Stadtrundgang und kulinarische Genüsse

Lennep: Wo früher ein Rathaus stand, ist nun eine Toilette

Bärbel Vieler, Gisela Cürten und Johannes Cürten (v. l.) ließen sich die bergischen Tapas im „König von Preußen“ schmecken.
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Bärbel Vieler, Gisela Cürten und Johannes Cürten (v. l.) ließen sich die bergischen Tapas im „König von Preußen“ schmecken.

Lothar Vieler servierte Anekdoten zu bergischen Tapas im „König von Preußen“ - so können Interessierte die Röntgenstadt einmal anders kennenlernen.

Von Lena Spartaro

Remscheid. Vor 100 Jahren gab es sage und schreibe 56 Kneipen in Lennep. Heute sind nicht mehr viele übrig geblieben. Das und vieles mehr vermittelte Gästeführer Lothar Vieler seinem Publikum. An diesem Abend machte er sich mit 14 wissbegierigen Ausflüglern auf den Weg durch die historische Altstadt - und unternahm mit ihnen eine Reise in die Vergangenheit. Und wer könnte das besser als er? Schließlich ist Lothar Vieler nicht nur Geschichtsexperte, sondern vor allem Lenneper Urgestein und Gästeführer beim Gemeinschaftsprojekt „Bergisch Erlebnis“, das viele unterschiedliche Touren in der Region anbietet. Bei dem neuen Angebot „Bergische Tapas für Lennep-Freunde“ kombiniert er den Rundgang mit kulinarischen Genüssen. Denn er möchte die Röntgenstadt wieder etwas mehr in den Mittelpunkt rücken.

Der Abend im Schnee begann mit einem Spaziergang durch den historischen Stadtkern. Hier und dann blieb die Gruppe stehen und lauschte den Anekdoten und Fakten des Gästeführers. Die Tour gipfelte in einem gemütlichen Beisammensitzen mit bergischen Tapas im Restaurant „König von Preußen“ am Alten Markt.

Los ging es am Löwenbrunnen, dem „schönsten Fleckchen unserer lieben Stadt“, sagte Vieler. Vorbei an den alten Schieferhäusern der Altstadt führte der Weg zum Alten Markt und somit zum Herzstück der Altstadt. Von hier aus hatten die Zuhörerinnen und Zuhörer den besten Blick auf die evangelische Kirche. „Das ist eine der ältesten Predigerkirchen weit und breit. Die erkennt man an der besonderen Form der Kuppel“, erklärte der Gästeführer und ließ den Blick weiter schweifen: „Dort, wo heute nur noch eine öffentliche Toilette ist, stand früher das Rathaus von Lennep. Im Zweiten Weltkrieg ist das Gebäude leider vollständig zerstört worden.“ Scheinbar gibt es in der Altstadt kein Gebäude, dessen Geschichte Lothar Vieler nicht kennt.

Wer an Röntgens Geburtshaus vorbeigeht, soll pfeifen

Lothar Vieler zeigte auch alte Fotos von Lennep.

Im „König von Preußen“ angekommen, erwartete die hungrige Truppe bereits eine gedeckte Tafel mit traditionellem Essen. Sie bestand aus Brot mit Butter, Remoulade, Schweinskopfsülze und Griebenschmalz. Dazu servierte das Personal drei Gänge – mit Kartoffelpuffer und Lachs, Schnitzel und Bratkartoffeln sowie dreierlei Pfannkuchen. Zwischen den Speisen wurden alte, aber noch gut erhaltene Bilder herumgereicht, die unter anderem historische Gebäude und die ehemaligen Bewohner Lenneps zeigen. Die Teilnehmenden folgten interessiert den spannenden Geschichten des Hobbyhistorikers. Zum Beispiel erzählte er, dass die Altstadt die Kulisse für die Dreharbeiten zum Durbridge-Krimi „Das Halstuch“ lieferte. In der im Übrigen auch sein eigenes Fahrrad zu sehen war.

Gisela Cürten und ihr Mann Johannes erinnerten sich noch gut an das ehemalige Krankenhaus an der Hackenberger Straße, das heute als Seniorenresidenz genutzt wird. Dass das Hotel Berliner Hof 1911 noch „mit elektrischem Licht und Stallungen“ geworben hat, kann sich heute allerdings kaum noch jemand vorstellen. Einen Geheimtipp gab Lothar Vieler den Ausflüglern noch mit: „Wer am Geburtshaus von Wilhelm Conrad Röntgen vorbeigeht, soll laut pfeifen. Was dann passiert, wird euch beeindrucken.“

Mit einem Schmunzeln im Gesicht verriet seine Frau Bärbel Vieler: „Alte Geschichten zu sammeln, ist sein größtes Hobby. Sein Büro ist bis oben voll mit Büchern über das Bergische Land.“ Seine Heimatverbundenheit brachte den gebürtigen Lenneper immer wieder zurück in die alte Hansestadt, auch als er einige Jahre im Außendienst tätig war. Womöglich weiß er sein Zuhause gerade deswegen so zu schätzen. Mit dem Bergischen Heimatlied klang der Abend aus.

Nächste Termine

Geschichten und Tapas: Wer jetzt auch Lust bekommen hat, mitzugehen, hat am kommenden Donnerstag wieder Gelegenheit dazu: Startpunkt am 26. Januar ist um 18 Uhr der Löwenbrunnen, Kölner Straße 36. Kosten: 29 Euro. Anmeldung im Internet.

Bergisch Erlebnis: 2021 gegründet, besteht die Interessengemeinschaft mittlerweile aus 15 selbstständigen Gästeführern. Sie bietet Gästeführungen in Remscheid, Solingen und Wuppertal an. Neben Stadtführungen gibt es auch Bus- oder Fahrradtouren, Pilzwanderungen und Whisky-Tasting. Weitere Informationen und alle Termine gibt es hier: www.bergisch-erlebnis.de.

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