Schäden werden immer sichtbarer

Fluten schädigen die Ökosysteme langfristig

Remscheider Gewässer und das Haus Müngsten haben mit den Folgen der Flut zu kämpfen. Archivfoto: Michael Schütz
+
Remscheider Gewässer und das Haus Müngsten haben mit den Folgen der Flut zu kämpfen.

Die Wuppertalsperre und das Haus Müngsten bleiben nach dem Hochwasser geschlossen.

Von Valeria Schulte-Niermann und Kristin Dowe

Remscheid. Rund zwei Wochen nach dem Hochwasser werden die dadurch entstandenen Schäden immer sichtbarer. Nicht nur an Gebäuden hat das Wasser seine Spuren hinterlassen, Böschungen wurden herabgerissen und Fische sowie andere im Wasser lebende Tiere weggespült. Im Hinblick auf die Gewässer ist für den Geologen Hans-Dieter Brinkmann klar: „Der ökologische Zustand ist nicht gut.”

An der Wuppertalsperre ist seit zwei Wochen jegliche Freizeitnutzung untersagt. Wegen Verunreinigungen mit Öl und anderen Substanzen rief der Wupperverband in Abstimmung mit dem zuständigen Umweltamt des Oberbergischen Kreises Umweltalarm aus. „Das dient auch dem Schutz des Menschen“, erklärt Susanne Fischer vom Wupperverband.

„Es ist unklar, wie sich die Fische jetzt ernähren.”

Dagmar Jaspers, Stadt Remscheid

Um welche Substanzen es sich genau handelt, analysiert der Wupperverband aktuell. Dafür wurden Wasserproben an unterschiedlichen Stellen und in unterschiedlichen Tiefen entnommen. Damit soll auch geklärt werden, wie sich die Substanzen verbreitet haben. Erst dann könne über das weitere Vorgehen entschieden werden, sagt Fischer.

Im Morsbach und im Eschbach seien keine starken Verschmutzungen bekannt, sagt Geologe Brinkmann vom städtischen Umweltamt. Allerdings seien Öle und andere Betriebsstoffe ins Wasser gelangt, als die Flut durch die Produktionsbetriebe in den Tälern strömte. „Wir haben eine diffuse Verunreinigung”, sagt Brinkmann. Durch die Wassermassen sei das Öl verdünnt worden, allerdings habe es sich auf einigen Wiesen abgesetzt. Dort könnten momentan keine Tiere weiden, bis das verunreinigte Gras beseitigt wurde.

Das Wasser sei zwar so gut wie sauber, so Brinkmann, jedoch sei die Gewässerstruktur stark geschädigt. Momentan erfasst die Stadt noch die Schäden, klar ist aber jetzt schon: Die Flut spülte Wurzeln frei und schwemmte Bodensubstrat, in dem kleine Tiere leben, weg. Darunter sind Bachflohkrebse, Köcherfliegenlarven und Strudelwürmer, die den Fischen als Nahrung dienen.

Dagmar Jaspers vom Umweltamt der Stadt Remscheid berichtet zwar von einigen Bachforellen in den Bächen, doch die kleinen Tiere bleiben verschwunden: „Es ist unklar, wie sich die Fische jetzt ernähren”, sagt sie. Die Regeneration könnte noch Jahre dauern.

Auch am Müngstener Brückenpark ist die Flut nicht spurlos vorüber gegangen. Auf eine beschauliche Fahrt über die Wupper mit der Schwebefähre müssen Ausflügler beispielsweise auf unbestimmte Zeit verzichten. Denn die Attraktion, die zum Haus Müngsten gehört, wurde durch das Unwetter schwer beschädigt, berichtet Sabine Groß, die die Fähre mit Ehemann Klaus im Auftrag der Lebenshilfe betreibt: „Durch das Unwetter wurden Führungsseile der Fähre unter Wasser gesetzt, so dass sich Treibgut wie Baumstämme darin verfangen hat. Dadurch wurden Betonblöcke auf beiden Uferseiten aus ihrer Verankerung gerissen.“ Derweil wurden im Haus Müngsten Elektrogeräte und sanitäre Anlagen geflutet. Sabine Groß hofft, dass das Ausflugslokal zumindest bald mit einem Toilettenwagen in den Terrassenbetrieb gehen kann – wenn die gröbsten Schäden behoben sind. Dramatisch verlief der Tag des Hochwassers auch für Stefan Böhm. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Claudia betreibt er im Brückenpark eine Minigolfanlage, die mit Massen von Schlamm bedeckt gewesen sei. Im traditionsreichen Kiosk habe das Wasser gut 1,70 Meter hoch gestanden und einen Schaden von 40 000 Euro verursacht.

Ein Trostpflaster: Zumindest die für den 1. August geplanten Brückensteig-Touren sollen regulär stattfinden.

Hintergrund

Rund 100 000 Liter Öle und anderer Stoffe könnten in die Wuppertalsperre gelangt sein, schätzt Susanne Fischer vom Wupperverband. Zur Beseitigung setzte der Verband erst Ölsperren ein, später wurde verunreinigtes Treibgut entfernt. Momentan saugt die Entsorgungsfirma Lobbe die auf der Oberfläche schwimmenden Stoffe ab. Es sei unklar, wie gut das gelingt und wie lange es noch dauert, so Fischer.

Hochwasser kostet Versicherer bis zu 5,5 Milliarden Euro

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Historisches Foto: Wer erkennt die Straße?
Historisches Foto: Wer erkennt die Straße?
Historisches Foto: Wer erkennt die Straße?
Das erste Kirmeswochenende ist ein voller Erfolg
Das erste Kirmeswochenende ist ein voller Erfolg
Das erste Kirmeswochenende ist ein voller Erfolg
Auf dem Schützenplatz drehen sich wieder die Kirmes-Karussells
Auf dem Schützenplatz drehen sich wieder die Kirmes-Karussells
Auf dem Schützenplatz drehen sich wieder die Kirmes-Karussells
Corona: Inzidenz sinkt auf 48,4
Corona: Inzidenz sinkt auf 48,4
Corona: Inzidenz sinkt auf 48,4

Kommentare