Wirtschaft

Geplante Gewerbegebiete in Bergisch Born: Nachfrage ist groß

Das ins Auge gefasste Gewerbegebiet „Erdbeerfelder“ - vor kurzem noch Maisfelder - zwischen Lennep und Bergisch Born. Foto: Roland Keusch
+
Das ins Auge gefasste Gewerbegebiet „Erdbeerfelder“ - vor kurzem noch Maisfelder - zwischen Lennep und Bergisch Born.

Erdbeerfelder und Gleisdreieck sind die einzigen Flächen, die aktuell für Gewerbe denkbar wären. Die Nachfrage ist groß, die Kosten sind es auch. Politik muss zwischen Wirtschaftsentwicklung, Steuereinnahmen und Umweltaspekten abwägen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Für die beiden geplanten Gewerbegebiete Gleisdreieck und Erdbeerfelder in Bergisch Born plant die Verwaltung in den nächsten Jahren rund 35 Millionen Euro auszugeben.

Das geht aus einer Mitteilung hervor, die unter anderem am Dienstag im Bauausschuss zum Thema wird. Und der auch zu entnehmen ist, dass derzeit rund 20 Anfragen von Remscheider Unternehmen nach Flächen in diesen Gebieten bei der Wirtschaftsförderung vorliegen.

Die Firmen würden aus verschiedenen Bereichen stammen, heißt es in der Mitteilung, darunter Metallverarbeitung, Fördertechnik und Wellpappenherstellung, aber auch Torbau und Dachdecker.

„Es bleibt abzuwarten, ob die derzeit nachfragenden Firmen bis zur Realisierung der Gewerbegebiete noch Nachfragende sind, oder ob die Firmen andere Flächen, gegebenenfalls auch außerhalb Remscheids, gefunden haben“, schränkt die Verwaltung allerdings ein.
Lesen Sie zu diesem Konflikt auch den Kommentar von Sven Schlickowey.

„Die Entwicklung von Gewerbeflächen ist in der Regel ein Zuschussgeschäft für die entwickelnden Kommunen.“

Städtische Mitteilungsvorlage

Würden alle diese Unternehmen allerdings Flächen in den beiden Gewerbegebieten erwerben, wären diese bereits dadurch nahezu ausgebucht. Die Verwaltung rechnet mit einer nutzbaren Nettofläche von etwa 14 Hektar im Remscheider Teil des Gleisdreiecks und knapp über zehn Hektar auf den Erdbeerfeldern.
Die Firma Dönges ist das prominenteste Beispiel für einen Betrieb, der keine Flächen in Remscheid fand - und die Stadt verlassen hat.

Den kumulierten Flächenbedarf der 20 Interessenten gibt die Stadt mit rund 19 Hektar an – so blieben also nur noch etwa fünf Hektar übrig.

Die Vorlage zeigt zudem, dass die beiden Gewerbegebiete vorerst kein gutes Geschäft für die Stadt sind. So sind in den kommenden Jahren mehr als 26 Millionen Euro für Baumaßnahmen eingeplant. Darunter fallen unter anderem Erschließung, Gutachten und Kompensationskosten. Hinzu kommen über 9,8 Millionen Euro für Grundstücksankäufe in beiden Gebieten.

Dem gegenüber stehen Verkaufserlöse von etwa 19 bis maximal 24 Millionen Euro, rechnet die Verwaltung mit Verkaufspreisen von 80 bis 100 Euro je Quadratmeter vor.

Ein Teil der Differenz zu den Kosten könnte zudem durch Fördermittel gedeckt werden, sicher sei das aber noch nicht: „Inwieweit Einnahmen durch die GRW-Förderung zu realisieren sind, bleibt entsprechend der Rahmenbedingungen der Förderrichtlinien abzuwarten.“ Die nächste Förderperiode starte am 1. Januar, die finalen Richtlinien lägen aber noch nicht vor.

Dass man bei neuen Gewerbegebieten anfangs draufzahlt, sei nicht ungewöhnlich, lässt die Verwaltung durchblicken: „Die Entwicklung von Gewerbeflächen ist in der Regel ein Zuschussgeschäft für die entwickelnden Kommunen.“

Man müsse allerdings „die sich zukünftig ergebenden Umweg-Rentabilitäten“ berücksichtigen: „Das bedeutet, dass mit der Ansiedlung von Unternehmen in der Regel Arbeitsplätze entstehen und weitere Steuereinnahmen für die Kommune langfristig gesichert werden.“

Seit dem Aus für das angedachte Gewerbegebiet Blume in Lüttringhausen sind das interkommunale Gewerbegebiet Gleisdreieck, das zusammen mit Hückeswagen und Wermelskirchen entwickelt werden soll, und das Gewerbegebiet Erdbeerfelder derzeit die einzigen größeren Flächen, auf denen die Stadt Gewerbeansiedlungen plant.

Umweltschützer kritisieren die vorgesehene Flächenversiegelung, Befürworter, darunter der Oberbürgermeister und die Gestaltungsmehrheit aus SPD, Grüne und FDP im Stadtrat, verweisen auf den chronischen Mangel an Gewerbeflächen in Remscheid. Und darauf, dass bereits einige Firmen die Stadt verlassen haben, weil sie hier nicht mehr wachsen konnten.

Hintergrund: Geplante Gewerbegebiete in Remscheid

Die Mehrheit im Remscheider Stadtrat steht hinter den beiden geplanten Gewerbegebieten. Das hatten SPD, Grüne und FDP, die zusammen 32 der 58 Sitze im Stadtrat haben, so nach der Kommunalwahl vereinbart. Gegenwind gibt es unter anderem von der Linken und der Wählergruppe Echt Remscheid, vor allem aber von Naturschützern. So hat sich der Umweltbeirat zum Beispiel gegen jede weitere Versiegelung von Flächen ausgesprochen.

Standpunkt von Sven Schlickowey: Konflikt mit Chancen

sven.schlickowey@rga.de

Bei der Wirtschaftsförderung liegen, so deren Auskunft, Anfragen allein von Remscheider Firmen für rund 19 Hektar Gewerbeflächen vor, umgerechnet rund 35 Fußballfeldern. Das zeigt, wie groß der Bedarf ist.

Der Vergleich macht aber auch deutlich, wie viel Natur dabei zwischen Lennep und Bergisch Born verloren gehen würde. Ein Konflikt, ohne Zweifel, aber einer, in dem auch eine Chance liegt. Ist die Nachfrage nach Flächen nämlich so groß, wie es sich derzeit andeutet, könnte man ökologische Ansätze bei der Vergabe berücksichtigen: Firmen, die besonders umweltfreundlich planen, bekommen eher ein Grundstück. Oder vielleicht auch zu einem günstigeren Quadratmeterpreis.

Zusammen mit den bereits eingepreisten Kompensationsmaßnahmen könnte das den Schaden an der Natur zumindest deutlich abmildern - ohne die Firmen und die dazugehörigen Jobs ziehen zu lassen. Und vielleicht entsteht so sogar ein Vorzeige-Gewerbegebiet. Das würde doch gut zu Remscheid, Sitz zahlloser Technologieführer, passen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Urteil am Bundesverwaltungsgericht: DOC darf nicht gebaut werden
Urteil am Bundesverwaltungsgericht: DOC darf nicht gebaut werden
Urteil am Bundesverwaltungsgericht: DOC darf nicht gebaut werden
Let‘s Love: Remscheiderin Stefanie Lopez Suarez zieht in eine „Hütte voller Liebe“
Let‘s Love: Remscheiderin Stefanie Lopez Suarez zieht in eine „Hütte voller Liebe“
Let‘s Love: Remscheiderin Stefanie Lopez Suarez zieht in eine „Hütte voller Liebe“
Ausflügler ignorieren Absperrungen und begeben sich in Lebensgefahr
Ausflügler ignorieren Absperrungen und begeben sich in Lebensgefahr
Ausflügler ignorieren Absperrungen und begeben sich in Lebensgefahr
Corona: Inzidenz steigt in Remscheid auf 1376,5 - Krisenstab diskutiert Corona-Marschroute
Corona: Inzidenz steigt in Remscheid auf 1376,5 - Krisenstab diskutiert Corona-Marschroute
Corona: Inzidenz steigt in Remscheid auf 1376,5 - Krisenstab diskutiert Corona-Marschroute

Kommentare