Wirtschaft

Friseure leiden unter den hohen Kosten

Sie machen auf die Probleme der Friseur-Innung aufmerksam: Mike Engels, Ingo Lanowski, Gudrun Sommerkorn und Fred Schulz. (v.l.n.r.)
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Sie machen auf die Probleme der Friseur-Innung aufmerksam: Mike Engels, Ingo Lanowski, Gudrun Sommerkorn und Fred Schulz. (v.l.n.r.)

Durch höhere Preise bleiben immer mehr Kunden aus. Gefordert wird eine Senkung der Mehrwertsteuer.

Von Sabine Naber

Remscheid. Dass der Friseurbesuch künftig deutlich teurer werden wird, davon gingen gestern Mittag beim Pressegespräch in den Räumen der Kreishandwerkerschaft alle Beteiligten aus. Eingeladen dazu hatten Remscheids Obermeisterin Gudrun Sommerkorn und der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Fred Schulz, um auf die Sorgen und Nöte des Friseurhandwerks hinzuweisen.

„Der gestiegene Mindestlohn, Kosten für Material, Miete und nicht zuletzt der Mehraufwand für die Energie – wie hoch der letztlich sein wird, das wissen wir ja noch gar nicht – bringen uns in eine bedrohliche Situation“, fasst es Ingo Lanowski, stellvertretender Verbandsvorsitzender und Obermeister der Friseur-Innung Hamm zusammen. Um eine Preissteigerung von rund 25 Prozent würde man zukünftig wohl nicht herumkommen. Die aber könne nur Zug um Zug umgesetzt werden, und einige Kunden würden sich den Friseurbesuch dann wohl nicht mehr so häufig leisten können. „Wir fordern deshalb von der Bundesregierung eine Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent.“ Diese staatliche Unterstützung würde in etwa den Umsatzeinbruch von 11,7 Prozent durch die Corona-Pandemie in Nordrhein-Westfalen ausmachen. „Aber da will die Politik nicht dran“, wissen Lanowski und Mike Engels, der Vorsitzende des Wirtschafts-, Tarif- und Sozialausschusses des Friseur- und Kosmetikverbandes NRW. Sie haben sich bereits an Finanzminister Christian Lindner gewandt und eine Petition an Bundes- und Landtagsabgeordnete geschickt. Es habe Resonanzen gegeben, aber keine Zusagen.

Friseurbetriebe seien lohnintensiv. Von 10,10 Euro Mindestlohn für einen Gesellen beim Einstieg in den Beruf sei man inzwischen bei 12,65 Euro angelangt. Durch die neuen Lohntarife in NRW seien das 25,2 Prozent mehr Kosten. „Einige Kunden haben ihr Verhalten verändert. Stammkunden brechen weg, und die Intervalle zwischen den Besuchen bei uns verlängern sich“, macht Gudrun Sommerkorn deutlich. Durch Corona seien die Friseurgeschäfte schwer gebeutelt worden. Und rund 95 Prozent der Soforthilfen, die in dieser Zeit bezahlt wurden, müssten jetzt bis Juni des nächsten Jahres zurückgezahlt werden. „Deshalb erwarten wir von der Politik, dass man uns jetzt unterstützt. Während der Coronazeit galten wir als systemrelevant. Das Ansehen von uns Friseuren war gestiegen. Diesen Stellenwert wünschen wir uns zurück“, sagt Lanowski.

Friseurbetriebe finden immer weniger Auszubildende

Einig war man sich, dass auch die sogenannten Mikrobetriebe, die – wenn sie nicht mehr als 22 000 Euro im Jahr verdienen, keine Umsatzsteuer zahlen müssten – die existenzbedrohliche Situation der innungsgeführten Friseurbetriebe nicht einfacher machen. Sie seien meist Solobetriebe und würden keinen Nachwuchs ausbilden. Auch Schwarzarbeit würde voraussichtlich zunehmen. „Wir haben 30 Mitgliedsbetriebe in Remscheid, die die Organisation finanzieren. Zwei Friseurgeschäfte sind geschlossen worden, die anderen kämpfen noch“, fasst Fred Schulz die Situation zusammen. „Die vielen Barber-Shops machen uns auch Sorgen. Sie dürfen ja eigentlich nur Bärte schneiden und bis zu den Koteletten arbeiten“, weiß die Obermeisterin, die selbst regelmäßig ausbildet und gerade ihren Azubi übernommen hat.

Die Ausbildung im Friseurhandwerk sei seit Jahren rückläufig. Zwischen 2019 und 2021 seien es 20 Prozent weniger gewesen. Trotzdem sei immer noch ein Viertel aller Auszubildenden in NRW im Friseurhandwerk beschäftigt. Und die Zahl der männlichen Azubis sei inzwischen auf gut 30 Prozent gestiegen. „Wir bemühen uns in unserer umfangreichen Ausbildung ja auch um Integration“, machte Lanowski deutlich.

Steuersenkungen

Die Friseurinnungen fordern von der Bundesregierung, die Mehrwertsteuer auf Friseurdienstleistungen von 19 auf sieben Prozent zu senken. Die Kunden sähen, dass alles teurer wird, jetzt sei die Politik am Zug. Die enorm steigenden Kosten für Energie, Löhne und Material könnten so am ehesten kompensiert werden. Ein großes Plus sei der Zusammenhalt des Friseurhandwerks gewesen, man habe Lobbyarbeit betrieben.

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