Würdiger Abschluss der Konzertreihe

Gentleman weckt die Lebensfreude bei den Reggae-Fans

Liebe und Einheit: Gentleman begeisterte das Publikum auf dem Schützenplatz, die Fans begeisterten umgekehrt ihn. Foto: Michael Schütz
+
Liebe und Einheit: Gentleman begeisterte das Publikum auf dem Schützenplatz, die Fans begeisterten umgekehrt ihn.

Würdiger Abschluss der „Liebe&Musik“-Konzertreihe auf dem erstmals ausverkauften Schützenplatz – Sänger war sichtlich gerührt.

Von Elisabeth Erbe

Remscheid. Ausverkauft. Mehr als 1000 Zuschauer kamen beim Abschluss des „Liebe & Musik“-Festivals auf den Schützenplatz, um Gentleman zu sehen. Kurz vor Schluss war das Ticketkontingent um 200 aufgestockt worden, die sofort vergriffen waren. Es wurde ein denkwürdiger Abend, der selbst Veranstalter Sebastiao Pembele mehr als einmal eine Gänsehaut bescherte. Mit dem Kölner Tilmann Otto, der als Gentleman in über 20 Jahren zu Deutschlands Reggae-Export Nr. 1 geworden ist, präsentierte Pembele einen würdigen Abschluss der Konzertreihe.

Zum Auftakt des lauen, von den Temperaturen perfekten Spätsommerabends, erklang ein fulminantes Instrumentalstück. Das Publikum jubelte, als der Künstler nach seiner Band die Bühne betrat. „Es ist so schön, hier in Remscheid zu sein“, begrüßte Gentleman seine Fans überschwänglich und stimmte „Uprising“ an, das Gentleman mit Marley-Sohn Ky-Mani geschrieben hat.

„Früher waren die 3Gs: gefeiert, gesoffen, gekotzt“, feixte Gentleman und bedankte sich erneut, dass er wieder auf der Bühne stehen darf. Songs aus dem Album „Blaue Stunde“ wurden vorgestellt. Sitzordnungen wurden bald nicht mehr eingehalten, die Stühle verlassen, es zog die Reggae-Fans vor das Podest. Corona-Abstandsregeln wurden in der Euphorie ignoriert. „Die Stimmung ist der Hammer“, erklärte Pompilio Iona, der am 23. November im Kölner Palladium ein weiteres Gentleman-Konzert genießen möchte. Tanzen, Singen und Freunde treffen, das hatten die meisten vermisst. Dieser Auftritt gab ihnen alles. Die positiven Vibrationen kamen rüber. Gentleman weckte die Lebensfreude.

„Es ist so schön, hier in Remscheid zu sein.“

Gentleman

„Der nächste Song soll den Dreck beiseite packen. Vielleicht können wir mit dem Song die Spaltung in der Gesellschaft abschaffen“, sagte Gentleman und sang „Staubsauger“. Dazu gab Gentleman die Staubsauger-Choreographie dem Publikum vor. Fast alle standen auf, ließen die Hüften kreisen und sangen mit. „Drück mal kurz auf Stopp und halt alles an, es ist alles viel zu schnell“, hieß es in dem Song „Time out“. Gentlemans Lieder rufen das Wesentliche in Erinnerung. Liebe, Ruhe und Zusammenhalt standen im Vordergrund. Immer wieder reckte der 46-Jährige, der selbst auf Jamaika eine große Nummer ist, das Mikro ins Publikum, das die Lieder auswendig intonierte. „Totale Eskalation, wir sind nach vorne gegangen und haben uns in die Menge gestürzt“, lachte Katharina Malang. Vor der Bühne war der Jubel am größten.

Gentleman war gerührt: „Ihr seid so süß. Danke, dass ich hier sein darf“, meinte er überwältigt und dachte an anderthalb Jahre Berufsverbot, die hinter allen Künstlern liegen. Auf politische Statements verzichtete er. Beim Song „Fire“ zückten alle ihre Handys. Hunderte Lichter sorgten für Romantik in einem Meer aus Licht, Liebe und Einheit.

„An alle Männer, lasst mal ruhig ne Plautze haben“, riet Gentleman und zeigte seinen Bauch. „Und ihr Frauen, die Schönheit kommt von innen.“ Spontaner Beifall. Dazu erklang der Song „Ahoi“. Seweryn Bryla war mit seiner Tochter Wiki aus Essen nach Remscheid gekommen. „Es gab viele Momente, wo man alles um sich vergessen konnte“, resümierte er glücklich. Gentleman grüßte mit „Garten“ seine Frau Tamika und stieg von der Bühne, nahm ein Bad in der Menge, die ihn klatschend begrüßte. Gegen halb zehn Uhr begann Gentleman sich zu verabschieden. Das Publikum brüllte sofort nach Zugabe. „Ihr müsst erst nach Zugabe rufen, wenn wir nicht mehr auf der Bühne stehen“, korrigierte der Sänger. Die Rufe hörten nicht auf und Gentleman ließ „Zwischen den Stühlen“, „Ring an deinem Finger“ und die Akustikhymne „Redemption Song“ von Bob Marley zum Abschluss erklingen. Atemberaubend schön.

Liebe & Musik möchte wiederkommen

Veranstalter Sebastiao Pembele denkt langfristig. „Wenn die Remscheider es wünschen, kommen wir 2022 gerne wieder“, erklärt er. Seine Vision ist, organisch zu wachsen und in zehn Jahren ein großes Open Air zu schaffen. „Der Schützenplatz ist perfekt dafür.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

55 Flüchtlinge sind in Remscheid angekommen
55 Flüchtlinge sind in Remscheid angekommen
55 Flüchtlinge sind in Remscheid angekommen
Wegen Corona-Schutz: Ärzte befürchten schwere Grippe
Wegen Corona-Schutz: Ärzte befürchten schwere Grippe
Wegen Corona-Schutz: Ärzte befürchten schwere Grippe
Insektentod: Duo sammelt Unterschriften
Insektentod: Duo sammelt Unterschriften
Insektentod: Duo sammelt Unterschriften
Zwei Verletzte nach Messerstichen am Markt
Zwei Verletzte nach Messerstichen am Markt
Zwei Verletzte nach Messerstichen am Markt

Kommentare