Engagement

Franzen schreibt Buch über Stolpersteine

Johann Max Franzen hat ein Buch über die Gedenksteine geschrieben, die er jahrelang säuberte. Archivfoto: s.n.
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Johann Max Franzen hat ein Buch über die Gedenksteine geschrieben, die er jahrelang säuberte.

Der Autor führt die Leser auf Spaziergänge durch Remscheid – Dabei schildert er Schicksale von Nazi-Opfern.

Von Frank Michalczak

Remscheid. 180 Stolpersteine erinnern in Remscheid an das Schicksal von Menschen, die im Dritten Reich verfolgt, entrechtet und getötet wurden. Johann Max Franzen hat nun eine Dokumentation darüber verfasst, wer sich hinter den Namen auf den Messingplaketten verbirgt, die sich auf Gehwegen befinden. Er stellt dazu in seinem Buch „Im Stolpergang durch Remscheid“ vier Spaziergänge vor. Franzen leitet Interessenten durch Alt-Remscheid, den Südbezirk sowie Lennep und Lüttringhausen zu den jeweiligen Stolpersteinen. Diese befinden sich an den früheren Wohnhäusern der Opfer. Er erzählt in seinem Buch ihre Geschichte.

„Ich hatte Zeit und wollte mit ihr etwas Sinnvolles anfangen.“ 

Johann Max Franzen über sein Engagement für die Stolpersteine

Über Jahre hinweg kümmerte sich der 76-Jährige um die Pflege der kleinen Denkmäler, die er reinigte und polierte. „Dann bekam ich Knieprobleme. Seither haben Schulen die Patenschaft übernommen“, erklärt der Autor, der sich mit seinem Buch an alle wendet, die sich für Heimatgeschichte interessieren. Aber auch als Unterrichtsmaterial sei es für die Remscheider Schulen wertvoll. Denn die Jugendlichen könnten zu den Ereignissen im Nazi-Regime einen klareren Bezug herstellen – in dem Bewusstsein, dass die Verbrechen nicht irgendwo, sondern quasi vor ihrer Haustür geschahen.

Juden, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma, Homosexuelle, politisch Verfolgte, Widerstandskämpfer – sie alle zählten auch in Remscheid zu den Opfern der Nationalsozialisten. Seit 2005 wurden zu ihrem Gedenken die Stolpersteine verlegt, wofür sich unter anderem der heutige Stadtdirektor Sven Wiertz stark machte. Franzen begann sich nach einer Stadtführung, für die Plaketten zu interessieren. „Ich wusste damals gar nicht, dass sich auch einige in meiner Straße befinden. Und ich hatte Zeit und wollte mit ihr etwas Sinnvolles anfangen“, blickt der 76-Jährige zurück, der seit Anfang der 70er Jahre in Remscheid lebt, in Schleswig geboren und aufgewachsen ist.

Ein Kapitel seiner Lebensgeschichte verbindet er mit dem Schrecken der Nazi-Zeit. Sein damaliger Schwiegervater – ein Mann mit jüdischem Glauben – wurde in Konzentrationslager deportiert. Nachdem ihm die Flucht gelang, lebte er zehn Jahre in Shanghai, ehe er wieder in seine Heimatstadt Hamburg zurückkehrte. Gut kann sich Franzen an die Wohnung seiner ehemaligen Schwiegereltern erinnern. Sie hatten so gut wie keine Türen. „Weil sie das Gefühl vermeiden wollten, eingesperrt zu sein“, sagt Franzen, der einen persönlichen Beitrag gegen das Vergessen leisten will. Und genau dazu soll das Buch dienen, wobei er diverse Quellen nutzte – unter anderem Fachliteratur von Jochen Bilstein und Frieder Backhaus, Michael Mahlke oder Armin Breidenbach. Zudem griff Franzen auf seine eigene Veröffentlichung zurück („Remscheider Arbeitersiedlungen – Orte des politischen Widerstands“). Einen herzlichen Dank richtet er an Stadtarchivarin Viola Meike und ihrem Team, das ihm bei den Recherchen behilflich war.

Informationen über jüdische Familien und Widerstandskämpfer

So konnte er vielfältige Informationen zusammenstellen – ob zur jüdischen Familie Mandelbaum, deren Mitglieder in der Palmstraße lebten, ob zum Widerstandskämpfer Robert Stamm aus der Strucker Straße oder zu den Geschwistern Caroline und Friederike Löwenthal aus Lennep. Deren Stolpersteine befinden sich an der Kölner Straße. An diese und viele andere Orte führt der ganz besondere Wanderführer durch Remscheid.

Zum Buch

Die Dokumentation „Im Stolpergang durch Remscheid“ von Johann Max Franzen ist im Bergischen Verlag (42 855 Remscheid, Auf dem Knapp 33) erschienen – und im Buchhandel erhältlich. Der Preis beträgt zwölf Euro. ISBN: 978-3-945763-96-4.

Kontakt per E-Mail an info@stolpersteine-remscheid.de

Verein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall präsentiert Informationen zur Sinti- und Roma-Geschichte.

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