Nach der Katastrophe bleiben Fragen offen

Fluthilfe stellt sich im Kall-nit-Livetalk vor

Papa Jo, Mel Redecker, Maximilian Süss, Eva Kien, Horst Kläuser, Sven Schulte, Burkhard Mast-Weisz und Petra Köser (v. l.) beim Livestream im Löf. Foto: Doro Siewert
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Papa Jo, Mel Redecker, Maximilian Süss, Eva Kien, Horst Kläuser, Sven Schulte, Burkhard Mast-Weisz und Petra Köser (v. l.) beim Livestream im Löf.

Die Beteiligten berichten von großer Hilfsbereitschaft.

Von Dela Kirchner

Remscheid. Und auf einmal ist sie ganz nah, die Flutkatastrophe, die Remscheid und ganz Deutschland sowie weitere europäische Länder so schwer getroffen hat. Trotz gelöster Stimmung der Gäste und Gastgeber während der Vorbereitungen zum Livestream von Horst Kläusers „Kall nit – Help!“ aus dem Löf an der Theodor-Körner-Straße wurde schnell klar, wie viele Eindrücke jeder Einzelne im Gepäck hatte – mal positiv, mal beängstigend oder zum Nachdenken anregend. Am Freitagabend stellte sich die Fluthilfe Remscheid in diesem ersten Livestream vor, untermalt von der Musik von Papa Jo. Weitere Aktionen sind in Planung.

Den Anfang auf der Couch neben Moderator Horst Kläuser, der in gewohnt souveräner und gewitzter Manier durch den Abend führte, machte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD). Und traf bereits mit seinem ersten Satz exakt das Gefühl, das alle Beteiligten hatten: „Das geht einem nah.“ Er beschrieb, was die Remscheider in dieser Situation auszeichnet: „Mitfühlen, Mitdenken und Mithandeln. Wir freuen uns über viele unerwartete Spenden.“ 311.000 Euro sind schon auf dem Spendenkonto der Stadt eingegangen.

Lob gab es von Horst Kläuser, Mitinitiator der Aktion „Fluthilfe Remscheid“, für die Zusammenarbeit mit der Verwaltung in den vergangenen Tagen und er bat, dieses Lob an die Mitarbeiter weiterzugeben. Aber auch den Hinweis auf viele offene Fragen, die in den kommenden Wochen geklärt werden müssten: Hätte mehr Vorsorge getroffen werden können? Können die Gebäude an denselben Stellen wieder aufgebaut werden? Und: Was kann Remscheid jetzt tun, um solche Folgen in Zukunft zu vermeiden?

Von der Hilfsbereitschaft der Remscheider Bürgerinnen und Bürger und der unglaublichen Dankbarkeit der Betroffenen über Sachspenden wussten Mel Redecker, Petra Köser und Eva Kien („Die Esche“) zu berichten. In ihren Spendensammlungen für den täglichen Bedarf von Opfern der Flutkatastrophe sind unglaubliche Mengen an Kleidung, Hygieneartikeln, Nahrungsmitteln und Möbeln zusammengekommen. „Mittlerweile fahren wir auch täglich in besonders stark betroffene Gebiete außerhalb von Remscheid, um Spenden zu verteilen“, erzählte Redecker. Tief betroffen sind alle von der Dankbarkeit der Menschen in den Katastrophengebieten. „Die haben nicht mal mehr eine Küche, aber schmieren uns Helfern Brötchen“, beschrieb Sven Chudzinski vom THW Remscheid, der unter anderem in Schleiden mit seiner Einheit einsturzgefährdete Gebäude überprüft, Talsperrendämme überwacht und Baumstämme aus Bächen entfernt hat. Horst Kläuser brachte es auf den Punkt: „Diese Stadt hält zusammen.“

Spendenkonto: Die Stadt hat ein Spendenkonto eingerichtet: IBAN: DE12 3405 0000 0012 1212 16. Überweisungszweck: Fluthilfe Remscheid.

www.fluthilfe-remscheid.de

Standpunkt: Bescheiden in der Not

Von Melissa Wienzek

melissa.wienzek@rga.de

Die Kette der helfenden Hände wird immer länger: Nachdem die Fluthilfe Remscheid die Hilfsangebote in geordnete Bahnen gebracht hat und die Stadt ein Spendenkonto eingerichtet hat, kommt die Welle der Hilfsbereitschaft ins Rollen – abgesehen von den vielen tollen Aktionen, die ohnehin schon liefen. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Vereine spenden für all diejenigen in der Stadt, die wegen des Hochwassers so viel verloren haben. Diese Nächstenhilfe berührt. In den Tallagen herrscht immer noch Ausnahmezustand. Zu ermitteln, wer wie was benötigt und wie das Geld schließlich gerecht verteilt wird, ist keine leichte Aufgabe. Daher hat die Fluthilfe sogenannte Bekieker-Teams gegründet, die per pedes oder Fahrrad die Betroffenen aufsuchen. Mit Siegfried Landau als sensiblen Seelsorger und Pfarrer vom Hasten wurde dabei eine gute Wahl getroffen. Auch der Kommunale Ordnungsdienst hat Bedarfe ermittelt. Ein mehrköpfiges Gremium entscheidet nun über die Anträge. Dabei ist eines bereits deutlich geworden: Die Opfer sind in ihrer Not auch noch bescheiden. Das geht einem gleich doppelt nah. Sie dürfen unsere Hilfe aber gern annehmen.

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