550.000 Euro sind eingegangen

Fluthilfe: Initiative unterstützt auch weiterhin die Hochwasser-Opfer

Bei Wirt Axel Armborst, hier kurz nach dem Hochwasser, laufen noch immer die Trockner. Foto: Roland Keusch
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Bei Wirt Axel Armborst, hier kurz nach dem Hochwasser, laufen noch immer die Trockner.

Mehr als 550 000 Euro sind mittlerweile auf dem Konto der Remscheider Fluthilfe eingegangen. Von der Anteilnahme für die Opfer des Hochwassers von Mitte Juli zeigt sich Initiator Horst Kläuser beeindruckt.

Von Andreas Weber und Frank Michalczak

Remscheid. „Nach wie vor gehen Spenden ein“, erklärt der Remscheider, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den betroffenen Menschen möglichst unbürokratisch zu helfen. Seit Beginn der Benefizaktion seien 180.000 Euro an Direktleistungen ausgezahlt worden. „Mal haben wir Gutscheine für Baumärkte herausgegeben, mal Bargeld, mal Rechnungen von Handwerkern übernommen“, blickt Kläuser zurück. Doch die Fluthilfe Remscheid beschränke sich nicht nur auf materielle Unterstützung. „Seit etwa drei Wochen können die Betroffenen Wiederaufbauhilfe beantragen. Auf Wunsch helfen wir gerne beim Ausfüllen der Formulare.“

Frieren müsse in den betroffenen Bachtälern Remscheids niemand. Dabei galt es, passgenau Lösungen für individuelle Probleme zu finden. „Bei dem einen war die Pumpe in der Ölheizung kaputt. Bei dem anderen fehlte Brennholz. In weiteren Fällen mussten Radiatoren her, die vorübergehend für Wärme sorgen“, zählt Kläuser auf.

Remscheid: Noch immer herrscht Handlungsbedarf

Dennoch: Auch wenn die größten Schäden in den überfluteten Gebäuden mittlerweile behoben seien, herrsche Handlungsbedarf. Nicht alles werde von den Versicherungen bezahlt oder der Wiederaufbauhilfe finanziert. Dies gelte insbesondere für Zerstörungen auf den Grundstücken, wo zuweilen ganze Mauerwerke weggespült wurden. „Wir werden uns daher in der nächsten Woche mit einem Schreiben an die betroffenen Menschen richten und mit ihnen klären, wo sie Hilfe benötigen – bei all dem, was nicht abgedeckt ist“, berichtet OB Burkhard Mast-Weisz.

„Auf Wunsch helfen wir gerne beim Ausfüllen der Formulare.“

Horst Kläuser, Fluthilfe

Kontakt zu den Haushalten in den Flutgebieten Remscheids halten die sogenannten „Bekieker“, die sich in den Wochen nach der Naturkatastrophe ein Bild von den Schäden machten – und mit den Anwohnern das Gespräch suchten. Sieben Teams mit jeweils zwei Bekiekern waren und sind im Einsatz. Sie hören zu, spenden Trost und geben Ratschläge. Ein Wiedersehen gab es kürzlich an der Gaststätte Wildschütz Aue, wo sich Betroffene mit ihren Ansprechpartnern trafen: „Und so manche Nachbarn lernten sich bei dieser Gelegenheit kennen“, erklärt Horst Kläuser mit Blick auf das weitläufige Morsbachtal, wo die Anwohner zuweilen kilometerweit voneinander entfernt leben.

Auch Wildschütz-Gastwirt Axel Armborst war von den Fluten betroffen. Sein Bierkeller versank fast zwei Meter hoch im Wasser, draußen im Garten wurde ein Gartenhäuschen vom reißenden Morsbach aus der Verankerung gehoben und weggespült. Armborst erhielt nach dem 14. Juli umgehend eine Soforthilfe von 2000 Euro und weitere personenbezogene 500 Euro. Ein paar Wochen später gab es noch einmal einen Tausender. Über die Fluthilfe folgten weitere Gutscheine im Wert von 2000 Euro für einen Obi-Baumarkt. Mit Hilfe eines Nachbarn und Einsatz eines Dachdeckers steht das Gartenhaus wieder. 3800 Euro wurden darin investiert, 1000 allein für das Holz.

In seinem Keller laufen noch vier Trockner. „Bis Anfang 2022 wird es wohl dauern“, schätzt Armborst nach über drei Monaten Dauereinsatz. Teilweise mussten Wände abgeschlagen werden, weil die Feuchtigkeit nicht rausging. Probleme gibt es mit der Versicherung. Die legt momentan ihr Veto ein, sieht die kaputten Kühlaggregate in Höhe von 8000 Euro nicht mitversichert. Für die Gastronomie werden sie aber benötigt.

Fluthilfe

Rund 70 Haushalte seien vom verheerenden Hochwasser in Remscheids Tallagen betroffen gewesen, schätzt Hilfsinitiator Horst Kläuser. Bei der Stadtsparkasse wurde für die Anwohner ein Spendenkonto eingerichtet. Näheres darüber und viele weitere Informationen über die Arbeit der Initiative gibt es im Internet unter der Adresse

www.fluthilfe-remscheid.de

Standpunkt: Große Solidarität

Von Frank Michalczak

frank.michalczak@rga.de

Weit über 1000 Spenderinnen und Spender beteiligten sich bisher mit großen oder kleineren Überweisungen an der Fluthilfe Remscheid. Mittlerweile kamen über 550.000 Euro zusammen. Diese Zahlen belegen, wie groß Hilfsbereitschaft und Solidarität in unserer Stadt sind, wenn es gilt, die Hochwasser-Opfern zu unterstützen. Diese Hilfe muss weitergehen. Denn noch immer laufen in vielen Häusern die Gebäudetrockner. Und nicht alles wird von der jeweiligen Versicherung oder den Wiederaufbauhilfen übernommen. Dass dies nicht in Vergessenheit gerät, wird Aufgabe für Initiator Horst Kläuser und seine Mitstreiter bleiben, die bisher vorbildlich und umsichtig gehandelt haben. Denn: Statt per Gießkannenprinzip das Geld zu verteilen, wurden die individuellen Nöte und Bedürfnisse der Betroffenen Maßstab für die finanzielle Unterstützung. So viel steht fest: Die Fluthilfe Remscheid hat eine große Verantwortung auf sich genommen, mit den Spenden möglichst gerecht umzugehen.

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