Gerade jetzt auf dem Boden bleiben

Ein Geistlicher macht sich Gedanken

Von Pfarrer Jürgen Behr, St. Bonaventura, Remscheid-Lennep

Manchmal ist zwischen dem letzten Adventssonntag und Weihnachten nur ein Tag, manchmal fast eine Woche. In diesem „langen Advent“ 2021, ist der 3. Adventssonntag fast auf den Tag genau die Halbzeit dieser besonderen Zeit. Er heißt „Gaudete“ (Freut euch) und ist in seinen liturgischen Texten von der Freude beziehungsweise Vorfreude geprägt. Bloß das Evangelium scheint da eine Ausnahme zu machen: Es konfrontiert uns mit der herben Gestalt Johannes des Täufers. Das Evangelium setzt unvermittelt nach der harschen Buß- und Umkehrpredigt des Täufers ein, die ausgerechnet die hören, die doch mit dem gegenwärtigen Zustand unzufrieden und in die Wüste gekommen sind, um ihr Leben zu ändern. Stimmung und Worte erzählen, dass es fünf vor Zwölf ist: Das Gericht kommt. Das Jetzt entscheidet. Bereitschaft zu radikaler Buße ist gefordert, und das sagt Johannes gerade denen, die eh schon signalisieren, dass sie dazu bereit sind. Ist seine Botschaft also störend, lästig oder hilft sie unser Herz zu bereiten „für das Geschenk der Erlösung, damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde“, wie das offizielle Tagesgebet formuliert?

Alles um uns herum wirbt dafür, Weihnacht zu einem außergewöhnlichen, jeden Alltag überbietendes Fest zu gestalten. Psychologen und Familientherapeuten jedoch sehen den Grund für das Missglücken vieler Weihnachtsfeiern in überzogenen Erwartungen des Außergewöhnlichen. Sie raten, gerade jetzt auf dem Boden zu bleiben und gut aufeinander zu achten. Auch der Täufer Johannes (und mit ihm das Evangelium) betont die einzigartige Chance dieser Tage. Seine konkreten Tipps zielen auf das Normale: Lebt und erweist euch als Mitmenschen, egal, in welcher Position ihr seid, dann wird die Begegnung mit dem Kommenden zum Fest, andernfalls gerät sie zum Fiasko. Er meint nicht bloß ein paar Festtage, sondern das Leben, seine bleibende Zukunft.

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