Eschbachtal

Freibad kämpft weiter gegen Personalnot

Rettungsschwimmerin Nele Krüger (19) aus Hückeswagen an ihrem ersten Tag im Freibad: Sie freut sich über den Ferienjob.
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Rettungsschwimmerin Nele Krüger (19) aus Hückeswagen an ihrem ersten Tag im Freibad: Sie freut sich über den Ferienjob.
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Sportamtschef bringt mehr Hauptamtliche für die Zeit nach dem Umbau ins Spiel.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Endlich schmeckt das Eis so richtig und die Jeans bleibt im Schrank: Es ist Sommer im Bergischen. Am Montag starten die Schulferien - aber das Freibad Eschbachtal bleibt zu. Zumindest tageweise. Wegen der veralteten Pumpentechnik und wegen akuter Personalnot muss das älteste Binnenfreibad Deutschlands aktuell bis auf Weiteres montags und dienstags geschlossen bleiben. Auch in den Ferien. Das dürfte viele daheimgebliebene Familien wohl traurig stimmen.

Denn nachdem Freibad-Urgestein Jürgen Beelte in den Ruhestand gegangen ist, sichern die Schwimmmeister Daniel Halbach und Marc Ottenströer den Betrieb der idyllischen Anlage allein. Sie müssen sich auch die nächsten zwölf Wochenenden immer abwechseln - kaum auszudenken, wenn einer von beiden ausfiele. Zudem fehlen nach wie vor Rettungsschwimmer. „Früher hatten wir einen Pool von 30, auf die wir zurückgreifen konnten, jetzt sind wir bei 15“ , sagt Sportamtsleiter Martin Sternkopf.

Und dabei benötigt das Freibad ungefähr das Doppelte. Denn die Aushilfskräfte werden im Schichtdienst eingesetzt: sechs Stunden am Tag an den fünf Öffnungstagen Mittwoch bis Sonntag. „Deshalb brauchen wir so viele“, erklärt Sternkopf. Sie werden auf 450-Euro-Basis oder im 70-Tage-Modell angestellt. Und: Auch wer noch kein Rettungsschwimmer ist, kann mitmachen. Denn die Stadt finanziert sogar die Rettungsschwimmerausbildung bei der DLRG. Immer wieder hatte die Stadt auf ihren Kanälen und im RGA für den Aushilfsjob geworben. Doch bislang griffen nur wenige zum Hörer.

H2O und Freibad Eschbachtal arbeiten Hand in Hand

Ein Problem, mit dem alle Bäder in ganz Deutschland kämpfen. Laut Martin Sternkopf fehlen bundesweit 3000 Kräfte in den Bädern. Bayern habe beispielsweise riesige Probleme. „Manche Bäder in anderen Städten können überhaupt nicht öffnen. Wir sind froh, dass wir das hinbekommen haben“, sagt Sternkopf.

Doch woran liegt’s? Laut dem Remscheider Sportamtschef gibt es wohl mehrere Gründe für den Personalmangel. „Man muss ehrlicherweise sagen: Es ist ein Beruf, der nicht gut bezahlt wird. Und dann kommen die ungewöhnlichen Arbeitszeiten hinzu.“ Personal aus dem H2O oder dem Sportbad auszuleihen, mache keinen Sinn. „Die haben dieselbe dünne Personaldecke wie wir.“ Im Übrigen arbeite man mit den Kollegen bereits gut zusammen: Als letztens der Saugroboter im Freibad ausfiel, durfte sich das Team den vom H2O ausleihen. Er wurde per Lkw ins Eschbachtal gebracht.

In Bezug auf die Rettungsschwimmer, die meist zwischen 25 und 35 Jahre alt seien, vermuten Sternkopf und sein Team das gleiche Problem wie in der Gastronomie: Während der Pandemie haben sich viele junge Leute wohl neue Aushilfsjobs gesucht. Und wer schon in der Wasserszene sei, den treibe es meist in attraktivere Bäder an Ost- oder Nordsee.

Auch die Ausbildungsstellen bei der Stadt sind nicht mehr so beliebt wie sie es früher einmal waren. Die Bewerbungen der jungen Leute haben abgenommen. Die gute Nachricht: Das Freibad hat aber einen neuen Azubi: Jerome. Und noch eine gute Nachricht: Die nächsten Tage sind erst einmal gesichert.

Gutachten für den Umbauwerden nun eingeholt

Dafür sorgen auch Nele (19) und ihre Mutter Bianca Krüger aus Hückeswagen. Mama und Tochter, die bei der DLRG Hückeswagen aktiv sind, helfen nun in den Sommerferien im Freibad Eschbachtal als Rettungsschwimmerinnen aus. „Meine Mama macht das schon seit Jahren. Ich habe einen Ferienjob gesucht - meine Mama musste mich nicht lange überzeugen“, erzählt Nele, die gerade am St. Angela Gymnasium in Wipperfürth ihr Abitur abgelegt hat und nach den Ferien an der Bergischen Uni Wuppertal ein Studium beginnt. Ihre Aufgaben: Boote und Bälle ausleihen, gefundene Schlappen entgegennehmen, die Sprungtürme und die Wasserrutsche im Blick behalten. Und schon mal Pflaster bei aufgeschürften Fersen ausgeben. Gut, dass Nele auch Sanitätshelferin ist. „Man muss überall seine Augen und Ohren haben“, sagt sie.

Aber wie soll es künftig weitergehen, schließlich wird das Freibad für einen Millionenbetrag groß umgebaut? „Die Stelle von Jürgen Beelte werde ich im Oktober nachbesetzen können“, erklärt Martin Sternkopf. „Wir wollen sie ausrichten auf das neue Konzept.“ Dann wären es schon mal wieder drei Schwimmmeister. „Vielleicht muss man auch wieder mit mehr Hauptamtlichen arbeiten, wenn das Freibad umgebaut ist.“ Denn Teil des Konzeptes ist es auch, längere Öffnungszeiten anzubieten. Und neben dem klassischen Freibadbetrieb auch weitere Freizeitangebote anzubieten. So soll das Freibad ein Erlebnisort werden - barrierefrei zugänglich und mit einem freigelegten Eschbach. Denn nach der Hochwasserkatastrophe spielt der Überflutungsschutz nun eine große Rolle im Konzept. Dafür müssen Umweltverträglichkeitsgutachten eingeholt werden. Der Rat hatte dazu am Montag grünes Licht gegeben.

Bewerbung und Voraussetzung

Zur Entlastung des städtischen Aufsichtspersonals sucht das Freibad Eschbachtal Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer. Der Aushilfsjob ist eine sozialversicherungsfreie Beschäftigung bis Mitte August. Der Einsatz erfolgt je nach Wetterlage in Absprache mit dem Freibad-Team.

Voraussetzungen: DLRG-Rettungsschein Silber, Erste-Hilfe-Schein, mindestens 18 Jahre alt, erweitertes Führungszeugnis ohne Eintrag. Die Stadt finanziert aber auch den Lehrgang.

Kontakt: Interessierte wenden sich ans Freibad-Team unter Tel. (0 21 91) 38 86 01.

Standpunkt von Axel Richter: Es grüßt das Murmeltier

axel.richter@rga.de

In der Filmkomödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ muss ein Mann ein und denselben Tag immer wieder neu erleben. Der Betrieb beziehungsweise Nichtbetrieb im Freibad Eschbachtal erinnert daran. In jedem Sommer erlebten die Remscheider immer wieder neu, dass ihr Freibad für Tage oder Wochen geschlossen blieb. Dafür gab es stets Gründe, doch das Verständnis war nicht immer groß.

Nun steht das Bad mit seinem Personalproblem nicht alleine da. Mancherorts in NRW ist die Situation sogar so zugespitzt, dass Bäder gar nicht öffnen können. Dafür kann niemand etwas. Allerdings lässt die Personalnot für die Zukunft nichts Gutes erwarten. Sondern könnte tatsächlich zu der absurden Situation führen, dass wir in Remscheid bald ein für viel Geld wunderschön saniertes Freibad haben, an den schönsten Tagen des Jahres aber nicht darin baden können.

Lesen Sie auch: „Oben ohne“ wird im Freibad Eschbachtal noch toleriert

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