Städtepartnerschaft Remscheid-Quimper

Bernd Fiedler: „Geeintes Europa gelingt durch Freundschaft“

Bernd Fiedler. Foto: Roland Keusch
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Bernd Fiedler

Bernd Fiedler, Vorsitzender des Vereins Städtepartnerschaft Remscheid-Quimper, zu Jubiläum, Aufgaben und Pflichten.

Das Gespräch führte Sven Schlickowey

50 Jahre Städtepartnerschaft Remscheid-Quimper, dazu wird es unter anderem eine Bürgerreise Ende September geben, die ratzfatz ausgebucht war.

Bernd Fiedler: Das machen wir jetzt schon seit 20 Jahren, dass wir alle zwei Jahre eine große Bürgerreise organisieren. Zu Himmelfahrt gibt es traditionell einen Austausch hin und her für je vier Tage, dabei sind wir in Gastfamilien untergebracht. Dadurch sind viele persönlichen Kontakte entstanden. Und zusätzlich gibt es alle zwei Jahre eine große Reise nach Quimper, die über zehn Tage geht.

Ist da die Nachfrage immer so hoch wie in diesem Jahr?

Fiedler: Ja, 2018, also beim letzten Mal, haben wir schon mehr Teilnehmer mitgenommen, als wir eigentlich wollten. Normalerweise lassen wir im Bus gerne drei oder vier Plätze frei, dass er nicht so überfüllt ist. Die mussten wir aber vor drei Jahren noch zur Verfügung stellen, weil das Interesse so groß war. Und auch dieses Jahr haben sich mehr Menschen bei uns gemeldet, als wir nach aktuellem Stand mitnehmen dürfen. Sie sind auf eine Ersatz- oder Warteliste gekommen.

Beweist das aus Ihrer Sicht, dass die Städtepartnerschaft nach wie vor wichtig ist?

Fiedler: Die ist auf jeden Fall sehr wichtig, was soll ich auch anderes sagen? (lacht) Aber das zeigt ja auch die Resolution (| Kasten), die gerade einstimmig im Stadtrat verabschiedet wurde. Dem kann ich mich eigentlich nur anschließen. Ich denke schon, dass es uns in 50 Jahren gelungen ist, aus der Erbfeindschaft eine Erbfreundschaft zu machen.

Bleiben wir kurz bei diesem Stichwort: Viele deutsch-französische Städtepartnerschaften stammen ja aus den 1970ern und wurden als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg und die Erbfeindschaft zwischen beiden Völkern gegründet. Jetzt leben wir aber schon mehr als 75 Jahre friedlich miteinander. Braucht es die Städtepartnerschaften da noch?

Fiedler: Dass das so ist, ist ja auch den Städtepartnerschaften zu verdanken. Für meine Begriffe werden die Partnerschaften auch weiterhin wichtig sein, damit das so bleibt. Das gilt gerade auch für die Partnerschaften nach Frankreich, weil der deutsch-französischen Achse in Europa eine besondere Bedeutung zukommt. Und nur durch die Freundschaft zwischen Menschen gelingt es ja, ein einiges Europa aufzubauen.

Wie gestaltet man eine solche Partnerschaft, was muss man dafür tun?

Fiedler: Private Kontakte zwischen vielen Familien aus Remscheid und Quimper laufen alleine. Aber die ganze Partnerschaft läuft nur, wenn es auf beiden Seiten Menschen gibt, die sich kümmern. Und die das auf eine möglichst breite Basis stellen. Das betrifft den sportlichen Austausch, das betrifft den kulturellen Bereich und auch die Modellflieger, die sich gegenseitig besuchen. So sollten möglichst viele Teile der Gesellschaft einbezogen werden.

Wie viel Arbeit ist das für die Partnerschaftsvereine?

Fiedler: Wir haben gerade in diesem Jahr wirklich viel Arbeit. Einmal haben wir sehr viel in die Herbstreise investiert, das ist schon eine gewaltige Aufgabe mit so vielen Personen. Und zum anderen haben wir natürlich versucht, möglichst viele Veranstaltungen in dieses Jahr zu legen. So zum Beispiel am 22. Juli in der katholischen Kirche St. Suitbertus, da wird es ein Konzert von zwei Musikern aus Quimper geben, der Eintritt ist frei. Außerdem ist eine Veranstaltung in der Klosterkirche geplant, und zum Röntgenlauf erwarten wir Gäste auch Frankreich. Dazu kommt der Austausch der offiziellen Delegationen. Und wir haben die Zeit genutzt, unseren Image-Flyer nach über 20 Jahren zu überarbeiten. Da laufen also ganz viele Dinge parallel.

Wo Sie gerade sagen, dass Sie die Zeit genutzt haben: Wie haben Sie während der Pandemie eigentlich Kontakt mit den Freunden aus Quimper gehalten?

Fiedler: Auch uns kommt der digitale Fortschritt zu Hilfe. Es gibt sowohl in Quimper als auch in Remscheid regelmäßige Stammtische, die haben wir einmal hüben wie drüben digital veranstaltet, daraus ist dann die Idee entstanden, das zusammen zu machen. So haben bisher schon drei gemeinsame digitale Stammtische stattgefunden.

Insgesamt unterhält Remscheid sieben Partnerschaften beziehungsweise Freundschaften, davon wirkt die älteste, nämlich die mit Quimper, als sei sie die aktivste. Gibt es dafür eine Erklärung?

Fiedler: Ein wichtiger Teil der Erklärung ist für mich die Rolle unseres Ehrenvorsitzenden Hans-Jürgen Rühl, der seit der Gründung unseres Vereins Anfang der 90er Jahre bis 2015 Vorsitzender war und in dieser Zeit die Freundschaft immer weiter aktiviert hat, immer unterstützt von einem engagierten Vorstand. Wir haben natürlich auch neue Ideen, bauen aber immer noch auf dieser Arbeit auf. Vieles, was heute erfolgreich läuft, ist in dieser Zeit entstanden. Zum Beispiel der Französischunterricht an Grundschulen und in Primarstufen von weiterführenden Schulen. Oder auch der Austausch von Schülern zu Ferienjobs.

„Man kann eine Freundschaft nicht von oben vorgeben.“

Bernd Fiedler

Aber ich verstehe Sie richtig: So eine Partnerschaft hängt insbesondere am Engagement der Menschen. Da stellt sich angesichts aktueller Forderungen aus der Politik, eine israelische Partnerstadt für Remscheid zu suchen, doch die Frage, ob man solche Freundschaft quasi beschließen kann.

Fiedler: Das geht auf gar keinen Fall. Auch die Partnerschaft mit Quimper hatte ja einen Vorläufer durch das Gertrud-Bäumer-Gymnasium. Da hatte es schon zwei Jahre vor Start der Städtepartnerschaft einen starken Austausch gegeben. Daraus ist die heutige Freundschaft entstanden. Damals spielte der Landschaftsverband Rheinland auch noch eine gewisse Rolle und versuchte Städte aus dem Westen Frankreichs an NRW-Städte zu vermitteln. Da war Quimper erst bei einer linksrheinischen Stadt gelandet, was aber nicht so gut geklappt hat, so dass es am Ende zu der Verbindung mit Remscheid kam. Das zeigt schon, dass man so etwas nicht von oben vorgeben kann.

Lassen Sie uns einen kurzen Blick voraus ins Jahr 2071 werfen, zum hundertjährigen Bestehen: Was würden Sie sich ganz persönlich bis dahin wünschen?

Fiedler: Persönlich würde ich mir wünschen, dass die französische Sprache in Deutschland wieder aktueller würde. Englisch steht ja deutlich im Vordergrund, und bei den Jugendlichen auch immer mehr Spanisch. Französisch ist eine wunderschöne Sprache, Frankreich ist ein wunderschönes Land mit wunderschönen Landschaften und wunderbaren Menschen. Deswegen würde ich mir wünschen, dass wir die Freundschaft mit Frankreich noch weiter in die Bevölkerung tragen.

Zur Person

Bernd Fiedler ist seit 2015 Vorsitzender des Vereins Städtepartnerschaft

Remscheid-Quimper. Der 67-jährige Pensionär hat über 30 Jahre im Sportamt der Stadt Remscheid gearbeitet, die letzten zehn Jahre als dessen Leiter. Fiedler selber läuft gerne, hat den Röntgenlauf mit aus der Taufe gehoben, gehört dem Vorstand eines Sportvereins an und engagiert sich im Stadtsportbund.

Die Resolution:

Der Rat der Stadt Quimper und der Rat der Stadt Remscheid geben ihrer Freude darüber Ausdruck, dass die von den Gründern der Städtepartnerschaft in der Partnerschaftsurkunde von 1971 formulierten Ziele, „im Geiste gegenseitiger Übereinstimmung zusammen zu arbeiten, das Kennenlernen und Verstehen der Bürgerinnen und Bürger sowie den Austausch auf allen Gebieten zu fördern“, verwirklicht wurden. Seit 50 Jahren bildet die Freundschaft zwischen Quimper und Remscheid ein solides Fundament der Brücke zum europäischen Nachbarn.

Wir werden die gelebte Freundschaft unserer beiden Städte als Sieg der Demokratie und Freiheit über Vorurteile, Angst, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus im 21. Jahrhundert weiter pflegen und fortentwickeln.

Mit ihrer Beständigkeit der Beziehungen und der großen Bandbreite gemeinsamer Aktivitäten bringt unsere Städtepartnerschaft Europa direkt zu den Bürgern.

Wir sind Europa!

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