Krisenstab bereitet die Impfung vor

Gastwirte in Remscheid sagen alle reservierten Tische ab

Auch seine Tische sind verwaist: Marcus Schmalbein erwartet eine Wiederöffnung der Speiselokale nicht vor Karneval 2021. Foto: Roland Keusch
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Auch seine Tische sind verwaist: Marcus Schmalbein erwartet eine Wiederöffnung der Speiselokale nicht vor Karneval 2021.
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Viele Remscheider hatten zum Fest auf ein bisschen Normalität gehofft.

Von Axel Richter

Remscheid. Zwischen 85 und 90 Reservierungen hatte Klaus Fischer über Weihnachten in den Büchern stehen. So viele Gäste hatten sich angesagt, um in seinem Hotel und Restaurant in Lüttringhausen mit der Familie zu speisen. Pro Tag. Am Donnerstag sagte der Gastgeber eine Reservierung nach der anderen ab. „Die Menschen sind enttäuscht“, weiß Klaus Fischer: „Sie hatten sich über die Feiertage auf ein Stück Normalität gefreut.“

Doch Normalität wird es in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr nicht mehr geben, denn. Stattdessen müssen sich die Remscheider über Weihnachten hinaus bis ins neue Jahr auf strenge Beschränkungen in der Corona-Pandemie einstellen. So werden die Restaurants in NRW nicht nur bis zum 20. Dezember, sondern darüber hinaus bis ins neue Jahr geschlossen bleiben. Auch an Silvester dürfen Gaststätten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen nicht öffnen. „Damit schaffen wir Klarheit für die Restaurants, für die Unternehmen, aber auch für jeden Einzelnen“, erklärte Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) nach dem Bund-Länder-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Ein Restaurant lässt sich nicht für ein paar Tage hoch und wieder herunter fahren.“
Markus Schmalbein, Wuppertaler Hof

Damit entfällt das Weihnachtsessen mit der Familie. Es entfällt unter anderem aber auch das Weihnachtskonzert am zweiten Feiertage im Teo Otto Theater wie auch der Auftritt des Zirkus Sonics gleichen Orts am Silvesterabend. „Das Programm wird nachgeholt“, verspricht Theaterleiter Lutz Heinrichs.

Im Krisenstab der Stadt Remscheid warten die Verantwortlichen unterdessen einmal mehr darauf, dass die Landesregierung die Vereinbarungen zwischen Kanzlerin und Landeschefs in geltendes Recht gegossen haben. Am heutigen Freitag kommen Gesundheits- und Ordnungsamt, Feuerwehr, Sana-Klinikum und weitere Stellen zusammen, um die Vorgaben des Landes auf Stadtebene umzusetzen.

Das gilt erneut für die Kontaktbeschränkungen bei Treffen von Freunden und Verwandten, für die Beschränkungen im Einzelhandel, Maskenpflicht in Schulen und für das Feuerwerk zu Silvester, für das der Krisenstab bislang keine weiteren Verbote vorgesehen hat.

Es gilt aber auch den nahenden Anfang vom Ende der Pandemie vorzubereiten. Bereits am Mittwoch sind im Rathaus die Vorgaben des Landes für das Impfzentrum eingegangen, das die Stadt errichten wird. Bis zum 15. Dezember soll es stehen. Als Impfbeginn war zunächst der 15. Januar genannt worden. Nun könnte früher begonnen werden. Sobald der Impfstoff der Firma Biontech zur Verfügung steht – von den rund 1,7 Millionen Dosen für NRW erwartet Remscheid in einer ersten Tranche 20 000 bis 25 000 – soll geimpft werden. Die Ärzte des Gesundheitsamtes und der Kassenärztlichen Vereinigung, die die Impfungen vornehmen sollen, stellt das für Herausforderungen, ebenso Feuerwehr, Polizei und die Apotheker, die den Impfstoff bei minus 70 Grad Celsius lagern sollen, bis er auf Normaltemperatur heruntergekühlt in zwei Impfgängen verabreicht werden kann.

Zunächst sollen solche Menschen immunisiert werden, für die ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht. Im Sommer sollen die meisten Remscheider dann geimpft sein und so etwas wie Normalität zurückkehren.

Darauf hofft auch Marcus Schmalbein, Chef im Hotel Wuppertaler Hof. Ihm ist der Ministerpräsident mit seiner Entscheidung am Donnerstag zuvorgekommen. „Ein Restaurant lässt sich nicht für ein paar Tage hoch- und dann wieder herunterfahren“, sagt er und hätte sein Haus in Lennep deshalb, aber auch aus Rücksicht auf die eigenen Mitarbeiter ohnehin über Weihnachten geschlossen gehalten.

Wie sein Kollege Klaus Fischer aus Lüttringhausen hat er mit 2020 abgeschlossen. Der Dank gilt den Stammkunden, die ihnen trotz allem die Treue hielten. „Wir werden wieder aufmachen“, versprechen die beiden Gastronomen und wissen zugleich: Für viele andere Kollegen gilt das nach diesem Jahr nicht.

Covid-19

Von 28 Covid-19-Patienten, die sich im Krankenhaus befinden, liegen neun auf der Intensivstation.

Wegen eines Infektionsfalles gingen am Donnerstag sechs Schüler der Alexander-von-Humbold-Schule in Qurantäne. Die Kita Am Schützenplatz musste schließen.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Remscheid? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Remscheid.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

Standpunkt: Eine Scheibe abschneiden

Von Axel Richter

axel.richter@rga-online.de

Das Infektionsgeschehen in Remscheid hat sich stabilisiert, allerdings auf hohem Niveau. Die Entwicklung entspricht dem bundesweiten Trend. Das gilt auch für die Intensivstation des Sana-Klinikums. Wie am Vortag vermeldet das Robert-Koch-Institut auch gestern: Alle 30 Intensivbetten, die das Krankenhaus vorhält, sind belegt. Neun davon mit Covid-Patienten. Das ist noch kein Grund zu übermäßiger Sorge. Das Klinikum kann bis zu sechs weitere Intensivbetten bereitstellen, zudem stellt das Solinger Krankenhaus den Remscheidern weitere Betten bereit, wenn die eigenen Kapazitäten nicht mehr ausreichen sollten. Zwar arbeitet unser Gesundheitssystem am Rande der Belastungsgrenze. Überlastet ist es noch nicht. Damit das so bleibt, haben Bund und Länder beschlossen, an den verschärften Corona-Maßnahmen festzuhalten. Wieder trifft es vor allem die Gastronomen und Kulturschaffenden. Umso bemerkenswerter ist es, wie großartig sie dabei die Fassung behalten. Es hilft ja alles nichts. Da müssen wir durch, lautet ihr Credo. Von so viel bergischer Unerschütterlichkeit kann sich manch ein anderer in diesen Zeiten eine Scheibe abschneiden.

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