Hitzewelle

Geschlossen am heißesten Tag des Jahres: Freibad Eschbachtal kann nicht flexibel öffnen

Sie waren die ersten Besucher gestern am Tor und standen bereits eine Stunde vor der Öffnung an: Lisa Styra (l.) mit Lina (3) und Freundin Yasmin Buckisch.
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Sie waren die ersten Besucher am Mittwochmorgen am Tor und standen bereits eine Stunde vor der Öffnung an: Lisa Styra (l.) mit Lina (3) und Freundin Yasmin Buckisch.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Wegen Personalnot bleibt es im „Eschi“ bei den Öffnungszeiten von mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

Remscheid. Eigentlich schreibt er nie etwas auf Facebook. Doch am Dienstag, am bislang heißesten Tag des Jahres, war es so weit: Schwimmmeister Dennis Halbach (41) reagierte auf den Shitstorm, der im Internet auf das Freibad-Team niederprasselte. Denn das Freibad Eschbachtal blieb an diesem Tag zu, so wie auch sonst montags und dienstags – zum Leidwesen von vielen Daheimgebliebenen, die in diesen Ferientagen unter der Hitze ächzen. Grund ist die veraltete Pumpentechnik und die Personalnot. Am Dienstag wichen die Badegäste daher aufs H2O aus. Die Folge: Der Ansturm war so groß, dass das Hallenbad mittags die Tür schloss.

Sie freuen sich über einen schönen Ferientag im Freibad Eschbachtal: Famile Kanehl aus Remscheid erfrischt sich im Nichtschwimmerbecken.

Der Frust war entsprechend groß. Er entlud sich in einer hitzigen Internetdebatte. Schwimmmeister Dennis Halbach konnte nicht mehr an sich halten und antwortete mit seinem privaten Account. „Das ist wirklich nicht schön“, sagt er. „Wir hätten auch lieber aufgemacht, aber es geht einfach nicht“, erklärt er. Es sei nicht möglich, flexible Öffnungszeiten anzubieten. Auch dann nicht, wenn am Wochenende zum Beispiel schlechteres Wetter, es dafür montags und dienstags aber sonnig ist. Das Bad bleibt zu. Warum? „Wir haben einen festen Dienstplan, der mit Vorlauf von der Stadt Remscheid abgesegnet werden muss. Und egal, für welche Tage wir uns entscheiden – es ist ja eigentlich immer falsch.“ Mal so, mal so zu öffnen, sorge nur für Verwirrung. Dann lieber grundsätzlich mittwochs bis sonntags.

Personalnot im Freibad Eschbachtal ist weiter groß: “Sommerurlaub kennen wir nicht“

Das größte Problem ist die Personalnot. Dennis Halbach und Marc Ottenströer schmeißen den Betrieb als verantwortliche Schwimmmeister allein. Montags und dienstags wechseln sie sich mit den Reinigungsarbeiten ab. Gearbeitet wird hier also immer. „Wenn einer von uns krank wird, müssen wir schließen“, macht Halbach deutlich. „So etwas wie Sommerurlaub kennen wir nicht.“

Das Team arbeitet am Limit. Weil eigentlich gar keine neue Saison mehr geplant war, weil das Freibad groß umgebaut werden sollte, wurde die Stelle von Jürgen Beelte erst mal nicht mehr nachbesetzt. Erst zum Herbst soll das passieren. Die Folge: weniger Hände, die jetzt anpacken können. Auch von der Arbeit Remscheid helfen derzeit weniger 1-Euro-Kräfte aus als üblich. Es fehlen überall Leute. „Ohne unsere Jungs von der Arbeit Remscheid würden wir es nicht schaffen“, sagt Halbach. Denn nach Badeschluss ist noch längst nicht Schluss: Müll aufsammeln, Klos putzen, Rasen mähen. Allein die Spülung der drei vier Meter hohen Filter nimmt drei Stunden Arbeit in Anspruch – alles Handarbeit.

Security schlichtet im Freibad Eschbachtal kleinere Streitereien

Plus Security. Mustafa Öz und sein Kollege von der SNS Security aus Schwelm schlichten nicht nur kleinere Streitereien, sondern helfen auch am Kassenbereich, wenn es unschön werden sollte. Vor allem, falls die Kapazität von 1500 Badegästen gleichzeitig erreicht ist. Dann wird das Tor geschlossen und es darf immer nur einer rein, einer raus. „Da viele Familien herkommen, kommt es eigentlich nie zu größeren Auseinandersetzungen. Da haben wir schon ganz andere Szenen in anderen Bädern erlebt“, sagt Öz.

Evangelos Gkioxis vom Kiosk bereitet sich bereits seit 8.30 Uhr auf den Ansturm vor. Hier belegt er gerade Thunfisch-Sandwiches. Die sind neben Pommes der Renner.

An diesem Mittwoch, am ersten Öffnungstag der neuen Woche, stehen die Menschen bereits um 9.45 Uhr Schlange. Lisa Styra wartet mit ihrer Tochter Lina (3) und ihrer Freundin Yasmin Bukisch seit einer Stunde vor dem Tor. Sie wollen sich den besten Platz angeln. „Letzte Woche ging die Schlange bis zum Parkplatz“, erzählt Styra. Als schließlich das Tor aufgeht, herrscht freudige Erwartung bei den Badegästen, die vollgepackt mit Kühltaschen, Handtüchern und Klappstühlen kommen. Denn im 25 Grad kalten Wasser lässt sich die Hitze wunderbar aushalten.

Immerhin ist die Öffnung mittwochs bis sonntags 10 bis 18 Uhr bis zum Ende der Saison Ende August auch wegen der 20 Rettungsschwimmer gesichert, sagt Halbach.

Hier liegt einer der Knackpunkte: Schwimmmeister Dennis Halbach im Pumpenkeller. Die Technik ist veraltet, das System schafft nicht mehr die Leistung wie früher.

Öffnungszeiten, Preise und Regeln

Öffnungszeiten: montags und dienstags geschlossen, mittwochs bis sonntags 10 bis 18 Uhr.

Eintrittspreise: Kinder 2,50 Euro, Erwachsene
4 Euro, Familienkarte
10,50 Euro pro Tag.

Regeln: Alkohol- und Drogenverbot. Kinder unter 10 nur in Begleitung eines Erwachsenen. Kinder von 10 bis 14 nur mit Deutschem-Jugend-Schwimmpass Bronze – oder in Begleitung. 1500 Gäste dürfen gleichzeitig hinein.

Sonstige Preise: Liegen kosten 3 Euro plus 10 Euro Pfand, eine kleine Pommes mit Majo 2,80 Euro, Currywurst 3,30 Euro, Cola 0,5 l
3 Euro, Slushi 3 Euro.

Standpunkt von Melissa Wienzek: Dankbar sein

melissa.wienzek@rga.de

Natürlich ist es blöd, wenn man mit aufgeheiztem Kopf Abkühlung sucht, aber das Freibad am heißen Tag geschlossen ist. Den Frust der Familien, die vielleicht auch wegen knapper Kassen in der Krise zu Hause bleiben, kann man schon nachvollziehen. Dennoch ist das kein Grund für einen beleidigenden Shitstorm im Internet. Man muss es mal sagen: Wir können froh sein, dass das Freibad überhaupt in dieser Saison öffnet. Manche Städte öffnen erst gar nicht in der Krise.

Eigentlich ist der Betrieb so schon nicht mit zwei Hauptamtlichen zu stemmen, war er schon mit dreien nicht. Dennoch hat Schwimmmeister Dennis Halbach zuletzt noch die Öffnungszeiten erweitert: von 12 auf 10 Uhr. Weil er als Familienvater die Bedürfnisse kennt. Mehr geht jedoch nicht. Wenn einer der Schwimmmeister ausfällt (Corona?), war es das. Auf Zeit mit ihrer eigenen Familie und Sommerurlaub verzichten sie ohnehin, damit alle anderen zumindest ein paar Tage ins Freibad können.

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