Pläne stoßen auf Widerstand

Gegen Gewerbefläche in Remscheid regt sich Protest

Über 11 000 Quadratmeter groß ist das Grundstück, rund die Hälfte davon ist vermutlich bebaubar.
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Über 11.000 Quadratmeter groß ist das Grundstück, rund die Hälfte davon ist vermutlich bebaubar.
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Zwei Wohnhäuser stehen vor dem Abriss. Auch Waldbesitzer kündigen Widerstand an.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Die geplante Gewerbefläche an der Lenneper Straße führt zu Sorgen bei Janina Wyszatycki. Sie wohnt seit 34 Jahren in einem von zwei Mietshäusern, die der Stadt auf dem Grundstück gehören – und vor dem Abriss stehen. „Ich habe große Angst“, sagt die 76-Jährige. „Denn ich weiß nicht, wo ich dann hin soll.“ Auch in der Nachbarschaft regt sich Protest: Die Waldbesitzer Dietfried und Detlef Auras sowie die Hauseigentümer Frank Eschinger und Thorsten Wolff argumentieren gegen das Projekt, das aus ihrer Sicht auf Kosten der Natur beziehungsweise ihrer Lebensqualität gehe.

Lehnen die geplante Gewerbefläche an der Lenneper Straße ab: Die Waldbesitzer Dietfried Auras und Detlef Auras sowie die Anwohner Thorsten Wolff, Janina Wyszatycki und Frank Eschinger (v. l.).

Die Wohnhäuser der Stadt befinden sich direkt an der Lenneper Straße, aus Richtung Innenstadt kommend auf der rechten Seite. Dahinter liegen Gärten und Wiesen. Es handele sich um eine grüne Lunge, die nicht versiegelt werden dürfe, hebt Dietfried Auras hervor, dessen Wald angrenzt. Hier sei das Quellgebiet des Böker Bachs, wo Rehe und Fledermäuse Lebensraum fänden. „Dazu passt ein Gewerbekomplex ganz und gar nicht“, findet Auras. Er habe sich bereits mit Einwänden an die Stadtverwaltung gewandt, ohne dass diese den politischen Gremien zur Kenntnis gegeben worden seien.

Ingo Lückgen, Wirtschaftsförderer bei der Verwaltung, verweist auf einen Beschluss des Stadtrates vom Mai 2020, wonach die Flächen an der Lenneper Straße mittels eines neuen Bebauungsplans zum Gewerbeareal werden sollen. Denn: An Platz für Firmen hapert es in ganz Remscheid. Vorteil an der Lenneper Straße: Die Grundstücke befinden sich im Besitz der Stadt und müssten nicht erworben werden. „Außerdem spricht die Lage mit der Nähe zu den Autobahnauffahrten und der Bundesstraße für diese Nutzung“, erklärt der Wirtschaftsförderer über die Fläche, die 11.500 Quadratmeter groß ist. Ob Gewerbe an dieser Stelle tatsächlich infrage kommt, sollen Experten klären, die mit Gutachten betraut sind – etwa zu den dortigen Tierarten und sonstigen ökologischen Rahmenbedingungen. Wenn die Fachleute für den Bebauungsplan grünes Licht geben, können sich im Anschluss Behörden und Bürger mit Einwänden zu Wort melden. Darüber wägt der Stadtrat auf der Grundlage der fachlichen Einschätzung der Stadtverwaltung ab.

„Wir haben hier eine tolle Nachbarschaft und sind füreinander da.“

Anwohnerin Janina Wyszatycki

Ganz sicher werden die Ortspolitiker mit Bedenken der Anwohner aus der Lenneper Straße konfrontiert, die sich nicht einverstanden zeigen, „dass hier Fakten geschaffen werden sollen, ohne mit uns das Gespräch zu suchen“, wie es Hausbesitzer Thorsten Wolff formuliert. Sein Nachbar Frank Eschinger erhielt bereits die Kündigung eines Pachtvertrags für eine Gartenparzelle auf dem städtischen Boden. Gleiches gelte für ein Vereinsgelände, das sich ebenso an der Lenneper Straße befindet. Wie Ingo Lückgen erklärt, könnten die bisherigen Pächter die Flächen einstweilen so wie bisher nutzen. „Dies wird zunächst einmal geduldet.“ Wenn aber der Bebauungsplan vom Rat verabschiedet wird und im Anschluss ein Verkauf des Baulands an ein Unternehmen erfolgt, ist es seine Angelegenheit, die Nutzung neu zu regeln.

Neue Gewerbeflächen in Remscheid: So sieht die Zukunft aus

Das betrifft auch die beiden städtischen Wohnhäuser, wovon eines bereits seit Jahren leer steht. „Es ist möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich, dass ein neuer Besitzer sie erhalten will“, stellt Lückgen fest, der keinen Zeitrahmen nennen will, wann Baurecht für ein interessiertes Unternehmen in Kraft tritt. Das wäre aber frühestens Ende 2023. „Selbstverständlich werden wir niemanden rauswerfen und bei der Suche nach einer neuen Wohnung helfen.“

Mieterin Janina Wyszatycki würde ihr liebgewonnenes Umfeld verlieren. Nachdem sie Ende der 80er Jahre aus Ostpommern nach Remscheid kam, sei das Haus an der Lenneper Straße zu ihrem Zuhause geworden. „Wir haben hier eine tolle Nachbarschaft und sind füreinander da. Und in der Umgebung habe ich alles, Einkaufsmöglichkeiten und meine Ärzte.“ Vor allem würde sie ihren kleinen Garten vermissen, wo die Rehe aus dem nahen Wald regelmäßig ihre Zaungäste sind.

Gewerbeflächen

Bei der Vermittlung von Gewerbeflächen setzt die Stadt Remscheid auf bestehende Brachen. Ansonsten kann sie interessierten Unternehmen kaum Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Geplant sind zwei größere Vorhaben in Bergisch Born, wobei die Flächen am Gleisdreieck gemeinsam mit den Nachbarstädten Wermelskirchen und Hückeswagen entwickelt werden sollen. Zudem ziehen die Planer die Erdbeerfelder in Bergisch Born als neuen Standort für Gewerbe in Betracht. Die Verwirklichung kann noch etliche Jahre dauern.

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