Auszeichnung

Flutkatastrophe: Eine Nacht, die niemand vergessen kann

Lisa Heinemann trägt sich ins Goldene Buch ein. Mit ihren Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Nord half sie am 14. Juli vergangenen Jahres Menschen in höchster Not.
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Lisa Heinemann trägt sich ins Goldene Buch ein. Mit ihren Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Nord half sie am 14. Juli vergangenen Jahres Menschen in höchster Not.

250 Feuerwehrkräfte erhielten Medaille für ihren Einsatz bei der Flutkatastrophe.

Von Sabine Naber

Die Nacht, als vom 14. auf den 15. Juli 2021 die Jahrhundertflut auch Remscheid nicht verschonte, der Pegel der Flüsse rasend schnell stieg und Menschen wegen Überschwemmung aus ihren Häusern gerettet werden mussten, diese Nacht vergisst Björn Ziebehl, Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr in Hasten, nicht.

„Dass wir uns zurückziehen, uns selbst in Sicherheit bringen mussten, weil unser Löschfahrzeug komplett unter Wasser stand, das kennen wir alle nicht. Wir sind gewohnt, dass unsere Maßnahmen schnell greifen, aber in dieser Nacht haben wir über Stunden keinen Erfolg gesehen“, erinnert sich Ziebehl. Über ihr Fahrzeugdach haben er und seine Kameraden Menschen aus den oberen Etagen rausholen müssen. Am nächsten Tag ging ihr Einsatz in Unterburg weiter. Dort haben sie drei Häuser leergepumpt, die bis oben unter Wasser standen. „Es war dramatisch.“

So hat auch Christian Halbach, Freiwillige Feuerwehr Nord, diese Nacht erlebt. Er war in der Ortschaft Tyrol im Einsatz, als sein Vater versuchte, ihn zu erreichen. „Ich sollte nach Hause kommen, weil das Wasser in unserer Firma stieg. Aber ich war im Einsatz. Als ich um 6 Uhr morgens nach Hause kam, stand das Wasser in der Schmiede zwei Meter hoch. Unser Haus am Gründerhammer – nur das Obergeschoss war trocken geblieben – ist inzwischen abgerissen. An der Stelle wird eine Mauer hochgezogen, die das Firmengebäude künftig vor Naturkatastrophen schützen soll.“ Als Zeichen des Dankes für ihren Einsatz in der Flutnacht hat Innenminister Herbert Reul den rund 250 Feuerwehrleuten die „Feuerwehr- und Katastrophenschutz-Einsatzmedaille“ verliehen.

Überreicht wurden sie im Rahmen einer Feierstunde am Samstagvormittag im Vaßbendersaal von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz. „Sie haben geholfen, organisiert und sich bis zur Erschöpfung für Ihre Mitmenschen eingesetzt. Ihnen ist es zu verdanken, dass niemand persönlich zu Schaden kam“, dankte der OB im Namen der Stadtgesellschaft der Feuerwehr. Erinnerte aber auch daran, dass wir alle uns künftig vermehrt auf solche Naturkatastrophen einstellen und vorbeugende Maßnahmen treffen müssten.

Stolz auf seine Feuerwehr zeigte sich auch Guido Eul-Jordan, Leiter der Berufsfeuerwehr. „Die Freiwillige Feuerwehr ist unverzichtbar im System. Wir schaffen es nur gemeinsam. Und heute wird gut sichtbar, wie wichtig dieses Ehrenamt ist.“

Standpunkt von Axel Richter: Ein besonderer Geist

axel.richter@rga.de

Während der eigene Betrieb unterging, half Christian Halbach den Menschen in Tyrol. Und noch während das Wasser zwei Meter hoch in der Schmiede seines Vaters stand, rückte er nach Solingen-Burg aus, das ebenfalls schwer von der Flut vom 14. Juli vergangenen Jahres getroffen worden war. „Menschenleben geht vor“, kommentierte das seinerzeit kurz und knapp Friedrich Halbach gegenüber dem RGA.

Das ist der Geist, dem diejenigen folgen, die sich zum Teil seit Familiengenerationen in den Einheiten der Feuerwehr oder der Hilfsorganisationen engagieren. Zunächst einmal wird denen beigestanden, die ihren Beistand am Nötigsten brauchen und eigene Interessen stehen hintan.

Im Angesicht von Krieg und Krise ist sich aktuell so mancher wieder selbst der nächste. Umso mehr sind wir als Gesellschaft denen zu Dank verpflichtet, die für andere ihr Hab und Gut und unter Umständen sogar das eigene Leben riskieren.

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