Hochwasserkatastrophe

Nach der Flut: Gaststätte will wieder öffnen

  • Andreas Weber
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Rund um Wildschütz Aue ist Normalität eingekehrt – Dank an die Stadt Remscheid.

Remscheid. Heidi Kunkel-Armborst und ihr Mann Axel Armborst hatten Glück im Unglück. Ihr weitläufiges Grundstück am Wald und Morsbach versank über zwei Meter in einer reißenden, braunen Brühe, die Gartenhäuschen aus den Fundamenten hob, die Hütten teilweise auf Nimmerwiedersehen verschwinden und die drei Autos in den Garagen zu wirtschaftlichen Totalschäden werden ließ, vor allem aber im Keller nur Schrott hinterließ. Die Gaststätte Wildschütz Aue und ihr Wohnbereich blieben jedoch, weil höhergelegen, unversehrt. „Hauptsache gesund, das zählt“, sagt der 68-jährige Hausherr heute.

Das Leben des Ehepaares und ihre Mieter im Haus schränkte die Naturkatastrophe zwar nicht ein, die Aufräumarbeiten biegen aber erst nach einem Jahr auf die Zielgerade ein. „Es gab depressive Phasen, gerade nach der Flut, als die Frage anstand: Wo fangen wir in dem Chaos an?“, gesteht Heidi Kunkel-Armborst. Es waren Freunde des Hauses, die in die Hände spuckten. Nachbar Reiner Burke, einst gelernter Schreiner, baute zwei der Gartenlauben ab und Brett für Brett mit neuen Bodenplatten akribisch wieder auf. „Die vielen Helfer haben uns aus dem Sumpf gezogen“, sagen die Armborsts. Die ersten Monate verbrachten sie fast nur im Keller. Erst das Wasser rauspumpen, dann den Schlamm entfernen und trocknen. Fluthilfe-Organisator Horst Kläuser vermittelte ihnen drei Trockengeräte.

Die Bereitschaft zu helfen werden die Armborsts nie vergessen. Die „Helfende Hand“ um Heike Hartwich packte beim Saubermachen an und setzte einen 50 Meter langen neuen Außenzaun. „So schnell konnten wir nicht gucken, wie die losgelegt haben“, staunt Heidi Kunkel-Armborst. Die „Helfende Hand“ war ein leuchtendes Beispiel, aber das einzige aus Wuppertal, das den verzweifelten Menschen half. Offiziell liegt Rheinbach 6, die Adresse der Traditionsschenke, auf Wuppertaler Gebiet. Die Stadt Wuppertal sei jedoch ein Totalausfall nach dem 14. Juli gewesen, ärgern sich die Betroffenen. Anders Remscheid: „Die Technischen Betriebe waren permanent da, um den Müll abzuholen“, sprechen die Armborsts ein dickes Lob. 2000 Euro Soforthilfe, im Remscheider Rathaus überreicht, gab es für die Opfer auch, zudem Gutscheine über 2000 Euro für den Einkauf von Gartengeräten im Obi-Markt.

Die Armborsts hatten eine Elementarversicherung, auch eine für Hausrat. Bis zu 85 Prozent der Schadenssummen regulierte sie. Leider nicht die Kühlaggregate im Bierkeller. Auf der knapp fünfstelligen Investition dafür bleiben die Armborsts sitzen. Dass auch die drei neuen Öl-Tanks noch nicht geliefert sind, resultiert aus den bekannten Lieferengpässen. Aber es geht bergauf. Nach über zwei Jahren Pause will Wildschütz Aue in Teilzeit mittwochs, donnerstags, freitags (ab 17 Uhr) sowie samstags und sonntags zum Frühschoppen aufmachen. Bei der Frage nach der Wiedereröffnung ist der Wirt vorsichtig: „Zwei Termine musste ich schon verstreichen lassen, deshalb lege ich mich nicht fest.“

Rückblick: Auf die Flut folgte der Beistand

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