Verkehr

Gefahrenstelle auf der B 51: 17 E-Mails bis zur Lösung

Axel Heuser machte auf Gefahren in Bergisch Born aufmerksam und landete in den Mühlen der Bürokratie. Foto: Roland Keusch
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Axel Heuser machte auf Gefahren in Bergisch Born aufmerksam und landete in den Mühlen der Bürokratie.

Auf der B 51 in Bergisch Born gibt es abgesackte Telekom-Kästen. Nach einem Beinahe-Unfall und 17 E-Mails werden die nun bald angepasst.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Es war ein Beinahe-Unfall, der Axel Heuser dazu brachte, die Initiative zu ergreifen. Als er auf der B 51 aus Richtung Wermelskirchen kommend nach Bergisch Born fuhr, beobachtete er einen Motorradfahrer, der fast die Kontrolle über seine Maschine verlor: „Der konnte die wirklich nur noch mit letzter Kraft abfangen, sonst wäre er in den Gegenverkehr gefahren.“ Die Ursache war schnell ausgemacht: eine große Schachtabdeckung, die deutlich tiefer als die restliche Fahrbahn lag und so ein Hindernis bildete. Zwei Wochen und 17 E-Mails später sieht es so aus, als habe Axel Heuser Erfolg gehabt.

„Ich bin zufrieden, jetzt ist alles auf dem richtigen Weg“, sagt Heuser rückblickend. Die gefährliche Stelle ist durch ein Schild entschärft worden, in den Osterferien wird sie wohl ganz behoben. Der Weg dahin war aber etwas steinig, auch weil der Bergisch Borner in die Mühlen der Bürokratie geriet und sich mit den Feinheiten der unterschiedlichen Baulastträger der verschiedenen Straßen auseinandersetzen musste.

Losgegangen war das mit einer E-Mail an die Technischen Betriebe (TBR), die aber schnell erkannten, dass die von Axel Heuser gemeldeten Mängel – neben dem abgesackten Schacht hatte er noch einen Spalt im Asphalt einige Meter weiter ausgemacht – gar nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich lagen. So wurde Axel Heuser an StraßenNRW verwiesen, der Landesbetrieb Straßenbau kümmert sich in NRW im Auftrag des Bundes um die Bundesstraße, also auch um die B 51 eine ist.

Drei Schächte auf der B 51 zwischen Remscheid und Leverkusen müssen angepasst werden

StraßenNRW sei dem Spalt im Asphalt dann auch schnell zu Leibe gerückt, berichtet Heuser, die Stelle sei provisorisch mit Kaltasphalt verschlossen worden. Für den Schacht allerdings, der dem Motorradfahrer beinahe zum Verhängnis geworden war, sei auch der Landesbetrieb nicht verantwortlich, erfuhr er aus einer Mail: „Die besagten Schächte liegen nicht in der Unterhaltung von StraßenNRW, sondern sind in Eigentum der Deutschen Telekom.“

Man habe die Telekom bereits mehrfach aufgefordert, „die Kontrollschächte auf Niveau zu erneuern“, heißt es dort weiter. Inzwischen prüfe man die rechtlichen Möglichkeiten, die Arbeiten selber vornehmen zu lassen und der Telekom in Rechnung zu stellen. Als Übergangslösung könne man aber Warnschilder aufstellen.

Die Telekom allerdings kann gar nicht mit Sicherheit sagen, ob diese Aufforderungen des Landesbetriebs jemals bei ihr angekommen sind: „Das kann ich nicht bestätigen“, erklärt ein Sprecher auf RGA-Anfrage. Gleichwohl brachte Axel Heusers Engagement das Thema an die richtige Stelle, ein Mitarbeiter der Technischen Niederlassung West in Hagen nahm sich des Vorgangs an.

Dabei seien insgesamt drei Schächte auf der B 51 zwischen Bergisch Born und Leverkusen entdeckt worden, die zu tief liegen, berichtet der Telekom Sprecher. Der Auftrag, diese anzupassen, sei bereits vergeben und auch priorisiert worden: „Wir haben das definitiv auf dem Schirm und werden uns darum kümmern.“

Axel Heuser, der seit rund 14 Tagen nahezu täglich zu dem Thema mit verschiedenen Stellen kommuniziert, erfuhr davon allerdings nicht von der Telekom, sondern wiederum von StraßenNRW: Die Deutsche Telekom habe eine Hebung der abgesackten Schächte entlang der gesamten B 51 bis nach Leverkusen in Aussicht gestellt, heißt es in einer Mail an ihn. Dazu habe es bereits erste Gespräche mit der damit beauftragten Firma gegeben.

Trotzdem wird es wohl noch ein paar Wochen dauern, bis die Gefahrenstelle wirklich entschärft ist. Denkbar sei das in den Osterferien, schreibt StraßenNRW. Denn der Landesbetrieb ist zwar für die Bundesstraße zuständig, muss in diesem Fall aber beachten, dass dieses Stück der B 51 eine „offizielle Bedarfsumleitungsstrecke“ der A1 ist. Und an solchen Strecken darf auch der eigentliche Baulastträger „nur in bestimmten Zeiten“ arbeiten.

Die TBR und der Landesbetrieb planen die Straßenbaustellen für 2022. Unter anderem wird der „Überflieger“ sechs Wochen gesperrt.

Hintergrund

Unterschiedliche Straßen, unterschiedliche Baulastträger: Während für alle städtischen Straßen, Wege und Plätze in Remscheid, soweit sich diese nicht im Privatbesitz befinden, die Technischen Betriebe Remscheid (TBR) zuständig sind, kümmert sich StraßenNRW um die Bundes- und Landesstraßen im Bundesland, aber auch um etwa 1000 Kreisstraßen sowie Radwege und Bauwerke wie Tunnel und Brücken. Die Autobahnen wiederum fallen seit 1. Januar 2021 in die Verantwortung der neuen Autobahn GmbH des Bundes.

Standpunkt: Hinweisgebern helfen

frank.michalczak@rga.de

Kommentar von Frank Michalczak

Der Umgang mit der Gefahrenstelle in Bergisch Born ist ein typisches Beispiel für die Irrwege der Bürokratie. Allzu oft verzweifeln Ratsuchende am Dickicht unterschiedlicher Zuständigkeiten von Behörden, die von einer zur nächsten Stelle verweisen. Dabei kann es den Bürgeinnen und Bürgern herzlich egal sein, wer sich denn nun um ihr Anliegen kümmert – Hauptsache, es geschieht etwas. Denn so unterschiedlich die Aufgaben der Mitarbeitenden in den Ämtern auch sein mögen, sie eint eine Gemeinsamkeit: Sie wirken im öffentlichen Dienst, also im Auftrag der Bevölkerung. Und da ist es höchst ärgerlich, dass 17 Mails nötig sind, damit eine Gefahr auf einer Bundesstraße behoben werden kann. Wäre Hinweisgeber Axel Heuser nicht hartnäckig geblieben, wäre vermutlich erst einmal gar nichts geschehen. Unterschiedliche Zuständigkeiten dürfen nicht dazu führen, die Augen vor Problemen zu verschließen. Stattdessen sind alle in der Verantwortung, eine Lösung zu finden.

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