Entsorgung

Gebühren bleiben in Remscheid konstant

Gisela Kern ist auf ihrer gelben Tonne und den Säcken sitzen geblieben. Immer wieder gehen bei den Technischen Betrieben ähnliche Beschwerden ein. Dabei sind die nicht zuständig, sondern die Firma Awista. Die sagte dem RGA gestern einen Rückruf zu. Der blieb allerdings aus. Foto: Roland Keusch
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Gisela Kern ist auf ihrer gelben Tonne und den Säcken sitzen geblieben. Immer wieder gehen bei den Technischen Betrieben ähnliche Beschwerden ein. Dabei sind die nicht zuständig, sondern die Firma Awista. Die sagte dem RGA am Freitag einen Rückruf zu. Der blieb allerdings aus.

Wieder gibt es Ärger um den Plastikmüll - Technische Betriebe würden die Entsorgung gern selbst übernehmen.

Von Axel Richter

Remscheid. Am Dienstag, hofft die Remscheiderin Gisela Kern, wird ihrem Plastikmüll die Abfuhr erteilt. Dann müsste das orange Entsorgungsfahrzeug der Firma Awista turnusgemäß wieder vor ihrer Haustür in der Breslauer Straße auftauchen und sich die gelben Säcke einverleiben. Vor vier Wochen wartete die RGA-Leserin darauf vergebens. Auf Beschwerden geschah nichts. Entnervt meldete sich Gisela Kern deshalb in dieser Woche am Telefon der RGA-Aktion Dranbleiben: „Alle anderen sagen, damit hätten sie nichts zu tun.“

Haben sie auch nicht. Seit 1991 obliegt die Entsorgung von Plastikabfällen dem Dualen System Deutschland. In dessen Auftrag holen Unternehmen wie die Firma Awista den Verpackungsmüll bei den Bürgern ab. Der größte Teil davon wird anschließend verbrannt - vor allem in der Zement herstellenden Industrie.

„Daraufhin fragen die Bürger, ob wir sie vereimern wollen.“
Michael Zirngiebl, TBR

Damit verdienen die Firmen gutes Geld. Bereiten die gelben Tonnen und Säcke aber Probleme, „wendet sich der Bürger an uns“, sagt Michael Zirngiebl, Chef der Technischen Betriebe Remscheid: „Wir verweisen dann an das Call-Center der Unternehmen, worauf uns der verärgerte Bürger erneut anruft und uns fragt, ob wir ihn vereimern wollen.“

Tatsächlich stimmt die Chemie zwischen den TBR und den privaten Entsorgern schon lange nicht mehr. Im Vorjahr hatte sich Awista von dem vormals gemeinsamen Abfallkalender verabschiedet. Die Firma wollte einen eigenen auflegen, der aber auf sich warten ließ. Die Bürger reagierten mit Unverständnis und luden ihren Ärger bei den TBR ab.

Seit 2018 verhandeln die TBR mit dem Dualen System zudem über einen neuen Abfallentsorgungsvertrag und damit auch über die Einführung ein einheitliches Sammelsystems. Dass der Recycling-Abfall in Remscheid sowohl in Säcken als auch Tonnen gesammelt wird, nervt viele Bürger seit langem. Eine Einigung wurde bis heute nicht erzielt.

Für TBR-Chef Michael Zirngiebl stellt sich noch aus anderen Gründen längst die Sinnfrage: „Spätestens seitdem unsere Abfallverpackungen in Vietnam und Malaysia wieder auftauchen, müssen wir uns doch die Frage stellen, ob das alles so sinnvoll ist. Ich glaube, es ist an der Zeit, das gesamte System auf Null zu setzen.“ Und dann? „Nehmen wir die Entsorgung wieder in kommunale Verantwortung“, fordert Zirngiebl. Dann bliebe nicht nur das Geld, das sich mit Plastik und Papier verdienen lässt, vollständig in den Städten und Kreisen. „Die Bürger hätten auch einen Ansprechpartner vor Ort und würden bei Problemen mit der Abfallentsorgung nicht mehr von Pontius nach Pilatus geschickt.“

Die weiterhin ungeklärten Fragen mit den privaten Entsorgerfirmen belasten unterdessen auch das wirtschaftliche Ergebnis der städtischen Abfalltochter. Auf 170 000 Euro belaufen sich die finanziellen Risiken für das kommende Geschäftsjahr. Zirngiebl hat sie aus der Gebührenkalkulation für 2021 herausgerechnet.

Die Mehrbelastung, die 2021 auf die Remscheiderinnen und Remscheider zukommt, hält sich auch deshalb in Grenzen. Nach einer Anhebung von 11 Euro von 2019 auf 2020 muss die berühmte Familie Mustermann im kommenden Jahr 2,20 Euro mehr bezahlen. Bei einer Gesamtsumme von 929,90 Euro im ganzen Jahr entspricht das einer Gebührensteigerung von 0,24 Prozent.

Damit zahlen Remscheider wie Gisela Kern für die Abfallentsorgung, die Straßenreinigung und die Entwässerung auch im kommenden Jahr deutlich weniger als die Bürger in den beiden Nachbarstädten. In Solingen steigen die Gebühren für Familie Mustermann um rund 10 Euro auf 1022 Euro, in Wuppertal sind mit 1228 Euro gleich 23 Euro mehr fällig.

Die Gebühren 2021

Die Leerung der 120-Liter-Restmülltonne wird um 13 Euro teurer. Hier wirkt sich insbesondere die Tariferhöhung im öffentlichen Dienst aus.

Die Gebühren für Schmutzwasser wird gegenüber dem Vorjahr um 2 Cent pro Kubikmeter gesenkt. Die Gebühren für Niederschlagswasser bleiben unverändert.

Die milden Winter der vergangenen Jahre lassen die Gebühren für die Straßenreinigung leicht sinken.

Nach aller Rechnerei werden die Gebühren insgesamt für die Musterfamilie um 2,20 Euro steigen.

Elektrobus überzeugt in der Praxis: Die Freude ist Vladimir Grigoryev anzusehen. Der 39-Jährige ist ein erfahrener Busfahrer, seit 2005 sitzt er für die Remscheider Stadtwerke hinterm Lenkrad. So ein Fahrgefühl kannte er aber noch nicht.

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