Bühne

„Früher waren Bürgerrechtler unterwegs - heute rechte Bürger“

Bissig: Gregor Pallast traf auf dankbare Zuhörer. Foto: Roland Keusch
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Bissig: Gregor Pallast traf auf dankbare Zuhörer.

Unterhaltsamer Abend im Rotationstheater: Kabarettist Gregor Pallast nimmt Querdenker, Donald Trump und den Brexit aufs Korn.

Von Sabine Naber

Gregor Pallast deckt Schwächen auf der politischen Bühne auf, analysiert die Gesellschaft, ist satirisch, bissig und bringt sein Publikum zum Lachen. Das kam an im gut besuchten Rotationstheater. Ansichtssache heißt sein aktuelles Programm.

Zurzeit seien die Straßen in Deutschland voller Demonstranten, stellte der Kabarettist fest. Gefühlt würde uns das in die 80er Jahre zurückführen, sagt Pallast: „Aber damals waren die Bürgerrechtler unterwegs. Heute die rechten Bürger. Ich frage mich, wie viele Nazis eigentlich noch mitmarschieren müssen, damit die Querdenker Abstand halten.“

Doch ein Populist schaffte es schon bis ins Weiße Haus. „Als ich zum letzten Mal auf einer Bühne stand, da hieß der amerikanische Präsident noch Trump“, erklärte Pallast. Damals habe es noch „America first“ geheißen. „Für uns in Deutschland ist das als Slogan ja nicht neu. Wir hatten zu dem Thema mal eine ganze Strophe in unserer Hymne. Und dann kamen die Amerikaner und haben sie uns verboten.“

Dass Optimismus oft zu einer Typ-Frage hochstilisiert würde, machte er an einem praktischen Beispiel klar. Kaum sage jemand, das Glas sei halbvoll, schon werde er Optimist genannt. Aber eigentlich sei das eine Frage der Umstände - des Zeitpunkts. „Wenn Sie sich heute Abend ein Glas Wasser gekauft haben und durstig waren, dann war das vor Beginn des Programms vielleicht schon halbleer. Wenn Sie dann nicht weitergetrunken haben, ist dasselbe Glas jetzt noch halbvoll. Fühlt sich anders an, macht Sie aber nicht optimistischer“, erklärte Pallast.

Man könne sich das Leben leichter machen, wenn man sich nicht mit den falschen Leuten vergleicht. In den 50er Jahren hätten beispielsweise ein Kühlschrank, eine Waschmaschine und ein Fernseher ausgereicht, um sich wie ein König zu fühlen. Das reiche heute dafür längst nicht mehr aus. „Die waren damals nicht genügsamer als wir, aber man war mit Kühlschrank und Fernseher mit Blick auf die Nachbarschaft schon ganz vorne mit dabei. Und ganz wichtig, es ging aufwärts. Das ist wahrscheinlich noch wichtiger als die Frage, wie viel in so einem Glas wirklich drin ist. Es wurde nachgeschenkt. Und je weniger drin ist, desto mehr freut man sich doch, wenn nachgeschenkt wird.“

Thema auch der Brexit: Pallast nennt als Gründe, dass den Engländern zu viele Menschen von außen gekommen seien, zu viele von ihrem Wohlstand profitieren wollten. Und der dritte Grund sei: „Das Ausland redet uns in unsere Innenpolitik rein. Ein interessanter Vorwand für eine ehemalige Kolonialmacht.“

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