Mobilfunkabdeckung

Funklöcher: Benötigt Remscheid einen Mobilfunkbeauftragten?

Auch per Telefon versuchen es Betrüger.
+
Bereiche ohne Mobilfunkabdeckung sind in Remscheid auch im Jahr 2022 keine Seltenheit.

TBR-Ausschuss entwickelt die Idee eines Mobilfunkkoordinators.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Ob auf Teilen der oberen Allee, rund ums Rathaus oder auf einigen Abschnitten der Bahnlinie S 7 – Funklöcher, also Bereiche ohne Mobilfunkabdeckung, sind in Remscheid auch im Jahr 2022 keine Seltenheit. Die CDU hatte schon im März vorgeschlagen, diese Löcher mit Hilfe von TBR-Müllwagen aufzuspüren. Im zuständigen Betriebsausschuss wurde daraus nun die Idee, dass die Stadt einen Mobilfunkbeauftragten benötigt.

Ursprünglich hatten die Christdemokraten ein Konzept aus dem Kreis Coesfeld importieren wollen. Dort hat die Wirtschaftsförderung die Abfuhrfahrzeuge des örtlichen Entsorgers mit sogenannten Echtnetz-Boxen ausgestattet, die automatisch die jeweilige Netzabdeckung erfassen. Auf ihren täglichen Touren, so die Grundidee, fahren die Müllautos nahezu durchs ganze Kreisgebiet. Und decken so nach und nach die Funklöcher auf.

„Wenn Sie uns damit beauftragen, werden wir das machen“, sagte TBR-Chef Michael Zirngiebl den Ausschussmitgliedern, äußerste aber zugleich Zweifel am Sinn dieses Auftrages: „Bei uns ist das Thema falsch.“ Denn die Daten allein brächten ja gar nichts. „Irgendjemand muss mit diesen Informationen an die Mobilfunkanbieter herantreten, um mit denen zu verhandeln.“ Am besten ein speziell damit beauftragter Mitarbeiter der Stadtverwaltung, ein Mobilfunkbeauftragter. „Dafür gibt es sogar Fördermittel“, so Zirngiebl.

Christian Marré, als Gigabitkoordinator für den Glasfaserausbau in Remscheid verantwortlich, dürfe diese Aufgabe allerdings nicht übernehmen, betonte der TBR-Leiter. Marrés Stelle wird aus Fördermitteln finanziert, die dazugehörigen Regelungen schließen aus, dass er sich mit anderen Themen beschäftigt.

Nach kurzer Diskussion zog die CDU ihren Antrag zurück, Bernd Quinting als Sprecher seiner Fraktion kündigte allerdings an, dass man Zirngiebls Anregung gegebenenfalls für einen neuen Antrag aufgreifen würde - und die Stadt beauftragen wolle, die Möglichkeit eines Mobilfunkbeauftragten zu prüfen.

    Das müsste dann allerdings verhältnismäßig schnell gehen. Das im Juli 2021 aufgelegte Förderprogramm des Landes NRW für Mobilfunkkoordinatoren, mit dem auch bereits vorhandenes Personal bei Kommunalverwaltungen finanziert werden kann, läuft Ende des Jahres aus. Geld gibt es also nur, wenn ein entsprechender Antrag bis zum 31. Dezember bewilligt wurde. Dabei gelte es, die „Prüf- und Bewilligungsdauer der zuständigen Bewilligungsbehörde“ zu berücksichtigen, betont das Land.

Standpunkt von Sven Schlickowey: Kommune stopft Löcher

sven.schlickowey@rga.de

Ende der 90er Jahre wurde der Telekommunikationsmarkt in Deutschland liberalisiert. Seither haben wir es mit einer mannigfaltigen Anzahl privater Anbieter zu tun, statt mit der Behörde Bundespost. Dadurch, so versprach man uns damals, sollte alles besser werden. Heute haben wir Preise, die deutlich über denen für vergleichbare Tarife zum Beispiel in Skandinavien liegen, und eine Servicequalität, die selbst Behörden aus den 70ern peinlich wäre.

Außerdem Funklöcher mitten in der Remscheider City. Und was macht man in Deutschland, wenn der Markt es nicht gebacken bekommt? Man ruft nach der öffentlichen Hand. Also investieren wir Steuermittel, um herauszufinden, was die Mobilfunkanbieter längst wissen (müssten). Wieder einmal stopft die Kommune Löcher, die Bundes- und Landesgesetzgeber gerissen haben. Zumindest gibt es diesmal Fördermittel vom Land dazu. Wenn man schnell genug ist.

Passend zum Thema: 5G-Ausbau sorgt für Goldgräberstimmung

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Corona: In den Arztpraxen droht neues Ungemach
Corona: In den Arztpraxen droht neues Ungemach
Corona: In den Arztpraxen droht neues Ungemach
Frau (40) zerkratzt Autotür während Fahrer im Wagen sitzt
Frau (40) zerkratzt Autotür während Fahrer im Wagen sitzt
Frau (40) zerkratzt Autotür während Fahrer im Wagen sitzt
Lennep: Planer kosten 200.000 Euro
Lennep: Planer kosten 200.000 Euro
Lennep: Planer kosten 200.000 Euro
Kreutzer: „Manager ist kein Messias“
Kreutzer: „Manager ist kein Messias“
Kreutzer: „Manager ist kein Messias“

Kommentare