Meine erste Platte

Für seine Gäste legt er Singles auf

„Down Down“ ließ sich nicht mehr auftreiben, dafür andere Platten aus seinem Fundus: Dieter Hemkemeyer in seiner Kneipe. Foto: Roland Keusch
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„Down Down“ ließ sich nicht mehr auftreiben, dafür andere Platten aus seinem Fundus: Dieter Hemkemeyer in seiner Kneipe.
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Kremenholler Wirt war lange als DJ unterwegs – Dieter Hemkemeyer kaufte „Down Down“ mit 15

Remscheid. Ein Halleluja für drei Akkorde. Dieter Hemkemeyer eröffnete mit einem Klassiker der Boogie-Rocker Status Quo in seine Plattensammlung. „Down Down“, erschienen Ende 1974, erwarb der heute 61-Jährige im Jahr darauf als Single. „Es muss kurz vor meinem 16. Lebensjahr gewesen sein“, überlegt der Wirt des Gartenheims Kremenholl. Gehört hatte er den Stampfer im Radio. Wie damals üblich, hockte er in seinem Jugendzimmer am Honsberg mit den Fingern auf den Aufnahmetasten, um auf dem Cassettenrekorder mitzuschneiden.

Mit WDR 2 und SWF 3 kam die erste Erleuchtung, was musikalisch in den 70ern abging. Weil es in seinem Elternhaus keinen Plattenspieler gab, hatte sich Dieter Hemkemeyer fast zeitgleich mit „Down Down“ ein kleines Gerät zusammengespart, um seine Errungenschaft abspielen zu können.

Seine erste LP ging später auf das Konto seines Musikpädagogen an der Alexander-von-Humboldt-Realschule. Peter Scheller, dem Hemkemeyeattestiert, ein „Super-Lehrer“ gewesen zu sein, nahm nämlich Pink Floyd im Unterricht durch. „Und so habe ich mir ‘Wish you were here’ gekauft.“

Auch die Höllenglocken von AC/DC klingelten wohltönend in seinen Ohren. „Alle haben sie geliebt, da kam ich auch nicht dran vorbei.“ Grundsätzlich, sagt „Diddi“, sei er kein Hard- und Heavy-Freund gewesen. „Schlager war nicht mein Ding, aber ansonsten bin ich breit aufgestellt.“ Was sich darin ausdrückte, dass Hemkemeyer sich die „Hit Machine“ von Arcade leistete, ein Sammelsurium der größten Original-Charterfolge. Fetenkracher von Mud, Sweet, Suzie Quatro, T. Rex und Showaddywaddy zählten dazu.

Später legte er sie als professioneller Discjockey bei Festen jeder Art auf. Von 1998 bis 2010 war er mit seinem Partner Axel Manert meist an den Wochenenden als „Mobile Disco Diax“ unterwegs. „Axel war der absolute Musikkenner, ich habe mehr durch das Programm geführt“, sagt Hemkemeyer. Vinyl war bei den Fahrten zu Privatfeiern eine Belastung. „Man glaubt nicht, wie schwer solche Kisten beim Schleppen werden können. CDs waren schon eine deutliche Erleichterung.“

Vor elf Jahren hörte er als Unterhalter auf, nachdem er zuletzt seine Tochter Nina beim Auflegen an seiner Seite gehabt hatte. Vor seiner Zeit als DJ war Dieter Hemkemeyer 28 Jahre als Elektriker im Alexanderwerk beschäftigt und danach im An- und Verkauf und mit Versicherungen selbstständig. 2013 übernahm zunächst seine Ehefrau Rita die Gaststätte in der Kleingartenanlage Kremenholl, bevor Dieter die Verantwortung übernahm. 43 Parzellen hat die Anlage, Hemkemeyer ist ihr Vorsitzender. Und er sorgt mittwochs, freitags und sonntags für die Gastro in dem Heim.

Dort stehen auch seine beiden Plattenspieler. „Nichts Teures und Neues, aber es reicht“, sagt er. Gefüttert werden sie ab und zu mit Singles. Die LPs hat er alle nach Beendigung seiner DJ-Laufbahn verkauft („Eigentlich bin ich kein Sammler“), 200 alte Singles ruhen noch bei ihm im Keller. Einmal im Jahr packt er sie aus, wenn es im Gartenheim heißt: „Hör Deinen Song“.

Hemkemeyer legt seine Oldies auf und die Gäste dürfen drei eigene Scheiben ihrer Wahl mitbringen. „Es gibt gerade heute immer mehr Leute, die auf das Knacken und Kratzen in der Plattenrille stehen.“

2019 fand der Mottoabend am Mühlenteich 10 zum letzten Mal statt. Wann es weitergeht? Nach einem Jahr Nichtstun ist Hemkemeyer ratlos, weil, wie alle Gastronomen, perspektivlos. „Die nächsten sieben, acht Monate könnte ich wohl noch ohne Öffnung irgendwie überstehen. Die Frage ist nur, ob ich es wirklich will.“ Der Wille dazu schwinde. „Mit jedem Monat Warten, nimmt die Lust ab.“

Viel hat er in seinem Leben gemacht, als Wirt würde er gerne in Rente gehen. Im besten Fall kommt der Ruhestand erst in ein paar Jahren für ihn. Das wäre sein Wunsch, denn: „Es steckt zu viel Herzblut in unserer Gaststätte.“ Ein Satz, der die Chancen erhöht, dass sich im Gartenheim Kremenholl noch so manches Mal der Plattenteller bei „Wünsch-Dir-Was“-Abenden dreht.

Dartsport bildet einen Schwerpunkt

Seit Anfang 2020 läuft im Gartenheim Kremenholl, das den Beinamen „Bei Diddi – öffentliche Gaststätte für jedermann“ trägt, nichts mehr. Corona hat die Gastronomie ausgeknockt. Auch am Mühlenteich 10, so die offizielle Adresse, muss Dieter Hemkemeyer auf seine Stammgäste verzichten, von denen die wenigsten aus der Kleingartenanlage mit ihren 43 Parzellen stammen. Einen Schwerpunkt hat die Gastro mit dem überdachten Wintergarten beim Dartsport gesetzt. Fünf Mannschaften treffen sich hier in normalen Zeiten wöchentlich.

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