Remscheider sterben überdurchschnittlich häufig an Krebs

Frühe Krebs-Diagnose steigert die Heilungschanchen

Teinahmequote an gesetzlichen Screeningprogramme zur Krebsvorsorge.
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Teinahmequote an gesetzlichen Screeningprogramme zur Krebsvorsorge.

Onkologie-Report zeigt: Ärmere Menschen erkranken eher an Krebs.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Remscheiderinnen und Remscheider sterben überdurchschnittlich häufig an Krebs, das zeigte eine Studie der AOK bereits vor zwei Jahren. Vor allem bei Brust- und Prostatakrebs verzeichnete die Stadt traurige Spitzenwerte. Nun stellt der neue Onkologie-Report der Krankenkasse erstmals einen Zusammenhang zwischen Einkommen und Krebs her. Und zeigt, dass die Remscheider vergleichsweise häufig Krebs-Früherkennungsuntersuchungen nutzen.

So nehmen zum Beispiel in Remscheid 58 Prozent der berechtigten Frauen zwischen 50 und 69 Jahren am Mammografie-Screening teil – einer der höchsten Werte im Rheinland. Die 21 Prozent der männlichen Remscheider ab 45 Jahre, die die urologische Früherkennung nutzen, liegen zwar sehr viel niedriger, sind aber trotzdem einer der besseren Werte in der Region. Solinger (20 Prozent) und Wuppertaler (18,2) gehen beispielsweise seltener vorsorglich zum Urologen. Auch beim Hautkrebs-Screening hat Remscheid mit einer Teilnahmequote von 34,3 Prozent einen sehr guten Wert, nur Aachen (37,2) steht im Rheinland besser da.

Doch die Zahlen sind auch nur im Vergleich mit anderen Städten gut. „Der Großteil der Versicherten nutzt die gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramme nicht oder zumindest nicht im empfohlenen Zeitraum“, ist dem Report zu entnehmen. Dabei steigere eine frühzeitige Diagnose die Heilungschance.

Onkologie-Report zeigt Phänomen auf: Menschen mit geringerem Einkommen sind stärker von der Krankheit betroffen

Dabei beziehen sich die Werte in der Regel auf die Versicherten der AOK Rheinland-Hamburg. Die Studie bildet also nicht die Gesamtbevölkerung ab, aufgrund der hohen Zahl der AOK-Mitglieder dürften die Zahlen aber annäherend repräsentativ sein. Im bergischen Städtedreieck zählt die Krankenversicherung nach eigenen Angaben rund 220 000 Mitglieder. Als Vergleichsgröße dienen jeweils die insgesamt etwa drei Millionen Versicherten der Kasse, die überwiegend im Rheinland und in Hamburg leben.

Und unter diesen zeigt der Onkologie-Report ein Phänomen, das auch von anderen Krankheiten bekannt ist: Menschen mit geringerem Einkommen sind stärker betroffen. „Die individuellen Gesundheitschancen haben maßgeblichen Einfluss auf den Zeitpunkt der Krebsentstehung“, schreiben die Autoren der Studie: „Männer und Frauen mit niedrigem sozialen Status erkranken durchschnittlich sieben Jahre früher als Männer und Frauen mit höherem sozialen Status.“

Erkranken zum Beispiel Rentner mit maximal 800 Euro Altersbezügen monatlich an Darmkrebs, passiert dies im Schnitt im Alter von 71,3 Jahren. Rentnern mit Einkommen über 1600 Euro ereilt dieses Schicksal im Schnitt mehr als sechs Jahre später. Bekommen Rentnerinnen Brustkrebs, sind ärmere (72,8 Jahre) durchschnittlich deutlich früher dran als wohlhabende (80,4 Jahre).

Diese Auswertung lege nahe, dass sich durch den Abbau sozialer Ungleichheit die Entstehung von Krebs hinauszögern ließe, schlussfolgert die Studie. Denn nur etwa fünf bis zehn von 100 Erkrankungen seien erblich bedingt. „Krebs wird vor allem durch externe Faktoren ausgelöst.“ Dazu gehöre insbesondere ein ungesunder Lebensstil. So gebe es unter Menschen mit niedrigerem Einkommen statistisch betrachtet mehr Raucher. Außerdem würden sie seltener Sport treiben und sich ungesunder ernähren.

Krebsvorsorge

Aktuell gibt es in Deutschland fünf Screening-Angebote, die von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt werden:

Zum Mammografie-Screening werden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre schriftlich eingeladen.

Bei der gynäkologischen Früherkennungsuntersuchung können sich Frauen ab 20 Jahren einmal pro Jahr auf Gebärmutterhalskrebs untersuchen lassen, ab 30 Jahre wird die Brust abgetastet, ab 35 Jahre gibt es alle drei Jahre ein kombiniertes Zervixkarzinomscreening, bestehend aus zytologischer Untersuchung und HPV-Test.

Die urologische Früherkennungsuntersuchung für Männer ab 45 Jahre soll Prostatakrebs vorbeugen.

Die Darmkrebsfrüherkennung ist für Männer (ab 50 Jahre) und Frauen (ab 55) gedacht, insgesamt besteht Anspruch auf zwei Koloskopien, alternativ sind Stuhltests möglich.

Das Hautkrebs-Screening können Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre beim Haus- oder Facharzt in Anspruch nehmen. Dies kann auch im Rahmen des Check-up erbracht werden.

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