Historisches Foto

Wer ist hier der Hausherr?

Dieses mehrstöckige Gebäude lässt sich bestimmt leicht identifizieren. Es ist bis heute so an seinem Platz. Der Hausherr, der vor drei Jahren 100sten Geburtstag feierte, hatte einen großen Anteil an der Stadtentwicklung. 
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Dieses mehrstöckige Gebäude lässt sich bestimmt leicht identifizieren. Es ist bis heute so an seinem Platz. Der Hausherr, der vor drei Jahren 100sten Geburtstag feierte, hatte einen großen Anteil an der Stadtentwicklung. 

RGA-Rätselfoto zeigte die Bismarckstraße, diese war einst die Einkaufsmeile im Südbezirk. Die Villa Arns musste nach heftiger Debatte dem Kaufpark weichen.

Von Andreas Weber

Blick die Bismarckstraße runter zur Eisenbahnunterführung vom Abzweig Rosenhügeler Straße.

Südbezirk Rolf Kaufmann hat einen Großteil seines Lebens in der Bismarckstraße verbracht. „Vor und nach dem Krieg war es die Einkaufsmeile des Südbezirks“, urteilt er. „Vom Anfang der Burger Straße, die in meinem Geburtsjahr 1934 Kölner Straße hieß, bis zur Unterführung gab es eine Vielzahl von Geschäften und Unternehmen, die dem täglichen Bedarf dienten. Einzelhändler, Dienstleister, Ärzte, Apotheken fand man hier.“

Kaufmanns Elternhaus stand in der Burger Straße 8, sein Kindergarten war am heutigen Vaillantplatz. Am Zentralpunkt, wo der RGA-Fotograf das Foto schoss, eröffnete Kaufmanns Großvater 1886 einen Friseursalon, den Rolf Kaufmann von 1959 bis 1997 in dritter Generation führte.

Auch Paolo Miola erinnert sich mit Wehmut: „In den 70er-Jahren war diese Straße voller Leben. Es gab viele kleine Fachgeschäfte und Bäckereien. Hier ist heute das vorherrschend, was ich schon mal am Zentralpunkt kritisiert hatte: der Verfall – nicht nur der Gebäude und Qualität der Läden, sondern auch der Sitten.“

Früher war sie eine Einkaufsmeile, heute ist die Bismarckstraße eine vielbefahrene Durchgangsstraße im Südbezirk.

Gudrun Matuschzik, die damals in Neuenhof lebte und in der Bismarckstraße einkaufte, bestätigt: „Alle Artikel für den täglichen Gebrauch waren da zu bekommen.“ Vom Bäcker über Metzger bis Uhren, Schmuck und Schirmgeschäft sei alles vertreten gewesen. In guter Erinnerung ist ihr besonders Feinkost Kotthaus geblieben. Zum Handweiser, wie der Zentralpunkt genannt wurde, lief sie, weil Sparkasse und Post dort waren.

Stellvertretend für die Vielfalt nennt Thorsten Wolff: „Links fällt der Blick auf das Stammhaus der Bäckerei Dopheide, die später eine Filiale am Ambrosius-Vaßbender-Platz in Alt-Remscheid eröffnete. Heute ist die Bäckerei auf der Bismarckstraße lange geschlossen und die ehemalige Filiale die einzige Verkaufsstelle der Bäckerei Dopheide. Ich habe die Bäckerei am Zentralpunkt als richtiges Familienunternehmen erlebt, wo von der Großmutter bis zur Enkelin alle mitarbeiteten.“

Birgit Völpel denkt an die Zeiten als Schülerin im Leibniz-Gymnasium: „Ab und zu bin ich zu Fuß von da nach Hause in die Burger Straße gelaufen.“ Immer mit einem Blick in die Schaufenster auf der Bismarckstraße. „Da habe ich mein erstes Paar Ohrclips in einem kleinen Laden gekauft. Die saßen so eng, dass ich sie bald darauf weg getan habe.“ An der Mauer an der Unterführung habe „Petra ich liebe dich“ gestanden. „Das steht übrigens immer noch da. Ich frage mich bis heute, wer diese Petra war.“

Peter Peppinghaus wohnte lange bei seinen Eltern in der Bismarckstraße 138 und wuchs dort auf in dem Haus, in dem das WTT sein Domizil hat und ein Gemüsehändler war. Einen sehr persönlichen Bezug hat auch Angelika Jorde: „Auf der linken Seite ist das WTT, da war die Metzgerei Haefs. In diesem Gebäude hatte ich über 20 Jahre meine Fußpflegepraxis. Rechts ist jetzt das altengerechte Wohnen, der Bismarckhof.“

Stephan Schmitz verweist auf den Bau der Unterführung: „Sie wurde 1896 mit dem Um-/Ausbau der Bismarckstraße geplant und 1901 fertiggestellt. Ab 1900 konnte die erste Straßenbahn auf der neuen Strecke fahren. Deren Ende wurde am 10. April 1969 mit der letzten Fahrt eingeläutet.“

Rechts unten ist die Villa Arns zu erkennen. „Um deren Abriss gab es 1982 heftige Debatten. Alle Proteste blieben vergebens und die in die Jahre gekommene Villa musste dem Neubau des Kaufparks und einer Diskothek weichen“, berichtet Schmitz. Diese musste zudem dem „Überflieger“ (Birgderkamper Brücke) zur Neuenkamper Brücke (B 229) weichen, ergänzt Dieter Prill und nennt als weiteres Detail: „Auf dem ehemaligen Gelände des Stahlwerkes Arns an der Industriestraße ist heute Obi beheimatet.“ Stephan Schmitz denkt an der Ecke zur Ladestraße an das Hochhaus, in dessen Ladenbereich das Gardinengeschäft Knief heimisch war und die damals berüchtigte Lkw-Bodenwaage. „Diese war ein Albtraum für viele Kraftfahrer. Mancher Spediteur musste nach Überprüfung ein Strafgeld wegen Überladens bezahlen.“

Richtig lagen mit ihrer Antwort auch Roland Benscheid, Ellen-Barbara Flüs, Helmut Schucht, Frank Secchi, Wolfgang Kunze, Dr. Michael Wehner, Kay Durach, Volker Hebda, Klaus Köhn, Ernst Erdmann, Gisela Grabowski, Ulrich Hager, Wolfram Heinrichs, Torsten Saager.

Das neue Rätsel

Dieses mehrstöckige Gebäude lässt sich bestimmt leicht identifizieren. Es ist bis heute so an seinem Platz. Der Hausherr, der vor drei Jahren 100sten Geburtstag feierte, hatte einen großen Anteil an der Stadtentwicklung. Schicken Sie Ihre Lösung bis 23. Dezember, gerne verbunden mit Ihren persönlichen Anekdoten, an den Remscheider General-Anzeiger (RGA), Alleestraße 77-81, 42 853 Remscheid; oder per Mail an: redaktion@rga.de

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