Erinnerung

Gedenktafel erinnert an Polizistenmord

Recherchierte im Archiv: Viola Schwanicke (hier mit Azubi Pascal Werner) lieferte Angaben zum Polizistenmord. Foto: Michael Sieber
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Recherchierte im Archiv: Viola Schwanicke (hier mit Azubi Pascal Werner) lieferte Angaben zum Polizistenmord.

An der Burger Straße wird des Todes von Thaddäus Bütow gedacht. Morgen ist der Jahrestag.

Von Andreas Weber

Gedenkstein für den Polizisten an der Burger Straße.

Er wurde das Opfer eines schweren Berufs und starb von „feiger Mörderhand“. So steht es im Nachruf für Thaddäus Bütow. Der Preußische Polizeibeamten-Verband, Ortsgruppe Remscheid, gedachte des Polizeiwachtmeisters, der kurz vor seinem 25. Geburtstag am 13. Januar 1924 sein Leben verlor. Eine leicht verwitterte, schwarze Gedenktafel an der Burger Straße, unweit des Krankenhauses in eine Steinmauer eingelassen, erinnert an die Tragödie, die sich in diesen Tagen zum 92. Mal jährt.

Sie führt in eine Zeit, die von heftigen politischen Unruhen geprägt war. Die Bevölkerung rebellierte gegen ihre trostlose Lage. Remscheid lag wirtschaftlich nieder. „Die Franzosen hatten um den englischen Brückenkopf Köln einen eisernen Gürtel gelegt, um alle Ausfalltore zu sperren“, schrieb Dr. Wilhelm Rees in seinem Buch „Remscheider Erinnerungen aus der Zeit von 1915 bis 1933“.

Ende 1923 wurde eine neue Währung geschaffen. Die Presse war zensiert, die Versammlungsfreiheit aufgehoben. Firmen hatten Probleme, ihre Waren zu verkaufen. Das strenge Regiment der Franzosen beflügelte den Schmuggel, der hart bestraft wurde. In der Stahlindustrie kam es zu Übergriffen. Rees führt aus, dass Schutzpolizisten im November 1923 mit Eisenstangen und Hämmern bedroht, mit Eisenstücken beworfen wurden und zur Waffe griffen. Es gab vier Tote und acht Verwundete.

Polizeiwachtmeister wurde in Ehringhausen angeschossen

Plünderungen waren an der Tagesordnung, ein Mob zog durch die Straßen. Dieser traf auf den Schupo Bütow. Viola Schwanicke (Historisches Zentrum) fand im Archiv einen Zeitungsartikel vom 14. Januar 1924, in dem der RGA den Hergang der blutigen Tat am Abend des 11. Januar schilderte: „Der Beamte der Schutzpolizei Bütow, der am Freitag bei einer Streife in Ehringhausen von jungen Burschen angeschossen wurde, ist gestern Vormittag im Krankenhaus an den erlittenen schweren inneren Verletzungen gestorben.“

Mutter und Braut sollen an seinem Sterbelager geweilt haben. Der RGA stellte fest: „Die Verantwortung trifft die Leute, die systematisch den Hass schüren gegen die Männer, die selbstlos und treu ihre Pflicht erfüllen.“ Seine Kollegen von der Polizeiinspektion bezeichneten ihn in ihrer Todesanzeige „als zuverlässigen Beamten, der stets sein Bestes gab, um die Allgemeinheit zu schützen und auf jedem Posten, auf den er gestellt wurde, bis zum Letzten ausharrte“.

Auf der Gedenktafel steht der 12. Januar 1924 als Todestag. Warum dies so ist, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Am 22. Oktober 1924 war Remscheid wieder frei. Die Franzosen zogen ab. Geleitet von der Schupo wurden sie zum Bahnhof gebracht. „Die Bevölkerung nahm von ihnen keine Notiz“, notierte Wilhelm Rees.

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