Präsenzunterricht

Förderschulen sehnen den Montag herbei

Ausarbeitung der Stundenpläne in der Heinrich-Neumann-Schule, hier am Standort Gewerbeschulstraße 1, der ehemaligen Karl-Kind-Schule: die Lehrerinnen Dagmar Prona (l.) und Petra Wiehager mit Schulleiter Christian Knies. Foto: Doro Siewert
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Ausarbeitung der Stundenpläne in der Heinrich-Neumann-Schule, hier am Standort Gewerbeschulstraße 1, der ehemaligen Karl-Kind-Schule: die Lehrerinnen Dagmar Prona (l.) und Petra Wiehager mit Schulleiter Christian Knies.

Ab 22. Februar kehren Heinrich-Neumann und Hilda-Heinemann schrittweise zum Präsenzunterricht zurück.

Von Melissa Wienzek und Andreas Weber

Die sich ständig verändernden Unterrichtsbedingungen verlangen Schulen seit elf Monaten viel ab. Ganz besonders betroffen sind die beiden Förderschulen in Remscheid. Denn ihre Schülerklientel benötigt eine ganz gezielte, intensive Betreuung, die im Homeschooling schwierig zu gewährleisten ist. Deshalb wird in der Heinrich-Neumann-Schule und der Hilda-Heinemann-Schule die schrittweise Rückkehr zum Präsenzunterricht ab 22. Februar begrüßt.

Die Heinrich-Neumann, eine Schule mit den Schwerpunkten emotionale und soziale Entwicklung sowie Lernen verteilt sich auf sechs Standorte. Es gab Zeiten vergangenes Jahr, da musste das Kollegium in den insgesamt 30 Klassen sage und schreibe 72 Untergruppen bilden, um einen coronagerechten Unterricht zu ermöglichen. Mittlerweile hat sich der Unterricht in Ausnahmezeiten eingependelt. „Zunehmend gehen wir auch ab der Klasse 5 online“, erklärt Christian Knies.

Das Videotool sei dabei das große Problem, sagt der Schulleiter: „Wir arbeiten mit der Open-Source-Konferenzplattform Jitsi und dafür gibt es keine Administratorenrechte.“ Die Heinrich-Neumann würde gerne Microsoft Teams nutzen, die entsprechende Anfrage bei der Stadt läuft. Die Schule mischt digitales Lernen daheim mit herkömmlichen Unterrichtsmaterialien, die einmal wöchentlich an der Schule persönlich aus- und zurückgegeben werden, inklusive die Rückmeldungen der Lehrer auf zu Hause gelöste Aufgaben. Zurzeit fährt die Förderschule dreigleisig: Heimarbeit, aber auch Notbetreuungs-Gruppen, vor allem in der Engelbert- und Gewerbeschulstraße, aber auch in der Igel-Gruppe (Natur-Schule Grund) und der Schule für Kranke am Sana.

30 der insgesamt 320 Kinder nutzen die Notbetreuung. Weitere 35 bis 40 nehmen die erweiterte Lernzeit in der Schule in Anspruch, die seit Februar Schülern mit Defiziten vom NRW-Schulministerium eingeräumt wurde. Es ist ein Angebot, das eigentlich die meisten der Schüler bräuchten. Knies räumt ein, dass Homeschooling an Grenzen stößt. „Denn es gibt einige, die wir zu Hause nicht einmal telefonisch erreichen und den Allgemeinen Sozialdienst einschalten müssen.“ Vielen Kindern und Jugendlichen fehlen auch die Strategien, um zu Hause zu lernen, manche brauchen zur Disziplin die Regeln, die vor Ort in der Schule aufgestellt werden.

„Schule ist bei uns mehr als nur Unterricht.“

Christian Jansen, Leiter der Hilda-Heinemann-Schule

Halbjahreszeugnisse angesichts dieser Rahmenbedingungen zu verfassen, sei schwierig gewesen, meint Christian Knies, weil der Lernstand nur unzureichend hätte beurteilt werden können. Die Lockerung, die nun kommt, wird deshalb begrüßt. Es wird aufgeteilt und gewechselt zwischen Präsenzunterricht und Notbetreuung. Ein Teil geht auch ins Homeschooling. Der organisatorische Aufwand ist hoch, aber für die Heinrich-Neumann nicht neu. „Im Prinzip ist es das, was wir im Mai/Juni 2020 gemacht haben, nur nach den neuen Vorschriften jetzt“, meint Knies.

Die 153 Schüler der Hilda-Heinemann-Schule an der Hackenberger Straße freuen sich schon sehr, die anderen Schüler und auch ihre Lehrer ab dem 22. Februar wiederzusehen. „Schule ist bei uns mehr als nur Unterricht“, sagt Schulleiter Christian Jansen. Die Kinder und Jugendlichen im Alter von 6 bis 22 treffen hier ihre Freunde. Das Schüler-Lehrer-Verhältnis ist eng und familiär. Insofern freuen sich alle auf die schrittweise Wiederöffnung.

Die sei nicht nur für die Primar-, sondern auch für die Abschlussklassen wichtig, sagt Jansen: „Sie sollen gebührend ihren Abschluss auf unserer Schule machen können.“ Derzeit feile er mit seinem „Coronateam“, bestehend aus Lehrern, Schulkrankenschwester und Gleichstellungsbeauftragter, an einem Modell. Schulkonferenz und Schulaufsicht müssen es im Anschluss genehmigen. Die Eltern wurden bereits über den Neustart informiert. „Wir spielen nun zahlentechnisch alles durch und hoffen, dass so wenig wegfällt wie möglich.“ Ob wöchentlicher Wechsel mit Gruppe A und B oder ein anderes Modell – für die Eltern müsse auf jeden Fall Verlässlichkeit herrschen. Und auch die Schüler bräuchten eine Konstante, die ihnen Orientierung im Alltag gebe. „Zu viele Wechsel wären für unsere Schüler schwierig.“ Zumal von diesem Modell auch der Schülerspezialverkehr abhängt.

Knapp 20 Prozent der Schüler sind derzeit trotz Lockdowns in der Schule – in der Notbetreuung. Gerade bei Förderschülern ist dies teilweise gar nicht anders möglich. Gerade diejenigen mit einer schweren, mehrfachen Behinderungen brauchen ständige Begleitung. „Wir haben großes Glück, dass die Stadt Remscheid bewilligt hat, dass unsere Einzelfallhelfer diese Schüler auch zu Hause im Distanzlernen mitbegleiten dürfen.“

Das Hygienekonzept in der Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung ist dasselbe wie zuvor: wechselnde Anfangszeiten, im Nebengebäude hat jede Klasse einen eigenen Eingang, zudem hat jede Klasse eine eigene Pausenzeit. „Nachmittags rufe ich die Klassen einzeln auf, die zu ihren Bussen gehen.“ Eltern, deren Kind zur Risikogruppe zählt, dürfen es weiterhin mit einem Attest vom Präsenzunterricht befreien lassen. Wegen der Schnelltests in Schulen steht die Hilda-Heinemann im Kontakt mit dem Gesundheitsamt. Das medizinische Fachpersonal wäre bereits da – in Form der Schulkrankenschwester.

Eltern kritisieren Homeschooling und Organisation von Lehrzeiten in der Pandemie.

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