Das Frauenhaus leidet unter Corona-Folgen

Karin Heier (Mitte) stellte 2019 mit Regina Schnetzer (l.) und Katrin Buchholz die Räume im Remscheider Frauenhaus vor. Wie sich die Arbeit durch die Folgen der Corona-Pandemie verändert hat, schilderte sie Remscheider Politikern. Archivfoto: Doro Siewert
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Karin Heier (Mitte) stellte 2019 mit Regina Schnetzer (l.) und Katrin Buchholz die Räume im Remscheider Frauenhaus vor. Wie sich die Arbeit durch die Folgen der Corona-Pandemie verändert hat, schilderte sie Remscheider Politikern (Archivfoto).
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Die Leiterin der Einrichtung schilderte Politikern, wie sich ihre Arbeit verändert hat

Von Frank Michalczak

Remscheid. Karin Heier könnte Bücher über Opfer schreiben, die unter seelischer und körperlicher Gewalt zu leiden hatten. Sie leitet seit neun Jahren das Remscheider Frauenhaus, wo sie Betroffenen Zuflucht bietet und sie ermutigt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ihre Arbeit hat sich in Zeiten der Corona-Pandemie verändert, wie sie den Ortspolitikern im Hauptausschuss darlegte. „Wir haben vielfältige Schutzmaßnahmen unternommen, damit sich die Frauen nicht untereinander infizierten. Unter anderem prüfen wir jeden Morgen, ob sie oder ihre Kinder Symptome aufweisen. Wir hatten bis jetzt großes Glück“, erklärte die Sozialpädagogin.

Sie folgte bei der Sitzung in der Sporthalle West am Donnerstagabend einer Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Christel Steylaers. Deren Arbeit steht einmal im Jahr im Mittelpunkt der Beratungen, wobei die Leiterin des Frauenhauses die Gelegenheit nutzte, sich für die gute Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Behörden bei der Stadt Remscheid zu bedanken – von der Ausländerbehörde bis zum Gesundheitsamt.

Karin Heier wirkt mit zahlreichen Ansprechpartnern zusammen, um den betroffenen Frauen Perspektiven zu bieten. Sie hätten in den vergangenen Monaten ganz besonders unter den Corona-Folgen zu leiden gehabt. Nach dem Kraftakt, ihren Partner zu verlassen, folgte nicht Aufbruchstimmung und die Freude über die neu gewonnene Freiheit. „Es gab eben die Kontaktbeschränkungen. Außerdem mussten wir auf Gruppengespräche verzichten.“ Gerade aber der Austausch sei wichtig, weil sich dabei die Frauen gegenseitig Mut machen können und feststellen, dass sie mit ihrem persönlichen Leid nicht alleine stehen. „All das hat den Stabilisierungsprozess verzögert“, bilanzierte Karin Heier, die ein sechsköpfiges Team an ihrer Seite weiß. Dieses verteilt sich auf vier Vollzeitstellen.

Einrichtung bietet Platz für sechs Frauen und ihre Kinder

Sechs Plätze für Frauen und ihre Kinder hält die Einrichtung vor. „Das Haus ist voll belegt“, berichtete Karin Heier, die nach dem Höhepunkt der Corona-Maßnahmen einen sprunghaften Anstieg der Anfragen verzeichnete. Die Betroffenen hätten zuvor in vielen Fällen keine Chance gehabt, Hilfe zu suchen. „Es gab mehrere Anrufe, die mit der Aussage von Frauen endeten, dass sie jetzt schnell auflegen müssen. Sie standen unter andauernder Kontrolle“, erläuterte Karin Heier, die momentan Betroffenen nur bedingt weiterhelfen kann. Im Internet seien die 53 Frauenhäuser in NRW vernetzt und bieten einen Überblick über freie Kapazitäten. Über eine Hotline können sich Hilfesuchende nach dem bundesweiten Angebot erkundigen.

Aber: Keinesfalls sollten Frauen, die sich oftmals in großer Isolation befinden, ihr Schicksal erdulden. „Sie können sich unter anderem an ihren Arzt oder auch Apotheker wenden. Dort liegen Info-Broschüren aus.“ Zudem helfe der Opferschutz der Polizei sofort weiter.

Insgesamt gebe es deutschlandweit zu wenig Plätze in den Einrichtungen für Frauen. Der Mangel trage dazu bei, dass Kinder die Gewalttätigkeit ihres Vaters viel zu lange miterleben müssten – und später dazu tendierten, dieses Verhalten als Erwachsene zu übernehmen. Denn Eltern seien Vorbilder für das eigene Rollenverständnis, wodurch das Übel vielfach von einer Generation auf die nächste übertragen werde. Es sei daher von der Politik kurzsichtig, nicht mehr in die Frauenhäuser zu investieren.

Die Polizei zählt weniger Fälle häuslicher Gewalt: Die Zahl der Strafanzeigen wegen häuslicher Gewalt ist während der Corona-Krise zurückgegangen. Die Fallzahlen haben abgenommen, die Dunkelziffer dürfte in der Corona-Krise aber wachsen.

Remscheider Frauenhaus: Kontakte

Das Remscheider Frauenhaus am Rande der Innenstadt verfügt auch über einen Notplatz für akute Fälle. Es ist unter folgender Nummer zu erreichen Tel. (02191) 997 016.

Die bundesweite Hotline ist erreichbar unter Tel. (08000) 116 016.

Zudem gibt es Informationen über freie Plätze in den 53 Frauenhäusern, die Nordrhein-Westfalen vorhält, im Internet. Die Adresse lautet: www.frauen-info-netz.de

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