menn ab heute einen Satz sagen werde: „Ich habe keine Zeit, ich bin in Rente.“

Seine Wohnung in Wuppertal hat Menn aufgelöst, wird in seiner Heimat Bad Laasphe (bei Siegen) in sein Elternhaus ziehen. 120 Kilometer von Remscheid entfernt, wartet auf ihn eine spannende Aufgabe. Er wird dort in einer sechsköpfigen Projektgruppe mit dem Verein Christlich-Jüdische Zusammenarbeit den Wiederaufbau der alten Synagoge in der Altstadt vorantreiben, deren Grundsubstanz erhalten ist und zuletzt mit einer Schlosserei belegt war. Der Verein hofft auf 1,5 Millionen Fördermittel vom Land. Jochen Menn wird für die pädagogische Koordinierung und Öffentlichkeitsarbeit der zukünftigen Erinnerungs-, Begegnungs- und Lernstätte zuständig sein.

Die Nachfolge

1172 Schüler und 102 Lehrkräfte sind an der AES. Nur an Gesamtschulen gibt es einen didaktischen Leiter. Wer nach dem gestrigen letzten Schultag von Jochen Menn seine Nachfolge antritt, ist nicht offiziell. Es gibt aber eine Kandidatin von außerhalb, die jedoch noch bestätigt werden muss.

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